In einer Pressekonferenz in Kairo erklärte Kandil, dass er eine «Technokraten-Regierung» bilden wolle. Ihre Mitglieder wolle er aufgrund von Qualifikationen und Erfahrungen auswählen, fügte er hinzu.

Mursi, der aus der islamistischen Muslimbruderschaft kommt, hatte Ende Juni sein Amt angetreten, nachdem er die Präsidentschaftswahl für sich entschieden hatte. Mit der Ernennung Kandils machte er zum ersten Mal von seinem Recht Gebrauch, den Auftrag für eine Regierungsbildung zu erteilen. Der neue Regierungschef steht den Islamisten nahe, gehörte aber nie einer ihrer Organisationen oder Vereinigungen an.

Kandil tritt an die Stelle von Kamal al-Gansuri, den der Oberste Militärrat im Dezember des Vorjahres ernannt hatte. Vom Beruf her Ingenieur, hatte Kandil zwischen 1988 und 1993 in den USA studiert. In der Pressekonferenz sagte er, die künftige Regierung werde Mursis «Programm der Renaissance» umsetzen, insbesondere aber dessen Teil für die ersten 100 Tage. Dieser widemt sich den Problemen bei der öffentlichen Sicherheit, im städtischen Verkehr, bei der Müllabfuhr sowie dem Brot- und Benzinmangel.

Der Oberste Militärrat hatte nach dem Sturz des langjährigen Präsidenten Husni Mubarak im Februar 2011 die Macht in Ägypten übernommen. Auch nach dem Amtsantritt Mursis, zu dem die Generäle ein gespanntes Verhältnis haben, blieben viele Machtbefugnisse bei den Militärs.