In Myanmar herrscht nach dem bisher blutigsten Tag seit dem Militärputsch vor einem Monat Entsetzen über die Gewalt der Sicherheitskräfte.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind allein am Mittwoch 38 Menschen ums Leben gekommen, als die Polizei in verschiedenen Landesteilen mit scharfer Munition auf Demonstranten schoss. «Heute war der schwärzeste Tag seit dem Putsch am 1. Februar», sagte die UN-Sonderbeauftragte Christine Schraner Burgener.

Auf Videos in sozialen Netzwerken war zu sehen, wie Polizisten wahllos auf Menschen zielten und Leichen über den Boden schleiften. Auch Schraner Burgener berichtete von «sehr verstörenden» Videos, auf denen Gewalt und das offensichtliche Erschießen eines Protestierenden zu sehen gewesen sei. «Es scheint so, dass die Polizei Waffen wie Neun-Millimeter-Maschinenpistolen, also scharfe Munition, einsetzt.»

Das Militär hatte vor rund einem Monat gegen die faktische Regierungschefin Aung San Suu Kyi geputscht. Als Grund führten die Generäle Unregelmäßigkeiten bei der Parlamentswahl vom November an, die Suu Kyi mit klarem Vorsprung gewonnen hatte. Die 75-jährige Friedensnobelpreisträgerin sitzt im Hausarrest. Die Demonstranten fordern die Wiedereinsetzung der früheren Freiheitsikone.

Viele Tote gab es erneut in der früheren Hauptstadt Rangun, einem der Zentren der Proteste. «Etwa sechs Militärfahrzeuge sind auf eine Brücke gefahren, unter der wir uns befanden und friedlich demonstrierten», sagte Min Han Htet, der Präsident einer örtlichen Studentenvereinigung, der dpa. «Es waren Soldaten der Armee, und sie haben einfach auf uns geschossen.» Mehrere Teilnehmer seien direkt vor seinen Augen gestorben. «Wir dachten, sie würden mit Gummigeschossen auf uns zielen, aber es war scharfe Munition», sagte der 22-Jährige.

Die Deutsche Botschaft in Rangun und mehrere weitere westliche Botschaften posteten als Reaktion und Zeichen der Trauer auf Facebook schwarze Profilbilder. Die US-Botschaft schrieb darunter: «Es ist uns unerträglich, den Verlust so vieler Menschenleben in Myanmar zu sehen. (...) Das Zielen auf Zivilisten ist abscheulich.»

Auch die Europäische Union verurteilte das brutale Vorgehen scharf. «Unbewaffnete Zivilisten und medizinische Mitarbeiter wurden erschossen, was einen klaren Verstoß gegen das Völkerrecht darstellt», teilte die EU-Sprecherin für Außenpolitik, Nabila Massrali, mit. Hunderte Menschen seien festgenommen worden, parallel dazu gehe das Militär verstärkt gegen die Medien vor. «Immer mehr Journalisten sind willkürlich festgenommen, inhaftiert und angeklagt worden. Die Verfolgung und Einschüchterung von Medienarbeitern, die einfach ihre Arbeit tun, ist inakzeptabel», betonte Massrali.

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