«Wir reden hier über eine sensible Region, und die strategische Sicherheit Israels liegt im besonderen Interesse Deutschlands», sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz, der «Financial Times Deutschland». «Daher wüsste ich gerne, wie ein solches Geschäft dazu passt.» Auch die Grünen-Fraktionsgeschäftsführerin Katja Keul forderte Informationen über das von ägyptischer Seite bereits bestätigte Geschäft.

Die Bundesregierung hielt sich bedeckt. Regierungssprecher Steffen Seibert berief sich auf die Geheimhaltungspflicht für Entscheidungen über Rüstungsgeschäfte im Bundessicherheitsrat. Er wies aber Berichte über eine Störung der deutsch-israelischen Beziehungen entschieden zurück. «Es hat sich nichts geändert an der deutschen Haltung zu Israel, an der Verpflichtung, die die Bundesregierung für die israelische Sicherheit empfindet.»

Die israelische Zeitung «Jediot Achronot» hatte am Sonntag unter Berufung auf Regierungskreise über eine «dramatische Verschlechterung der Beziehungen zwischen Israel und Deutschland» berichtet. Zuvor hatte der ägyptische Marine-Kommandeur Osama al-Gindi einer staatlichen Zeitung gesagt, dass bereits ein Abkommen über die Beschaffung zweier deutscher U-Boote geschlossen worden sei.

Grüne und Linke warnten vor einem solchen Geschäft. Die Grünen-Politikerin Keul forderte, stattdessen die demokratischen Kräfte in Ägypten zu unterstützen. «Die militärische Stärke ist in Ägypten sicher nicht die Lösung des Problems, sondern ein Teil des Problems.» Ähnlich äußerte sich der stellvertretende Linken-Vorsitzende Jan van Aken: «Es wäre auch ein fatales Signal an die Demokratiebewegung, wenn Deutschland jetzt die Militärs in Ägypten, die sich noch immer an die Macht klammern, mit Waffenlieferungen unterstützen würde.»

Ausdrücklich für die Lieferung an Ägypten sprach sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Bartels aus. Das Geschäft sei vereinbar mit den deutschen Rüstungsexportrichtlinien, weil es nicht um eine Lieferung in ein Spannungsgebiet gehe, sagte Bartels der «Financial Times Deutschland». Er verwies auf den Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten.

Der ehemalige israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, rechnet nicht mit einer wesentlichen Beeinträchtigung der deutsch-israelischen Beziehungen durch einen Verkauf deutscher U-Booten nach Ägypten. «Diejenigen, die sich ohnehin schon über die Deutschen beschweren, werden einen neuen Anlass haben, die Deutschen weiter zu kritisieren», sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Die Hauptsache für Israel sei, dass es selbst die Waffen bekomme, die es benötige. Allen voran nannte er die U-Boote der Dolphin-Klasse aus deutscher Produktion. Sie können nach Expertenmeinung auch mit Nuklearwaffen bestückt werden. «Man betrachtet diese U-Boote hier als einzige echte Verteidigung, die wir gegenüber dem Iran haben», sagte Primor. «Der Iran könnte Israel mit einem Schlag vernichten.» Das viel kleinere Israel könnte das dem Iran umgekehrt nicht antun. «Aber dank der U-Boote weiß der Iran, dass er selbst bei einem vernichtenden Angriff noch mit Vergeltung mittels der U-Boote rechnen muss.»