Zugleich mahnte das Staatsoberhaupt erneut mehr deutsches Engagement in diesem Bereich an. Vor den türkischen Leistungen habe er «großen Respekt», sagte er am Sonntag beim Besuch eines Lagers mit etwa 16 000 Flüchtlingen in der Südtürkei. Nach Schätzungen der Regierung in Ankara haben inzwischen fast eine Million Syrer in der Türkei Zuflucht gefunden.

Auch Deutschland könne noch mehr zur Unterstützung der Flüchtlinge unternehmen, sagte Gauck. Es sei zwar bereits einiges geschehen. «Aber wir dürfen die Hände nicht in den Schoß legen.»

Gauck informierte sich in einem Flüchtlingslager am Rande der Stadt Kahramanmaras über die Lage der Menschen, die vor den blutigen Auseinandersetzungen in ihrer Heimat geflohen sind. Er befragte syrische Kinder nach ihrem Schicksal und sprach auch mit Vertretern von Hilfsorganisationen. Die Kinder begrüßten die Besucher mit Tanz und gespielten Szenen aus ihrem Alltagsleben.

Einige Dutzend Jugendliche empfingen Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt in dem Flüchtlingslager mit einer Demonstration gegen das Regime in ihrer Heimat. «Tod für Assad» riefen sie und skandierten «Erdogan, Erdogan». Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan ist einer der erbittertsten Gegner von Syriens Machthaber Baschar al-Assad. Gauck und seiner Delegation jubelten sie stürmisch zu. Der Bundespräsident wird auf seiner Türkeireise von der Integrationsbeauftragen der Bundesregierung, Aydan Özoguz, begleitet.

Am Nachmittag traf der Bundespräsident auch mit deutschen Soldaten zusammen, die in Kahramanmaras mit Patriot-Raketen und zusammen mit türkischen Einheiten den Luftraum vor möglichen syrischen Angriffen schützen. Gauck dankte den Bundeswehrangehörigen für ihr Engagement. «Mit Ihrem Einsatz haben Sie dazu beigetragen, dass der Syrien-Konflikt bisher nicht auf die Türkei übergegriffen hat.»

Er hoffe, dass die Raketen ihren Zweck erfüllen, ohne dass sie in einem Gefecht zum Einsatz kommen müssen, sagte Gauck. Die deutschen Soldaten verdienten Respekt - «in einem höheren Maße als wir es von Zeit zu Zeit haben», betonte er. Er wünsche sich, dass der Einsatz in der Türkei auch in der deutschen Öffentlichkeit gewürdigt werde. In Kahramanmaras sind etwa 300 deutsche Soldaten stationiert.

Anfangsschwierigkeiten bei der Zusammenarbeit mit den türkischen Soldaten seien überwunden worden, sagte Gauck. Der Auftrag fern der Heimat erwachse aus der Bündnisverpflichtung gegenüber dem NATO-Partner Türkei.

Gauck war am Samstag in die Türkei gereist. Am Montag wird er in Ankara von Staatspräsident Abdullah Gül und Regierungschef Erdogan empfangen.