• Nebenwirkungen Biontech/Pfizer: Heftige Reaktionen nach zweiter Impfung 
  • Zweite Corona-Impfung: Herzmuskelentzündungen treten auf
  • Israelische Studie mit Ergebnis: Betroffene sind vor allem junge Männer
  • US-Behörde bestätigt Zusammenhang - Vorteile überwiegen dennoch Risiken

Israel ist Impfweltmeister: Von Anfang an, ist das Land mit seinen Impfungen schnell vorangekommen. Seit der Veröffentlichung einer israelischen Studie steht nun allerdings die Frage im Raum, ob die Impfung vor allem für junge Männer schwere Nebenwirkungen haben könnte. Laut den Ergebnissen könnte es eine Verbindung zwischen der Verwendung des Impfstoffes von Biontech/Pfizer und dem Auftreten einer Myokarditis (Herzmuskelentzündung) oder einer Perikarditis (Herzbeutelentzündung) geben - ein Zusammenhang, den nun auch Daten der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) stützen.

Zweite Biontech-Impfung: Corona-Impfstoff kann Herzmuskelentzündung auslösen

Nachdem in Israel bei einigen Menschen, die den Impfstoff von Biontech/Pfizer erhalten hatten, Herzmuskelentzündungen aufgetreten waren, untersuchte das Gesundheitsministerium die Fälle näher. Nach Angaben der Behörde waren zwischen Dezember und Mai unter den mehr als fünf Millionen geimpften insgesamt 275 Fälle von Herzentzündungen festgestellt worden. Anfang Juni 2021 lagen schließlich die Ergebnisse der ersten größeren Untersuchung der seltenen Nebenwirkung vor.

Diese fand heraus, dass vor allem Männer im Alter zwischen 16 und 30 Jahren von der Herzmuskelentzündung betroffen sind. Besonders bei 16- bis 19-Jährigen sei dies häufiger beobachtet worden als in anderen Altersgruppen. Da der Zusammenhang zwischen den Fällen der Herzmuskelentzündungen und der Impfung noch nicht bewiesen ist, wird er nach Angaben des Studienleiters weiter untersucht. Die meisten Patienten wurden nach weniger als vier Tagen aus dem Krankenhaus entlassen und 95 Prozent der Fälle wurden als mild eingestuft.

Von der Nachrichtenagentur Reuters auf diesen Umstand angesprochen, schilderte ein Sprecher des Pharmaunternehmen Pfizer: "Wir stehen in regelmäßigem Kontakt mit dem israelischen Gesundheitsministerium, um die Auswertungen unseres Impfstoffes zu überprüfen". Man sei sich der israelischen Beobachtungen von Myokarditis bewusst. "Unerwünschte Ereignisse werden regelmäßig und gründlich überprüft, und wir haben keine höhere Rate an Myokarditis beobachtet, als in der Allgemeinbevölkerung zu erwarten wäre. Ein kausaler Zusammenhang mit dem Impfstoff wurde nicht festgestellt", sagte das Unternehmen.

US-Studie bestätigt: Höheres Risiko für Myokarditis nach Corona-Impfung mit Biontech oder Moderna

Am Mittwoch (23.06.2021) ist die US-Behörde CDC jedoch zu einem ganz ähnlichen Ergebnis gekommen. In den USA wurden bereits mehr als 117 Millionen Menschen gegen Corona geimpft und seit April 2021 seien mehr als 1000 Fälle von Entzündungen am Herzmuskel oder Herzbeutel in Folge der Impfung gemeldet worden. Die Experten sehen den Zusammenhang jedoch nicht nur mit dem Impfstoff von Biontech, sondern grundsätzlich mit mRNA-Impfstoffen. Auch eine Impfung mit dem Wirkstoff von Moderna erhöht demnach das Risiko einer Entzündung - zumindest in bestimmten Altersgruppen.

Corona-Selbsttest online kaufen: Angebot bei Aponeo anschauen

Wie auch in Israel waren in den USA laut den Daten des CDC hauptsächlich Jugendliche und junge Erwachsene männlichen Geschlechts von der Nebenwirkung betroffen. Unter den rund zwei Millionen Jungen zwischen 12 und 17 Jahren, die mit einem mRNA-Impfstoff geimpft wurden, traten zum Beispiel 128 Fälle einer Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündung auf - normal wären zwei Fälle gewesen. Bei Männern zwischen 18 und 24 Jahren gab es 219 Fälle unter den etwa 4,3 Millionen Geimpften. Zu erwarten waren lediglich vier bis fünf Fälle. Bei Männern zwischen 25 und 49 Jahren sowie bei jungen Frauen zwischen 12 und 24 Jahren sei das Risiko für eine Entzündung dagegen weniger hoch.

