Dieser Prozess sei noch nicht abgeschlossen, berichtete die Zeitung «Vanguard» am Mittwoch. Widersprüchliche Angaben gibt es, ob die nigerianische Regierung mit den Kidnappern über eine Freilassung der vor mehr als 30 Tagen entführten Mädchen verhandeln wird.

Auf dem am Dienstag von der islamistischen Terrororganisation Boko Haram veröffentlichten Video sind 136 Jugendliche zu sehen. Sie tragen typisch muslimische Gewänder, die Haare und Körper verhüllen. Außerdem zitieren sie Verse aus dem Koran. Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau hatte erklärt, viele der überwiegend christlichen Geiseln seien zum Islam konvertiert.

«Diese ganze Entführungssaga hat unsere Nation tief in der Seele getroffen», teilte die Oppositionspartei APC mit.

«Als wir dachten, wir hätten die schlimmsten Grausamkeiten der primitiven, brutalen Gruppe Boko Haram bereits erlebt, wurden wir mit dieser widerlichen Szene konfrontiert: Junge Mädchen werden - sprichwörtlich mit an den Kopf gehaltener Waffe - gezwungen zu sagen, sie seien zum Islam konvertiert.»

Mitglieder der Terrorgruppe hatten Mitte April mehr als 200 Mädchen aus einer Schule in dem Ort Chibok im Bundesstaat Borno verschleppt. Trotz intensiver Suche - auch mit internationaler Hilfe - fehlt von ihnen bisher jede Spur. Die USA suchen die Region seit Tagen mit bemannten Flugzeugen ab.

Auch Großbritannien will Nigeria nun mit Überwachungsflugzeugen und militärischem Personal unterstützen. «Ich kann heute bekanntgeben, dass wir Nigeria zusätzliche Hilfe angeboten haben in Form von Überwachungsflugzeugen, einem militärischen Team, das sich der nigerianischen Armee in ihrem Hauptquartier anschließen kann und einem Team, das mit US-Experten zusammenarbeiten kann, um Informationen über den Aufenthaltsort der Mädchen auszuwerten», sagte Premierminister David Cameron im Unterhaus in London.

Derweil sagte ein nigerianischer Politiker dem britischen Sender BBC, die Regierung sei nun doch eventuell zu Verhandlungen mit den Extremisten bereit. Islamistenchef Shekau hatte im Gegenzug für die Freilassung der Geiseln gefordert, dass alle inhaftierten Boko-Haram-Kämpfer aus dem Gefängnis entlassen werden. Wenn er es ernst meine, dann solle er Vertreter für Gespräche entsenden, erklärte der Minister für Sonderaufgaben, Kabiru Tanimu Turaki.

Dem widersprach Senatspräsident David Mark: «Nigeria wird unter keinen Umständen mit Terroristen verhandeln, denn wenn wir das tun, dann werden sie weitere Leute entführen - und wir müssen wieder verhandeln», erklärte er. «Mit Kriminellen und Terroristen verhandelt man nicht. Wir werden die Mädchen sicher und gesund zurückbringen und werden alles unternehmen, um sie zu retten.

Die Boko Haram will im muslimisch geprägten Norden des Landes einen Gottesstaat einrichten. Seit 2009 verübt sie immer wieder schwere Anschläge mit bisher schätzungsweise über 6000 Toten. Entführte Mädchen werden häufig als Sexsklavinnen missbraucht.