Sand am Main

Auf ihrem Plattenteller dreht sich die Musik der 80er Jahre

NDW und jede Menge Pop: Heute dreht sich die Serie um den Plattenteller und das, was draufkam. Eine Fränkin lässt Erinnerungen aufleben.
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Silvia Schanz ist froh über den Plattenspieler ihres Mannes: Das Gerät ist älter als die Musik der 80er, funktioniert aber  noch tadellos. Barbara Herbst
Silvia Schanz ist froh über den Plattenspieler ihres Mannes: Das Gerät ist älter als die Musik der 80er, funktioniert aber noch tadellos. Barbara Herbst

Ihre Schallplatten stehen ordentlich aufgereiht im Wohnzimmerregal, gleich neben dem Plattenspieler. Der ist noch älter als die Musik der 80er Jahre und funktioniert bestens, wie Silvia Schanz gleich zeigen wird. Sie setzt ihre Lesebrille auf, blättert durch ihre Sammlung und zieht eine Live-Aufnahme von Simon and Garfunkel heraus. Der Preis pappt heute noch auf der Rückseite. 20 Mark. "Das war viel Geld damals", sagt die 55-Jährige über die erste Platte, die sie sich vor über 35 Jahren geleistet hat. Sie legt sie vorsichtig auf den Drehteller. Leicht knisternd ertönen Lieder, die eine ganze Generation verbinden: Man hört Bridge over troubled Water, nickt einander zu und schwelgt in Erinnerungen.

Musik, Politik und Liebe

Silvia Schanz ist in diesen Jahren erwachsen geworden. Sie verbindet diese Phase mit Musik, Politik - und ihrer großen Liebe. Sie ist ein typisches Kind der 80er. Aufgewachsen im unterfränkischen Herlheim (Landkreis Schweinfurt) bekam sie hautnah mit, wie das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld ans Netz ging. Das Wettrüsten war in vollem Gang, der Umweltgedanke sickerte ins kollektive Bewusstsein. Silvia Schanz engagierte sich in der alternativen Szene. "In meinem Zimmer hing das Plakat Atomwaffenfreie Zone. Man nahm Jute statt Plastik. Und ich durfte das erste Mal wählen und entschied mich für die Grünen."

Die Aufbruchstimmung dieser Jahre ist in ihrer Rückschau eng mit der Musik verknüpft. Sie erinnert sich an die vielen Open Airs und Konzerte von politischen Liedermachern wie Hannes Wader und Konstantin Wecker, die häufiger in der Region gastierten. Die Eintrittskarten hat sie aufgehoben, in melancholischen Momenten blättert sie die alten Tickets durch und legt die Scheiben von damals auf.

Bandsalat im Autoradio

Musik in den 80ern: Dazu gehörte in Franken der Besuch in der Disco. Silvia Schanz ging mit ihrer Schwester und ihrem Freund oft "auf Tanz", vor allem ins benachbarte Heidenfeld und das weithin bekannte Tanzcenter Knetzgau. Sie schwoften zur Musik von Nena, Falco, der Spider Murphy Gang.

Als ihr Freund 1984 zum Studium in die USA ging, kam Silvia Schanz mit und lernte etwas völlig Neues kennen: den Musiksender MTV, den es seit 1981 im Fernsehen gab. In Deutschland ging MTV erst 1987 auf Sendung. Mit den Ghostbusters und Sister Sledge im Ohr kehrten sie nach einem Jahr zurück und wurden am Flughafen gleich mit dem Lied I will wieder hoam von STS empfangen. "Das war schon witzig", erzählt Silvia Schanz. Für die Altenpflegerin gingen die 80er Jahre musikalisch weiter mit Genesis und Phil Collins, Nena und Nina Hagen, der Münchner Freiheit, Barclay James Harvest, Cat Stevens.

Alles querbeet gehört

"Ich hatte keine Lieblingsband, habe einfach querbeet alles aufgesogen", sagt die Unterfränkin. Neue Musik entdeckte sie wie so viele andere in der Sendung "Disco" mit Ilja Richter oder "Formel 1" mit Ingolf Lück im Fernsehen. Oder bei "Pop nach 8" mit Thomas Gottschalk und "Schlager der Woche" im Radio. "Damals hat man Lieder aufgenommen und so oft überspielt, bis die Kassette durch war." Vor allem im Auto waren die Tonträger praktisch, wenn man seine eigene Musik hören wollte. "Aber gerade im Auto gab's oft Bandsalat", sagt Silvia Schanz und grinst.

Berühmtes Hochzeitsdatum 8.8.88

Heute hat sie im Auto viele CDs, vieles hat sich geändert. Nicht nur die Technik, auch der Musikgeschmack. In den letzten Jahren begeistert sie sich auch für Klassik, Oper, Kirchenkonzerte. Aber wenn im Radio Hits aus den 80ern laufen, schwelgt Silvia Schanz sofort in Erinnerungen. "Ich verbinde bestimmte Bands mit bestimmten Zeiten", sagt sie und bleibt beim Platten-Blättern an Tracy Chapman hängen. Wieder verschwörerisches Zunicken. Beim Anblick des Covers mit dem Foto der in sich gekehrten Sängerin summen die Kinder der 80er: Talkin 'bout a Revolution. Für Silvia Schanz hat die im August 1988 erschienene Platte eine besondere Bedeutung: Sie bekam sie frisch aus der Presse zu einem besonders beliebten Termin der 80er Jahre geschenkt: ihrer Hochzeit am 8.8.88.