Straßburg
Anschlagsopfer

Attentat am Straßburger Weihnachtsmarkt: Fünftes Opfer stellte sich dem Täter in den Weg

Er stellte sich dem Täter in den Weg - und bezahlte dafür mit dem Leben: Nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt im ostfranzösischen Straßburg erlag am Sonntag ein Mann seinen Verletzungen, der dem Täter am Betreten eines Musikclubs gehindert haben soll.
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Trauernde stellen Kerzen auf, um den Opfern des Anschlags auf dem Weihnachtsmarkt zu gedenken. Ein Attentäter hatte am 11.12.2018 in der Straßburger Innenstadt das Feuer eröffnet. Fünf Menschen wurden getötet, zahlreiche verletzt. Foto: Jean-Francois Badias/AP/dpa
Trauernde stellen Kerzen auf, um den Opfern des Anschlags auf dem Weihnachtsmarkt zu gedenken. Ein Attentäter hatte am 11.12.2018 in der Straßburger Innenstadt das Feuer eröffnet. Fünf Menschen wurden getötet, zahlreiche verletzt. Foto: Jean-Francois Badias/AP/dpa

Fünf Tage nach dem Anschlag vom auf den Weihnachtsmarkt in Straßburg am Dienstag ist in der Stadt unweit der deutschen Grenze wieder Ruhe eingekehrt - doch die Zahl der Toten steigt: Am Sonntag ist ein weiteres Opfer seinen Verletzungen erlegen. Dabei handelt es sich um einen Polen, wie die Pariser Staatsanwaltschaft am Sonntagabend auf dpa-Anfrage bestätigte.

Fünftes Opfer von Weihnachtsmarkt-Attentat in Straßburg bestätigt: Er soll Schlimmeres verhindert haben

Damit stieg die Zahl der Todesopfer des Anschlags auf fünf. Unklar blieb zunächst, ob es sich bei dem Polen um jenen Mann handelt, der bereits vor Tagen für hirntot erklärt worden war. Bei dem Anschlag in der Innenstadt waren am Dienstag, 11.12. 2018, auch zahlreiche Menschen verletzt worden.

Nach einem Bericht der polnischen Zeitung "Gazeta Wyborcza" soll der 36-jährige Pole aus Katowice (Kattowitz) am Tag des Anschlags noch Schlimmeres verhindert haben. Der seit rund 20 Jahren in Straßburg lebende Mann habe mit mehreren Bekannten vor einem Musikclub gestanden, um eine Zigarette zu rauchen.

Als die Männer den Schützen erblickten, hätten sie sich ihm in den Weg gestellt und die Tür verschlossen. Sonst hätte es womöglich ein noch größeres Blutbad gegeben so wie im Pariser Konzertsaal Bataclan im November 2015, merkte die Zeitung aus Warschau unter Berufung auf Augenzeugen an.

Der mutmaßliche Attentäter Chérif Chekatt wurde am Donnerstagabend nach einer zweitägigen Großfahndung auf der Flucht erschossen. Sein Motiv ist noch immer nicht eindeutig geklärt. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag nach dem Tod Chekatts für sich und bezeichnete ihn posthum als einen ihrer "Soldaten". Frankreichs Innenminister Christophe Castaner wertete dies als "opportunistische" Wortmeldung, die nichts ändere.

Täter wurde vom Geheimdienst überwacht

Bekannt ist, dass der Angreifer Zeugen zufolge "Allahu Akbar" (Allah ist groß) gerufen hat. Außerdem sei eine Radikalisierung Chekatts während eines Gefängnisaufenthaltes aufgefallen, hieß es vonseiten der Behörden. Chekatt wurde in zwei Antiterrorverzeichnissen der französischen Regierung geführt und vom Geheimdienst überwacht.

Vier vorübergehend festgenommene Angehörige Chekatts wurden inzwischen aus dem Polizeigewahrsam entlassen, wie französische Medien am Sonntag unter Berufung auf die Pariser Staatsanwaltschaft berichteten.

Demnach konnte seinen Eltern und zwei Brüdern nichts zur Last gelegt werden. Außerdem hatten die Ermittler drei weitere Personen aus Chekatts Umfeld in Gewahrsam genommen. Zwei von ihnen wurden nun ebenfalls auf freien Fuß gesetzt, wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft meldete. Eine Person befand sich weiter in Gewahrsam.

Am Sonntag gedachten in Straßburg Hunderte Menschen der Opfer. Die Gedenkzeremonie fand vor der riesigen Weihnachtstanne auf dem Kléber-Platz statt. Sie wurde von Menschenrechtsorganisationen organisiert.