• China und Taiwan: Die Geschichte 
  • Was will China?
  • Wie reagieren die anderen Länder auf die Forderungen Chinas?
  • Wie wahrscheinlich ist ein militärischer Konflikt?
  • Was hätte er für Folgen?

Der offizielle Name Taiwans ist "Republik China". International bekannt ist das Land aber durch den Namen der Insel: Taiwan. Der kleine Inselstaat liegt etwa 180 Kilometer östlich von China. Entstanden nach dem Bürgerkrieg, entwickelte sich der kleine Staat unabhängig von China. Doch sieht die chinesische Staatsführung Taiwan immer noch als Teil des Mutterlandes und will das Land wieder "eingliedern", was allerdings Taiwan vehement ablehnt. Immer wieder kam es auch zur Androhung von Militärgewalt. Aber was hätte dies für Folgen? 

Wie wahrscheinlich ist ein bewaffneter Konflikt?

China hat seine Bemühungen, Taiwan wieder einzugliedern, nie aufgegeben. In jüngster Zeit scheinen sich die Bemühungen wieder zu verstärken. Der Streit um Taiwan ist einer der gefährlichsten Konfliktherde der Welt. Inzwischen wächst die Sorge, dass China, ähnlich wie Russland in der Ukraine, versuchen könnte, die Insel zu erobern. Doch was genau wären die Gründe? Zum einen ist es für die kommunistische Regierung in Peking eine "historische Mission", die Abtrennung der Insel wieder rückgängig zu machen. Doch auch strategische Gründe spielen eine Rolle. Die Insel liegt genau zwischen Japan und den Philippinen, wäre also für China das Tor zum Pazifik. China übt seit langem Druck auf die Länder der Welt aus, Taiwan weitestgehend zu isolieren. So hat man erreicht, dass Taiwan aus den Vereinten Nationen und internationalen Organisationen ausgeschlossen wurde. Nur noch wenige kleinere Länder unterhalten noch diplomatische Beziehungen, Deutschland und die USA betreiben nur eine inoffizielle Vertretung in Taipeh.

Wie wahrscheinlich ist eine militärische Eroberung durch China? Unter dem amtierenden Staatschef Xi Jinping hat die Gefahr deutlich zugenommen. Seit langem modernisiert China seine Marine und Luftwaffe. Eine Konfrontation scheint noch in der jetzigen Amtsperiode möglich. Doch wer würde Taiwan in diesem Fall beistehen? Joe Biden als momentaner Präsident hat es wiederholt als Verpflichtung bezeichnet, Taiwan zu verteidigen. Ob dies nur durch Waffenlieferungen oder aber mit eigenen Truppen geschehen könnte, ließ er bisher offen. Doch nach der diplomatischen Anerkennung Chinas 1979 hatten die USA sich bereits mit dem "Taiwan Relations Act" gesetzlich dazu verpflichtet, Taiwans Verteidigungsfähigkeit weiter zu unterstützen.

Darin ist festgehalten, dass die USA Waffen defensiver Art nach Taiwan liefern und das Land in die Lage zu versetzen, eine ausreichende Selbstverteidigungsfähigkeit zu wahren. Ein Versuch, die Zukunft Taiwans mit anderen als friedlichen Mitteln zu bestimmen, wird von den Vereinigten Staaten als Bedrohung des Westpazifiks definiert. Da durch den Krieg in der Ukraine die Kapazitäten der anderen Länder sehr stark gebunden sind, könnte China dies allerdings als Vorteil erkennen und dementsprechend auch ausnutzen wollen. 

Was wären die Folgen eines solchen Krieges?

Zunächst einmal wären Millionen Menschen in der Region direkt betroffen. Wie viele Menschenleben ein solcher Krieg kosten würde, ist schwierig zu beziffern. Und welche Nationen direkt oder indirekt eingreifen, ist unklar. Taiwan gehört nicht zur NATO. Durch die weitestgehende diplomatische Isolation steht der Inselstaat de facto ohne Verbündete alleine gegen China. Ob und wie weit die USA eingreifen, liegt alleine in der Entscheidung des US-Präsidenten. Doch wie sähen die Auswirkungen wirtschaftlicher Art aus? Der Krieg in der Ukraine bringt die Weltwirtschaft durcheinander, wie man auch an den Gas- und Weizenlieferungen sehen kann.

