Die Meldungen über Corona-Reinfektionen, also erneuten Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2, häufen sich: Forscher in Belgien und den Niederlanden berichten von Nachweisen einer erneuten Corona-Infektion bei von der Krankheit Genesenen. Bereits im Mai hatte es Berichte gegeben, wonach sich Patienten in Südkorea nach überstandener Krankheit wieder mit dem Coronavirus angesteckt hatten.

In den Niederlanden gehe es um einen älteren Patienten mit einem schwachen Immunsystem, sagte die Virologin und Beraterin der niederländischen Regierung, Marion Koopmans, am Dienstagmorgen (25. August 2020)  im niederländischen Radio. Jede Sars-CoV-2-Infektion hat nach ihren Worten einen «einzigartigen genetischen Fingerabdruck». Bei Tests sei bei diesem Patienten festgestellt worden, dass der genetische Code der zweiten Infektion sich deutlich von dem der ersten unterscheide. Das spricht gegen ein Wiederaufflammen der ersten Infektion. Einzelheiten zu dem Krankheitsverlauf bei dem Patienten nannte sie nicht

Corona-Reinfektion: Virologin ist nicht überrascht

Über eine erneute Infektion - auch Wieder-Infektion oder Reinfektion genannt - ist die Virologin nach eigenen Worten nicht überrascht. «Von anderen Infektionen der Atemwege wissen wir, dass man nicht lebenslang geschützt ist, und das erwarten wir auch nicht von Covid-19.» Nun müsse untersucht werden, ob es tatsächlich häufiger vorkomme oder ob es um Einzelfälle gehe.

Auch aus Belgien wurde unterdessen der Fall einer sogenannten Reinfektion gemeldet. Wie der Virologe Marc Van Ranst am Montagabend dem Sender VTM sagte, erkrankte eine Patientin nach drei Monaten erneut. Bei einer Gensequenzanalyse der nachgewiesenen Viren wurde demnach festgestellt, dass das Virus bei der zweiten Erkrankung elf Mutationen aufwies. «Das ist keine gute Neuigkeit», sagte Van Ranst. Es bleibe nun zu hoffen, dass es sich um Ausnahmen handele und dass die Immunität bei der Mehrheit der Fälle mehr als vier Monate andauere.

Mehr als ein halbes Jahr nach Auftauchen von Sars-CoV-2 war zunächst nicht viel über mögliche erneute Ansteckungen bekannt geworden. Die wenigen Berichte zu solchen Fällen warfen bislang viele Fragen auf, wie auch die WHO schreibt. Studien, die Menschen nach einer Infektion über Jahre im Blick behalten, fehlen. Forscher gehen nach Untersuchungen im Labor davon aus, dass eine durchgemachte Corona-Infektion zumindest zeitweise Schutz vor einer erneuten Ansteckung verleihen könnte.

Klinik in Hongkong: Womöglich erster Nachweis einer erneuten Infektion mit Corona

Bereits am Montag wurde bekannt, dass Hongkonger Forscher eigenen Angaben zufolge eine erneute Corona-Ansteckung bei einem bereits länger genesenen Patienten nachgewiesen haben. Die Uniklinik der University of Hong Kong schrieb am Montag auf Twitter, dass Mikrobiologen der Hochschule weltweit erstmals einen solchen Fall dokumentiert hätten. Die Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass «Immunität nach einer natürlichen Infektion von kurzer Dauer sein kann».

Die Uniklinik verwies auf einen Bericht des öffentlichen Hongkonger Senders RTHK über die neuen Forschungsergebnisse. Demnach hatte sich ein Mann aus Hongkong im Frühjahr mit dem Virus infiziert. Nachdem er sich von der Corona-Infektion erholt hatte, sei das Virus bei ihm vier Monate später nach einer Spanienreise im August erneut nachgewiesen worden. Erbgutuntersuchungen hätten gezeigt, dass es sich um verschiedene Varianten von Sars-CoV-2 handelte. Das spricht gegen ein Wiederaufflammen der ersten Infektion.

Allerdings war die Informationslage am Montagnachmittag (später Abend Hongkonger Zeit) dünn, weil eine Presseerklärung der Uniklinik wohl nur an wenige Journalisten gemailt worden war. Maria van Kerkhove, Covid-19-Beauftragte der Weltgesundheitsorganisation (WHO), nahm in einer Pressekonferenz Bezug zu der Presseerklärung und sagte: «So wie wir die Pressemitteilung verstehen, könnte das ein Beispiel für eine Reinfektion sein.»

Symbolbild: Dolores Ochoa/AP/dpa