Der nach Anschuldigungen sexueller Belästigung unter immer größerem Druck stehende New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo hat den Ermittlern über seine Anwälte Voreingenommenheit und Verfahrensfehler vorgeworfen.

«Es gab in diesem Fall keine für alles aufgeschlossene Faktensuche», sagte Cuomos Anwältin Rita Glavin. «Diese Untersuchung wurde so durchgeführt, dass eine vorher bestimmte Sichtweise unterstützt wurde.» Es sei nicht um die Suche nach der Wahrheit gegangen - «die Ermittler waren Strafverfolger, Richter und Geschworene in einem».

Die von Generalstaatsanwältin Letitia James am Dienstag veröffentlichte Untersuchung war zu dem Ergebnis gekommen, dass Cuomo frühere und derzeitige Mitarbeiterinnen der Behörden des Bundesstaats sexuell belästigt habe. Unter anderem habe es ungewollte Berührungen, Küsse, Umarmungen und unangebrachte Kommentare gegeben. Außerdem habe der seit 2011 amtierende Gouverneur eine für Frauen «feindliche Arbeitsatmosphäre» und ein «Klima der Angst» geschaffen.

Cuomo beklagt unfaire Behandlung

Cuomo und andere Beteiligte hätten vorab keinerlei Benachrichtigung darüber bekommen, dass der Untersuchungsbericht fertig sei, wann er veröffentlicht werde und was darin stehe - und somit auch keinerlei Möglichkeit zu Reaktion oder Rechtfertigung bekommen, beklagte Glavin. «Der Gouverneur verdient es, fair behandelt zu werden, und das war hier nicht der Fall. Der Gouverneur wurde überfallen.» Zudem lägen den in dem Untersuchungsbericht angeklagten Menschen die Transkripte des Beweismaterials immer noch nicht vor, sagte Anwalt Paul Fishman. «Das ist ein Problem.»

Zahlreiche prominente Politiker von Republikanern und Demokraten hatten nach der Veröffentlichung des Untersuchungsberichts Cuomos Rücktritt gefordert - bis hin zu US-Präsident Joe Biden. Der Vorsitzende des Repräsentantenhauses von New York, Carl Heastie, kündigte ein rasches Amtsenthebungsverfahren gegen Cuomo an. Zudem drohen dem Gouverneur strafrechtliche Konsequenzen von mehreren regionalen Staatsanwaltschaften im Bundesstaat New York. Auch eine der betroffenen Frauen stellte Strafanzeige. Der Sheriff in Albany, der Hauptstadt des Bundesstaats New York, prüfe diese Anzeige nun, berichteten zahlreiche US-Medien am Freitag unter Berufung auf die Behörde und Anwälte der Frau.

Cuomo wies die Vorwürfe nach der Veröffentlichung des Berichts am Dienstag per Videobotschaft zurück und thematisierte einen Rücktritt zunächst nicht. Der Gouverneur wolle aber «bald» selbst noch einmal Stellung zu dem Bericht nehmen, kündigte Anwältin Glavin an.

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