Fakt ist, dass ein Krieg um Taiwan wirtschaftlich eine Katastrophe wäre, und zwar weltweit. Zwei Drittel aller weltweit benötigten Mikrochips kommen aus Taiwan. Ein militärischer Konflikt oder auch nur das Abschneiden der Handelswege würde unweigerlich zu einem massiven Mangel an den dringend benötigten Chips führen. Die Auswirkungen eines solchen Mangels waren während der Corona-Pandemie schon deutlich, als Fabriken geschlossen waren oder Schiffe nicht be- oder entladen werden konnten. Dringend benötigte Teile fehlten, die Produktion von Computern, Zubehör und auch von Autos musste zeitweise gedrosselt oder komplett eingestellt werden. Doch dies ist nur die Spitze des Eisbergs. Im Falle eines Krieges würden möglicherweise Sanktionen gegen China folgen. Oder aber China würde, um den Druck auf die anderen Länder zur Akzeptanz einer Besetzung zu erhöhen, die Exporte einschränken. Da China mit einem Volumen von 2337 Milliarden Euro im Jahr 2020 mehr als 50 Prozent der weltweiten Elektroproduktion innehat, würde der Weltmarkt die Verknappung sofort spüren. 

Ein weiteres Problem wären die Aktivitäten der Unternehmen, die sich in China angesiedelt haben. Diese wären unmittelbar von einem Konflikt betroffen. Wie sich das auswirkt, ist schwer zu sagen. Ein möglicherweise durch den Konflikt entstehender Handelskrieg würde auf jeden Fall auch Probleme beim direkten Handel mit China verursachen, allerdings auf beiden Seiten. Ein mögliches Embargo durch die Staatengemeinschaft würde für China Probleme mit sich bringen, vor allem in Bezug auf die Einfuhr von hochwertigen Maschinen, unter anderem aus Deutschland

Welche Probleme können noch auftreten?

Die Situation ist inzwischen bereits dahingehend eskaliert, dass die chinesische Regierung erste Wirtschaftssanktionen gegen Taiwan verhängt hat. Bereits am 1. August hat der Zoll in China Einfuhren von mehr als 100 taiwanesischen Lebensmittelunternehmen gestoppt. Nun soll auch der Export von natürlichem Sand nach Taiwan gestoppt werden, der dort in der Bauindustrie verwendet wird.

Auch die Schifffahrtsrouten können von diesem Konflikt massiv beeinträchtigt werden. Neben möglichen Kreuzfahrtschiffen, welche die Gegend dort dann meiden, sind auch Handelsrouten betroffen. China hat wegen des Besuches der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, in Taiwan Manöver rund um die Insel mit Schießübungen angekündigt. Dazu wurden sechs Sperrgebiete ausgewiesen. Taiwan befürchtet, dass dies mit einer möglichen Luft- und Seeblockade einhergeht und hat bereits mit Japan über alternative Schifffahrtsrouten verhandelt. 

Würde ein Krieg ausbrechen, müssten die Handelsschiffe diese Gegend weiträumig umfahren. Das hätte zur Folge, dass Waren länger unterwegs sind und die Kosten in die Höhe getrieben werden, die letztlich die bereits hohe Inflation noch weiter anheizen würden, von der weiteren möglichen Verknappung bestimmter Waren abgesehen.