Die Daten zeigten außerdem, dass die Nebenwirkung meist innerhalb weniger Tage nach der Impfung eintrat und häufiger nach der Zweitimpfung als nach der ersten Dosis. Dennoch betont das CDC, wie selten eine Myokarditis oder Perikarditis ist, wenn man bedenkt, wie viele Millionen Impfdosen täglich verabreicht werden. Auf eine Million Impfungen kommen rund 13 Fälle der Erkrankung. "Die bekannten und potenziellen Vorteile einer Covid-19-Impfung überwiegen die bekannten und potenziellen Risiken, einschließlich des möglichen Risikos einer Myokarditis oder Perikarditis", so die Experten des CDC.  Die Corona-Impfung für alle ab 12 Jahren wird weiterhin ausdrücklich empfohlen.

Herzentzündungen nach Impfung: Meist  milder Verlauf

Hinzu kommt, dass die Erkrankung bei den meisten Betroffenen milde verlief und sie schnell wieder genesen waren. Zu diesem Schluss kamen auch die israelischen Behörden. "Die Fälle von Herzmuskelentzündungen bei 16- bis 19-Jährigen waren selten und sind meist ohne Komplikationen verlaufen", hieß es in der Mitteilung des israelischen Gesundheitsministeriums. Israel setzte seine Impfungen - auch für Jugendliche ab 12 Jahren - daher ebenfalls fort.

Ähnlich sieht das auch der Direktor der Kardiologie in München, Steffen Massberg, so, wie er gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärt. Er sagt, dass auch eine Covid-Erkrankung zu Herzmuskelentzündungen führen könne. Außerdem seien die Symptome oft schwer zu erkennen, was eine zeitige Diagnose zusätzlich erschwere. Wird die Myokarditis nicht behandelt, kann sie zu Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen führen, so der Experte. Doch er erklärt auch: "In den meisten Fällen aber heilt die Entzündung folgenlos aus". 

Auch in Deutschland gab es bereits erste Fälle von Herzmuskelentzündungen. Die Zahlen sind allerdings gering, sodass das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) das Vakzin weiterhin als unbedenklich einstuft und es somit uneingeschränkt verwendet werden kann. 

Herzmuskelentzündung nach Biontech-Impfung: Auch in Deutschland gibt es Fälle

Seit Beginn der Corona-Impfungen im Dezember 2020 wurden dem in Deutschland 92 Fälle von Entzündungen am Herzen gemeldet. Das PEI hat dabei neben der Herzmuskelentzündung und Herzbeutelentzündung auch die Verbindung beider Krankheiten, Perimyokarditis, erfasst. Die Verteilung strukturiert nach Alter sieht wie folgt aus: 

  • Über 70 Jahre: 6 Männer | 3 Frauen
  • 60 bis 69 Jahre: 5 Männer | 2 Frauen
  • 50 bis 59 Jahre: 7 Männer | 6 Frauen
  • 40 bis 49 Jahre: 3 Männer | 4 Frauen
  • 30 bis 39 Jahre: 4 Männer | 6 Frauen
  • 18 bis 29 Jahre: 15 Männer | 3 Frauen

In Zusammenhang mit dem Moderna-Imfpstoff gab es bisher fünf Fälle von Herzmuskelentzündungen. Das PEI betont jedoch, dass der Impfstoff von Biontech/Pfizer hierzulande auch am häufigsten verimpft wird, was zu mehr Fällen führt. Ein Vergleich zwischen den zu erwartenden Fällen einer Myokarditis unter allen Geimpften und den tatsächlichen Fällen, weise nicht auf ein Risikosignal hin. "Wenngleich bei beiden mRNA-Impfstoffen auffällt, dass vorwiegend jüngere Menschen betroffen sind, die jedoch vermutlich aufgrund der Impfpriorisierung nicht die prozentual größte Impfgruppe ausmachen", heißt es im Sicherheitsbericht von Ende Mai.

Da derzeit keine Impfquoten nach Alter und Geschlecht von den niedergelassenen Ärzten in Deutschland verfügbar ist, könne zudem nicht berechnet werden, ob die Zahl der gemeldeten Fälle in jüngeren Altersgruppen höher ist, als statistisch zufällig. Hinzu kommt die Dunkelziffer: milde oder symptomlose Verläufe der Herzmuskelentzündung bleiben möglicherweise unerkannt.

Auch interessant:  Was unterscheidet Impfreaktionen von Nebenwirkungen? Hier geht es zum Faktencheck.

*Hinweis: In der Redaktion sind wir immer auf der Suche nach nützlichen Produkten für unsere Leser. Es handelt sich bei den in diesem Artikel bereitgestellten und mit einem Einkaufswagen-Symbol beziehungsweise einem Sternchen gekennzeichneten Links um sogenannte Affiliate-Links/Werbelinks. Wenn Sie auf einen dieser Links klicken und darüber einkaufen, bekommen wir eine Provision vom Händler. Für Sie ändert sich dadurch nichts am Preis. Unsere redaktionelle Berichterstattung ist grundsätzlich unabhängig vom Bestehen oder der Höhe einer Provision.