«Ich hatte befohlen, diese Bürger zu schützen,» sagte der frühere bosnische Serbenführer zu Beginn

seiner Verteidigung am Dienstag vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag.

Bei dem schlimmsten Massaker in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg waren nach

der Eroberung der damaligen UN-Schutzzone im Osten Bosniens durch serbische

Truppen bis zu 8 000 muslimische Männer und Jungen ermordet worden.

Er habe das nicht gewusst und nur einen militärischen Einsatz gegen muslimische

Kämpfer befohlen, behauptete Karadzic.

In einer rund eineinhalbstündigen

Erklärung präsentierte sich Karadzic vor dem UN-Tribunal als Friedensstifter

in dem Krieg von 1992 bis 1995, der nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen

100 000 und 250 000 Menschen das Leben gekostet hatte.
 


«Ich habe alles getan, um einen Krieg zu verhindern,» sagte er.

Er habe auch die Zahl der Opfer verringert. «Statt hier als Angeklagter zu

erscheinen, sollte ich ausgezeichnet werden.» Mehrfach betonte er, dass er

Psychiater und Dichter sei. «Ich bin ein milder Mann, ein toleranter Mann.»

Der 67-jährige, der sich selbst verteidigt, beteuerte auch seine Unschuld an der jahrelangen

Belagerung der bosnischen Hauptstadt Sarajevo, der 10 000 Menschen zum Opfer fielen.

Muslime hätten vielmehr Angriffe «schamlos» inszeniert, um ein internationales

Eingreifen zu erzwingen.

Als ersten Zeugen rief er den russischen Oberst

Andrej Demurenko auf, der für die Vereinten Nationen den Angriff auf einen

Markt in Sarajevo 1995 untersucht hatte. Dabei wurden 37 Personen getötet.

Nach Ansicht von Demurenko wurden die bosnischen Serben zu Unrecht dafür verantwortlich

gemacht. Auch hätten muslimische Scharfschützen bewusst auf die eigenen Leute

geschossen, sagte der russische Offizier.

Russland gilt als traditioneller Verbündeter der Serben.

Karadzic, dem Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen werden,

will insgesamt 300 Zeugen aufrufen. Er war 2008 nach 13 Jahren auf der Flucht

in Belgrad festgenommen worden. Sein Prozess hatte 2009 begonnen.

Die Anklage hatte ihre Beweisführung im Mai abgeschlossen.

Ebenfalls am Dienstag hatte auch der letzte Prozess des UN-Tribunals begonnen.

Der Angeklagte Goran Hadzic, der ehemalige Präsident der mit militärischer

Unterstützung aus Belgrad geschaffenen «Republik Serbische Krajina» in Kroatien,

muss sich für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit von

1991 bis 1993 verantworten. Der einstige kroatische Serbenführer erklärte sich für unschuldig.

Hadzic war 2011 in Serbien festgenommen worden, als letzter Gesuchter des Tribunals.

Seit seiner Gründung vor fast 20 Jahren hat das UN-Gericht 161 Mal Anklage erhoben.