«Wir klagen (den Armeekommandanten) Abdel Fatah al-Sisi und die anderen Putschführer an, den Bürger und Präsidenten Mohammed Mursi entführt zu haben», sagte Mursis Sohn Osama am Montag auf einer Pressekonferenz in Kairo. International werden die Rufe nach einer Freilassung Mursis lauter.

Die EU-Außenminister forderten in einer gemeinsamen Erklärung zu Ägypten ausdrücklich «die Freilassung aller politischen Häftlinge, Mohammed Mursi eingeschlossen». Zugleich verlangten sie erneut Wahlen und einen Übergang zu einer zivilen Regierung in Ägypten. «Es ist jetzt von äußerster Wichtigkeit, dass Ägypten einen Wandel einleitet, der einen Übergang der Macht zu einer von Zivilisten geführten und demokratisch gewählten Regierung erlaubt», hieß es in Brüssel weiter.

Die USA verlangten ein Ende aller politisch motivierten Festnahmen und Inhaftierungen in Ägypten. «Und wenn ich das sage, schließt es auch Präsident Mursi mit ein», fügte Regierungssprecher Jay Carney in Washington hinzu. Alle Parteien sollten die Freiheit haben, an der Gestaltung der politischen Zukunft des Landes mitzuwirken.

Mursi war am 3. Juli nach Massenprotesten gegen seine islamistische Herrschaft vom Militär gestürzt worden. Seitdem halten ihn die Generäle an einem unbekannten Ort und ohne formelle Anklage in Haft. Weder Angehörige noch Anwälte hatten bislang Zugang zu ihm. Die Familie wolle nun juristisch gegen die Gefangennahme vorgehen, sagte Mursis Sohn. Man wolle auch erreichen, dass sich internationale Menschenrechtsorganisationen mit dem Fall befassen. Das Militär behauptet, Mursi werde «zu seiner eigenen Sicherheit» festgehalten.

Fast drei Wochen nach seiner Entmachtung wird der Ex-Präsident zunehmend zum Gegenstand von Gerüchten und Spekulationen. In der Nacht zum Montag brachte die Webseite der Tageszeitung «Al-Ahram» eine Eilmeldung, wonach Mursi wegen Spionage für die USA angeklagt werden sollte. Der Bericht erregte auch deshalb Aufsehen, weil «Al-Ahram» als sehr staatsnah gilt. Sprecher der Staatsanwaltschaft und der Armee bezeichneten die Nachricht kurz nach ihrem Erscheinen als «Falschmeldung». Der Herausgeber der Zeitung, Abdel Nasser Salama, wurde am Montag von der Staatsanwaltschaft vorgeladen.

Übergangspräsident Adli Mansur forderte die Ägypter nach erneuten Zusammenstößen mit Toten und Verletzten in Kairo am Montag in einer Fernsehansprache zur Versöhnung auf. «Es ist höchste Zeit, ein Land zu werden, das sich mit der Vergangenheit ausgesöhnt hat, um die Zukunft zu bauen.»

Bei Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern Mursis starben in der ägyptischen Hauptstadt mindestens zwei Menschen. Weitere 20 Menschen seien bei den Auseinandersetzungen auf dem Tahrir-Platz verletzt worden, berichteten staatliche ägyptische Medien weiter. Zu den Ausschreitungen kam es nach «Al-Ahram»-Angaben, als sich eine Gruppe von Mursi-Anhängern dem Tahrir-Platz näherte, auf dem Gegner des gestürzten Präsidenten demonstrierten. Die Protestierer gingen mit Messern, Stöcken und Steinen aufeinander los, wie Medien und Augenzeugen berichteten. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Menge auseinanderzutreiben. Auf einem Online-Video waren mehrere Bewaffnete zu sehen, die das Feuer auf die Demonstranten eröffneten.

Im Norden der Halbinsel Sinai griffen bewaffnete Extremisten in der Nacht zum Montag mehrere Kasernen und Polizeiwachen an und töteten nach Angaben von Krankenhausärzten drei Zivilisten. Auf dem Sinai tummeln sich seit dem Arabischen Frühling islamistische Milizen und Schmugglerbanden. Immer wieder gibt es Angriffe auf Sicherheitskräfte. Seit Mursis Sturz haben sich die Aktivitäten der Extremisten verstärkt. Nach offiziellen Angaben wurden seitdem 21 Menschen getötet.