In Schottland sollen Binden, Tampons und ähnliche Artikel künftig kostenlos erhältlich sein. Das Parlament in Edinburgh verabschiedete am Dienstagabend einstimmig einen Gesetzentwurf zur Bekämpfung der sogenannten Perioden-Armut.

Demnach muss die schottische Regierung ein landesweites Programm zur Bereitstellung von Menstruationsprodukten einrichten. Schulen und Universitäten sind verpflichtet, eine Auswahl dieser Artikel kostenlos in Toiletten anzubieten. Auch andere öffentliche Einrichtungen können von der Regierung dazu veranlasst werden.

«(Ich bin) stolz darauf, für diese bahnbrechende Gesetzgebung gestimmt zu haben, die Schottland zum ersten Land der Welt macht, das kostenlose Menstruationsprodukte all denjenigen zur Verfügung stellt, die sie brauchen», twitterte die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon. Es sei eine wichtige Maßnahme für Frauen und Mädchen.

Schottland gilt als Vorreiter im Kampf gegen die sogenannte Perioden-Armut. Viele haben zu wenig Geld für solche Artikel und greifen während ihrer Periode zu alten Zeitungen, Stofflappen und Klopapier. Etliche Schulen und Universitäten stellen daher dort bereits kostenlos Binden und Tampons zur Verfügung.

Einige Länder versuchen durch Senkung der Mehrwertsteuer die «Perioden-Armut» zu bekämpfen. So war in Deutschland zu Beginn des Jahres die Mehrwertsteuer auf Menstruationsprodukte von 19 auf 7 Prozent gesenkt worden. Zahlreiche Prominente, darunter Sängerin Lena Meyer-Landrut sowie die Moderatoren Charlotte Roche und Jan Böhmermann, hatten sich dafür eingesetzt.

Die schottische Labour-Abgeordnete Monica Lennon bezeichnete ihren Gesetzentwurf als «praktisch und fortschrittlich». «Perioden hören nicht wegen Pandemien auf, und die Arbeit zur Verbesserung des Zugangs zu unerlässlichen Tampons, Binden und wiederverwendbaren Produkten war noch nie so wichtig wie heute», zitierte die Nachrichtenagentur PA die Politikerin.

Die lokalen Behörden müssen nun entsprechende Artikel unentgeltlich bereitstellen, schrieb die BBC. Die jeweiligen Kommunalverwaltungen sollen entscheiden, welche praktischen Vorkehrungen getroffen werden, aber Tampons und Binden müssten «einigermaßen leicht» und mit «angemessener Würde» zugänglich gemacht werden.

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