Ein Papst im Rampenlicht - der Auftritt von Benedikt XVI. im Berliner Olympiastadion in zwei Wochen nimmt das Ausmaß eines Popkonzerts an. Wo sonst die Rolling Stones, der Komödiant Mario Barth oder Hertha BSC auftreten, wird der Pontifex am 22. September zu einem Fest der Superlative empfangen. Doch der Auftritt unter freiem Himmel hat seinen Preis.

Allein 3,5 Millionen Euro kostet der Besuch das Berliner Erzbistum, rechnerisch sind das rund 10 Euro pro Hauptstadt-Katholik. In Thüringen wird es noch teurer - rund 11 Millionen Euro hat das Bistum Erfurt veranschlagt.

Für die Messe im katholischen Eichsfeld wird ein riesiges Areal für einige zehntausend Pilger planiert.
In Berlin wird allein der Altar im Marathon-Tor zwischen den beiden Stadion-Tribünen auf 400.000 Euro veranschlagt, wie aus den vom Erzbistum veröffentlichten Zahlen hervorgeht. Auch in Freiburg, neben Berlin, Erfurt und dem thüringischen Etzelsbach die vierte Besuchsstation, müssen die Gemeinden tief in den Klingelbeutel greifen.
Insgesamt investiert die katholische Kirche in Deutschland rund 25 Millionen Euro in den Papstbesuch vom 22. bis 25. September. Als Gastgeber des Pontifex rechnet auch Freiburg mit 11 Millionen Euro Kosten. Weil es ein Staatsbesuch ist, tragen der Bund, die beteiligten Bundesländer und die Kommunen die Sicherheitskosten - und damit der Steuerzahler. Die Stadt Freiburg muss 300.000 Euro ausgeben, unter anderem für ein Infotelefon und die Paradestrecke für das Papamobil.

"Der Papst ist uns lieb und teuer", sagt der Erfurter Bischof Joachim Wanke - und das ist wohl wörtlich gemeint.


Das verhältnismäßig kleine Bistum mit 156.000 Katholiken ist auf die finanzielle Solidarität anderer Bistümer angewiesen. Etwas Geld dürften die Papst-Souvenirs einbringen - vom T-Shirt bis zur Tasse.
Zwar ist der Besuch auch für das seit Jahren unter Geldnot leidende Erzbistum Berlin ein finanzieller Kraftakt. "Ich rechne aber nicht damit, dass dadurch andere Aufgaben zu kurz kommen", sagt der Vorsitzende des Diözesanrats, Wolfgang Klose. Der Vertreter der Berliner Gläubigen hofft auf Hilfe der Bundeskatholiken.
Berlin hatte ursprünglich kleiner geplant. Zunächst sollte die Papstmesse vor dem Schloss Charlottenburg gefeiert werden. Doch das Interesse überraschte die Organisatoren, die nach längerem Tauziehen schließlich die Feier in das Stadion verlegten. Dort werden nun 70.000 Menschen erwartet. In Etzelsbach wird mit mehr als 60 000 Besuchern gerechnet.

Tatsächlich sind angesichts des Interesses und des zeitlich knapp bemessenen Besuchs einige Anstrengungen notwendig. Damit der Papst würdig die Messe im Olympiastadion feiern kann, ist eine 250 Quadratmeter große Plattform geplant. Die Form des Altars soll an das Logo des Besuchs - eine Gruppe Gläubiger vor dem Kreuz in Schwarz-Rot-Gold - erinnern.

Weil das Wort Benedikts von der Altarinsel jeden in der Arena erreichen und der Papst im richtigen Licht erscheinen soll, sind für Ton und Beleuchtung jeweils 400.000 Euro fällig.

Zur gemeinsamen Kommunion sollen 600 Priester 80.000 Hostien verteilen. Eigens für den Gottesdienst werden in Amberg (Bayern) die Messgewänder für den Papst und 125 mitfeiernde Geistliche geschneidert.
Eng wird es mit dem Zeitplan für die Aufbauten. Zwar sollen die Arbeiten im Stadion bereits am kommenden Montag (12. September) beginnen. Doch am darauffolgenden Samstag (17. September) muss dort Bundesliga-Aufsteiger Hertha BSC zum Fußball-Heimspiel gegen Augsburg antreten. Schon in der Nacht sollen dann die Arbeiten fortgesetzt werden.
Auch der Schutz des Fußballrasens ist der Kirche eine sechsstellige Summe wert: Rund 170.000 Euro müssen aufgebracht werden. Nach dem Papst-Auftritt drohen weitere 100.000 Euro - für den Fall, dass trotz Abdeckung der Ball danach nicht mehr rund rollt. dpa