15 Jahre nach dem Verschwinden ihrer kleinen Tochter Madeleine McCann hoffen die Eltern noch immer auf Antworten zu den Geschehnissen. Sie seien dankbar für die Ermittlungen der britischen, portugiesischen und deutschen Behörden, da es diese koordinierten Bemühungen seien, die Antworten liefern würden, schrieben Kate und Gerry McCann in einem gemeinsamen Statement, das zum Jahrestag auf der offiziellen Facebook-Seite zur Suche des verschwundenen Mädchens veröffentlicht wurde. "Wie auch immer es ausgeht, wird Madeleine immer unsere Tochter sein, und es wurde ein wirklich furchtbares Verbrechen begangen".

Am 3. Mai 2007 verschwand die damals dreijährige Madeleine aus Großbritannien - auch Maddie genannt - aus einem Ferienappartement im portugiesischen Praia da Luz. Die Eltern hatten Maddie und ihre beiden jüngeren Geschwister im Appartement gelassen, als sie in einem nahe gelegenen Restaurant mit Freunden zu Abend aßen. Regelmäßig schauten sie nach den Kindern - bis die Mutter plötzlich entsetzt feststellte: Maddies Bett war leer und die Terrassentür stand offen. Seitdem fehlt von dem Mädchen jede Spur.

Der Fall Maddie McCann: Ermittler haben wenig Hoffnung auf schnelle Aufklärung

Der Fall der verschwundenen Maddie sorgte weltweit für Schlagzeilen. Bis heute ist nicht abschließend geklärt, was damals passierte. Seit gut zwei Jahren gibt es allerdings einen Verdächtigen: Christian B. aus Bergtheim bei Würzburg steht im Verdacht, die Dreijährige entführt und umgebracht zu haben. Der heute 45-Jährige soll sich zwischen 1995 und 2007 regelmäßig in der Gegend aufgehalten haben, in der Maddie verschwand.

Christian B. ist wegen Sexualdelikten vorbestraft. Zur Zeit verbüßt er in einem Gefängnis in Niedersachsen eine siebenjährige Haftstrafe wegen Vergewaltigung einer 72-jährigen US-amerikanischen Touristin in Praia de Luz. 

Die deutschen Ermittler haben derzeit wenig Hoffnung darauf, dass der Fall Maddie bald aufgeklärt wird. "Die Ermittlungen werden noch geraume Zeit in Anspruch nehmen", sagte Hans Christian Wolters von der Staatsanwaltschaft Braunschweig vor kurzem der Deutschen Presse-Agentur. Ein Ende der Untersuchungen sei derzeit nicht absehbar. Zwar gibt es viele Hinweise, aber die Beweiskette ist nicht geschlossen. Außerdem gilt der Grundsatz der Unschuldsvermutung

Verdächtiger aus Unterfranken beteuert seine Unschuld im Fall Maddie McCann

Erst vor wenigen Tagen hatten die portugiesischen Ermittler bekannt gegeben, dass sie Christian B. als Tatverdächtigen führen. Die formelle Einstufung einer Person als verdächtig stellt noch keine Anklage dar, ist aber eine Voraussetzung dafür. Denn die Maßnahme unterbricht unter anderem die Verjährung, die nach portugiesischem Recht bei Mord nach 15 Jahren eintritt. Da das Mädchen am 3. Mai 2007 verschwand, wäre die Verjährung schon in wenigen Tagen eingetreten.

B. selbst beteuert im Fall Maddie seine Unschuld. "Ich habe niemanden entführt und natürlich habe ich auch niemanden getötet", wehrt er sich in einem Brief, über den unter anderem die britische Boulevardzeitung "Daily Mail" berichtet hat. Das spurlose Verschwinden von Maddie ist nicht der einzige Fall, in dem zur Zeit noch gegen Christian B. ermittelt wird.

mit dpa