Eine Explosion - die Tür zur Lagerhalle wird gesprengt. Vermummt und schwer bewaffnet dringt das Einsatzkommando ein. In einem Container in den Niederlanden machen die Ermittler eine grausige Entdeckung.

Politiker von CDU und CSU fordern nun härtere Strafen bei organisierter Kriminalität.

Update vom 10.07.2020, 10.45 Uhr: Union für höhere Strafen bei organisierter Kriminalität

Nach der Entdeckung einer geheimen Folterkammer in den Niederlanden hat die Fraktion von CDU/CSU im Bundestag härtere Strafen bei organisierter Kriminalität gefordert.

«Der Druck auf das organisierte Verbrechen muss zunehmen», sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Thorsten Frei am Donnerstag. Die niederländische Polizei hatte das von einer kriminellen Bande selbst gebaute Foltergefängnis über abgefangene Telefon- und Chatgespräche entdeckt.

In Deutschland hätten die Ermittler mit der sogenannten Quellenüberwachung der Telekommunikation seit 2017 zwar ein wichtiges Instrument an der Hand - aber die Hürden, sie einzusetzen, seien zu hoch, sagte Frei. «Ob ein genügend großer Verdacht besteht, dürfte oft von Zufallsfunden abhängen. Deshalb müssen wir das Strafrecht mit der organisierten Kriminalität auf Augenhöhe bringen», sagte er.

Ziel müsse es sein, schon die Bildung einer kriminellen Struktur bei der organisierten Kriminalität besser unter Strafe zu stellen. Schon beim Verdacht auf solche kriminellen Strukturen müsse wirksam ermittelt werden können, betonte der Politiker.

Frei forderte auch eine Anpassung des Tatbestands der «Bildung krimineller Vereinigungen». Auch müsse die Höchststrafe bei organisierter Kriminalität von fünf auf zehn Jahre erhöht und Zeugen direkt nach der Tat vom Ermittlungsrichter vernommen werden können - sonst bestehe die Gefahr, dass sie sich wegen Drohungen später vor Gericht «an nichts mehr erinnern».

Erstmeldung vom 08.07.2020, 18.55 Uhr: Gefängnis der Unterwelt: Polizei findet Folterkammer wie aus Horrorfilm

Ein Container, von innen dick mit silberner Folie isoliert. In der Mitte ein altmodischer Zahnarztstuhl mit Riemen zum Festschnallen der Arme, dazu Handschellen und ein ganzes Arsenal an Werkzeugen, um Menschen zu quälen. Die Entdeckung einer geheimen Folterkammer schockt sogar die hartgesottenen Polizisten des niederländischen Einsatzkommandos: «Fucking hell!», ruft einer in dem Video, das die Polizei zu dem spektakulären Einsatz veröffentlichte.

Am Mittwoch (8. Juli 2020), dem Tag nach der Entdeckung der umgebauten Seecontainer, wird alles klarer: Dahinter stecken nach ersten Ermittlungen Rauschgifthändler. Der Hauptverdächtige ist nach Polizeiangaben ein 40-jähriger Mann aus Den Haag. Er gehöre einer der führenden Drogenbanden des Landes an, berichten niederländische Medien.

Container zu Folterkammern umgebaut

Die Polizei hatte am Vortag Bilder von sieben Seecontainern veröffentlicht, die zu Zellen und einer Folterkammer umgebaut worden waren. Sechs Personen waren festgenommen worden. Bereits seit April war der Hauptverdächtige im Visier der Polizei, unter dem Verdacht des Drogenhandels und der Vorbereitung einer Liquidierung. Dabei hatten die Ermittler auch die Lagerhalle im Ort Wouwse Plantage in der Provinz Noord-Brabant im Süden des Landes entdeckt.

Von außen schien alles ganz harmlos. Doch dann bekam die Kripo Zugang zu dem inzwischen geschlossenen Netzwerk EncroChat, das vor allem von Kriminellen genutzt wurde. Es war von europäischen Ermittlern geknackt worden - monatelang konnten sie Telefon- und Chatgespräche abfangen.

Für die Niederländer war es ein Schock. Folter ist als Druckmittel in der Unterwelt zwar nicht neu. Doch noch nie zuvor waren eigens dafür eingerichtete und umgebaute Räume entdeckt worden. «Das ist doch eine neue Dimension auch bei Kriminellen», sagte ein Polizeisprecher. Waffen, gestohlene Polizeiuniformen, Blaulichter und Drogen wurden ebenfalls beschlagnahmt.

Wie aus einem Horrorfilm

In einem der Container stand - wie aus einem Horrorfilm - der Zahnarztstuhl. Daneben Heckenscheren, Zangen, Bohrer, chirurgische Instrumente und auch Klemmen, um einzelne Finger zu fixieren. Die Verdächtigen nannten es das «Behandlungszimmer», teilte die Polizei mit. «Wenn ich den auf dem Stuhl habe, dann kommt noch mehr», hatte einer im Chat geschrieben. «Aber der Hund ist spurlos verschwunden.»

Die Polizei hatte potenzielle Opfern rechtzeitig gewarnt. Auch sie waren nach Angaben eines Polizeisprechers Personen aus der Unterwelt, sollten vermutlich unter Druck gesetzt und erpresst werden. Doch noch bevor die Folterkammer genutzt werden konnte, griff die Polizei jetzt zu.