China und Taiwan: Hintergründe und Geschichte

Nach dem Ende des chinesischen Kaiserreichs 1912 folgte eine wechselvolle Übergangsphase. Die neu gegründete erste chinesische Republik war vom gewaltsamen Kampf verschiedener innenpolitischer Kräfte geprägt, das Staatsgebiet zerfiel in regionale Herrschaftsbereiche, die miteinander konkurrierten. Dazu kamen imperialistische Interessen ausländischer Mächte wie Japan und Amerika. Im asiatisch-pazifischen Krieg von 1937 bis 1945 fielen japanische Truppen in China ein, sie kapitulierten erst nach dem Eingreifen der USA. 1946 entbrannten in China wiederholt Bürgerkriege. Die zu der Zeit herrschende Nationalpartei Guomindang unter Chiang Kaishek wurde von den USA unterstützt, die kommunistische Volkspartei unter Mao Zedong von der UDSSR, die sich am Ende durchsetzen konnte. Am 1. Oktober rief Mao Zedong in Peking die Volksrepublik China aus. Chiang Kaishek und die Regierung flohen nach Taiwan. Im März rief Chiang Kaishek die Nationale Republik China aus, Hauptstadt wurde Taipeh. Die Regierung in Taipeh sah sich als einzige legitime Vertretung für ganz China an, die Volksrepublik China wurde nicht anerkannt. So sahen es zunächst auch andere Staaten. Die Nationale Republik China wurde anerkannt und nahm in der UNO den Platz Chinas ein. Um die Nationale Republik China vor Übergriffen durch die Volksrepublik China zu schützen, entsandten die USA Militärverbände und halfen beim Aufbau des Militärs vor Ort. Die Volksrepublik China bezeichnete Taiwan als abtrünnige Provinz.

Mehrmals versuchte China, Taiwan wieder anzugliedern. Doch die Militärpräsenz und der Garantievertrag mit den USA verhinderten dies. Mithilfe der westlichen Staaten entwickelte Taiwan sich zu einem modernen Industriestaat. Anfang der 70er Jahre löste sich die Volksrepublik China aus der politischen Isolation und öffnete sich in Richtung Westen. Damit verlor die Regierung von Chiang Kaishek den Status der einzigen legitimen Regierung Chinas. Die Volksrepublik China wurde 1971 in die UNO aufgenommen, Taiwan ausgeschlossen. Infolgedessen brachen viele Staaten die diplomatischen Beziehungen zu Taiwan ab, die Handelsbeziehungen wurden allerdings beibehalten. 1975 starb Chiang Kaishek. 1978 schloss das Land einen Freundschaftsvertrag mit Japan und es begann ein Prozess der vorsichtigen Annäherung an China. Im selben Jahr brachen auch die USA die diplomatischen Beziehungen zu Taiwan ab. 1987 wurde das seit 1949 geltende Kriegsrecht aufgehoben, erstmals konnten Bewohner Taiwans wieder ihre in der Volksrepublik China lebenden Verwandten besuchen. 1988 war Taiwan nach Japan der zweitgrößte Industriestaat Asiens. Anfang der 90er Jahre wurden erstmals inoffizielle Wirtschaftsbeziehungen zu China aufgenommen. 

1998 unterhielten nur noch 28 Staaten diplomatische Beziehungen zu Taiwan und erkannten damit das Land als souveränen Staat an, während die anderen es als Bestandteil Gesamt-Chinas ansahen. Die kommunistische Führung Chinas bot Taiwan die Wiederangliederung nach dem Modell "Ein Land, zwei Systeme" an, das eine Beibehaltung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Systems, wie es in Hongkong und auch in Macao praktiziert wurde, an. Taiwan hingegen beharrte auf die politische Gleichstellung des Landes unter dem Motto "Ein Volk, zwei Staaten". Das führte zu einer massiven Verschlechterung der chinesisch-taiwanesischen Beziehung. Erst im Juni 2008 kam es zu direkten politischen Gesprächen zwischen China und Taiwan, die Situation schien sich zu entspannen.

Fazit

Sollte in der Region ein Krieg ausbrechen, wären die Folgen für die Weltwirtschaft noch weitaus schlimmer als die des Krieges in der Ukraine. Ob und wie weit sich der Konflikt weiter ausbreiten würde, ist schwer abzuschätzen. Auf jeden Fall würden viele Produkte auf dem Weltmarkt knapp und teuer werden.