Seit Ende letzten Jahres dienen unserer Bevölkerung Impfstoffe als weiterer Baustein zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. In einer Studie des italienischen Forschungsteams um Gennaro Ciliberto vom Istituto Nazionale Tumori Regina Elena in Rom kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass unterschiedliche Faktoren Einfluss auf die Wirkung von Impfstoffen und die Bildung von Antikörper haben. Die Studie wurde auf dem Dokumentenserver MedRxiv veröffentlicht.

Die italienischen Wissenschaftler untersuchten die Produktion von Antikörpern von 248 Mitarbeitern des Gesundheitswesens am siebten Tag nachdem diese ihre zweite Dosis des Impfstoffs BNT162b2 von Biontech erhalten hatten. Ein sogenannter Antikörpertiter wurde für jede Testperson bestimmt. Titer ist die Maßeinheit für die Menge an Antikörpern, die nach der Impfung im Blut nachgewiesen werden können. Um die Wirksamkeit des Impfstoffs zu prüfen, wurde der Titerwert vor der ersten Impfung mit dem Wert sieben Tage nach der zweiten Impfung verglichen.

Alter, Geschlecht und Körpergewicht beeinflussen Impfschutz

Unter den 248 Testpersonen befanden sich 158 Frauen (63,7%) und 90 Männer (36,3%). Das Durchschnittsalter betrug 47 Jahren.  Nach der zweiten Impfung hatten 99,5% der Personen Antikörper gegen den Impfstoff gebildet. Bei einem einzigen Teilnehmer entwickelte sich nach der zweiten Impfung keine Immunantwort. Bei der Höhe des Antikörpertiter gab es deutliche Unterschiede hinsichtlich Alter, Geschlecht und Körpergewicht.

Den Ergebnissen der Studie zufolge bildeten sich bei der jüngsten Altersgruppe (18-37 Jahre) der Angestellten über die Zeit der höchste durchschnittliche Antikörpertiter (453,5 AU/mL). Je höher das Durchschnittsalter war, desto geringer war der Titer: Bei der Altersgruppe 37-47 Jahre waren es noch 330,9 AU/ml, bei den 47- bis 56-Jährigen lag der durchschnittliche Wert bei 239,8 AU/mL und im Alter von 56 Jahren nur noch bei 182,4 AU/mL. Ein signifikanter Zusammenhang zwischen Alter und Wirksamkeit des Impfstoffes konnte durch die Studie nachgewiesen werden.

Zwischen Frauen (338,5 AU/mL) und Männern (212,6 AU/mL)  konnte auch ein signifikanter Unterschied festgestellt werden. Bei Frauen hatten sich durchschnittlich mehr Antikörper durch die Impfung gebildet als bei Männern. Neben dem Geschlecht und dem Alter konnte auch ein Zusammenhang zwischen der Menge an gebildeten Antikörpern und dem Body-Mass-Index nachgewiesen werden. Untergewichtige mit einem BMI unter 18,5 kg/m2 erzielten das beste durchschnittliche Ergebnis mit 455,4 AU/mL, gefolgt von den Normalgewichtigen (BMI 18,5 bis 24,9) die einen durchschnittlichen Wert von 325,8 AU/mL erreichten. Bei Übergewichtigen mit einem BMI von 25 bis 29,9 bildeten sich durchschnittlich 222,4 AU/mL Antikörper. Das schlechteste Ergebnis erzielten im Durchschnitt Teilnehmer, die einen BMI von 30 oder höher haben und nur einen Wert von 167,0 AU/mL erreichten. Auch hier besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Antikörpertiter. Inwieweit Übergewicht auch die Gefahr einer Corona-Infektion erhöht lesen Sie hier.

Schutz vor Erkrankung auch bei niedrigem Titerwert

Außerdem erreichten Testpersonen mit Bluthochdruck durchschnittlich einen geringeren Wert (172,18 AU/mL) als der Durchschnitt der Menschen mit normalem Blutdruck (307,42 AU/mL). Nach Einberechnung des Alterseffektes konnte jedoch kein statistisch signifikanter Unterschied analysiert werden. Eine Erklärung, warum Bluthochdruck zu einem schweren Verlauf einer Coronaerkrankung führen kann, lesen Sie hier.

Laut den italienischen Forschern müssen sich jedoch beispielsweise alte und übergewichtige Männer keine Sorgen machen, dass ihre Impfung nicht zur Bildung von Antikörper führt. Nach Angaben des Herstellers korreliert ein Titerwert von 80 AU/mL mit einer 100-prozentigen Effektivität. Somit kann schon nach der Impfung ein niedriger Titer ausreichen, um die Person vor einer Erkrankung zu schützen. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass ein erheblicher Anteil der Bevölkerung (93,2%) durch die Impfung einen Titerwert von über 80 AU/mL entwickelt haben sollte und somit Antikörper zum Schutz gegen das Virus gebildet hat.

Fazit

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass es einen Zusammenhang zwischen Alter, Geschlecht und BMI mit der Bildung von Antikörper besteht. Ein höherer Titeranteil konnte bei jungen Menschen, bei Frauen und normalgewichtigen Teilnehmern (BMI unter 25) analysiert werden. Inwieweit die Ergebnisse für die Gesamtbevölkerung repräsentativ sind, muss hinterfragt werden. Eine Tendenz ist erkennbar, jedoch handelt es sich bei der Studie mit der Zahl von 248 Teilnehmern um eine sehr kleine Stichprobe.