Bei dem schweren Erdbeben in Haiti sind mindestens 29 Menschen ums Leben gekommen. Dies berichtete das «Haitian Press Network» unter Berufung auf den Zivilschutz Haitis am Samstag. Demnach starben 17 Menschen im südwestlichen Department Grand-Anse Südwesten und 12 im Department Sud. Unter den Toten befand sich auch der ehemalige Senator Jean Gabriel Fortuné, der laut «Gazette Haiti» in der Stadt Cayes unter den Trümmern seines Hotels begraben wurde.

Interims-Premierminister Ariel Henry bezeichnete die Situation auf Twitter als «dramatisch» und kündigte an, dass die Regierung den Notstand ausrufen werde. Teile des armen Karibikstaats Haitis waren bereits im Jahr 2010 von einem schweren Erdbeben verwüstet worden. Im Zentrum des Bebens lag damals Haitis dicht besiedelte Hauptstadt Port-au-Prince. 222.000 Menschen starben, mehr als 300.000 wurden verletzt. Mehr als eine Million Menschen verloren ihr Zuhause.

Erdbeben mit Stärke 7,2: Alarmstufe Rot auf Haiti

Das Beben am Samstagmorgen, dessen Stärke die US-Behörde USGS mit 7,2 angab, ereignete sich rund 12 Kilometer von der Gemeinde Saint-Louis-du-Sud in einer Tiefe von rund zehn Kilometern. Die USGS hielt eine hohe Opferzahl für möglich und rief die Alarmstufe Rot aus.

Viele Gebäude wurden zerstört, wie auf Fotos und Videos in sozialen Netzwerken zu sehen war. Menschen seien unter den Trümmern begraben, berichtete ein Augenzeuge aus Les Cayes, einer der größten Städte des Landes, «Haiti Press Network». Bewohner des Departments Nippes, in dem das Epizentrum des Bebens lag, sendeten laut «Gazette Haiti» einen SOS-Ruf an die Behörden, weil die Krankenhäuser überlastet seien.

Nach dem heftigen Beben droht Haiti aber noch weiteres Ungemach: Der Tropensturm «Grace» könnte Anfang kommender Woche auf die Region treffen, wie das Nationale Hurrikan-Zentrum der USA mitteilte. Erwartet werden heftige Winde und starker Regen in Haiti. Bisher warnen die Behörden vor tropischen Sturmbedingungen unter anderem für die Dominikanische Republik und Puerto Rico.

Heftige Regenfälle und Wind könnten die Situation in dem vom Erdbeben betroffenen Gebiet noch verschlimmern. Beschädigte Häuser könnten endgültig einstürzen. Außerdem würden derartige Wetterbedingungen die Rettungsmaßnahmen massiv behindern.