Die öffentlich-rechtlichen Sender haben bei der 15. Verleihung des Deutschen Fernsehpreises bis auf eine Ausnahme sämtliche Preise abgeräumt. Bei der Gala am Mittwochabend in Köln ging lediglich die Auszeichnung in der Kategorie Beste Show an ProSieben und Sat.1 - für die Tanzreihe "Got to Dance". Für sein Lebenswerk wurde Schauspieler Ottfried Fischer (59) geehrt.

Susanne Wolff wurde Deutschlands Beste Schauspielerin, Matthias Brandt Deutschlands Bester Schauspieler. Wolff, Jahrgang 1973, wurde mit dem Fernsehpreis für ihre Leistung im ARD-Drama "Mobbing" geehrt. Sie sagte nach der Laudatio von Schauspieler-Kollegen Henning Baum: "Mein Herz rast schon seit 3 Uhr heute.
Es waren schöne drei Wochen, seitdem ich von der Nominierung weiß." Die gebürtige Bielefelderin siegte gegen die Konkurrentinnen Nadja Uhl, Claudia Michelsen, Julia Jäger und Alice Dwyer.

Der 51-jährige Brandt erhielt die Auszeichnung für seine Leistungen in den TV-Filmen "Polizeiruf 110: Der Tod macht Engel aus uns allen", "Polizeiruf 110: Fieber", "Eine mörderische Entscheidung" und "Verratene Freunde". Brandt setzte sich gegen die Kollegen Robert Atzorn, Volker Bruch, Tom Schilling, Lars Eidinger und Jan Josef Liefers durch. Brandt sagte, er nehme "einen Preis entgegen, den es eigentlich nicht gibt. In der Reihe dieser Nominierten schon gar nicht."

Auffällig war der Fernsehpreis, der 1999 erstmals gemeinsam von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 vergeben wurde, für das umstrittene ZDF-Format "Auf der Flucht", in der mehr oder minder prominente Zeitgenossen in die Rollen von Flüchtlingen schlüpften. Internationale Hilfsorganisationen hatten die Reihe kritisiert. Zur Wahl in der betreffenden Kategorie Doku/Dokutainment stand das gleichfalls umstrittene RTL-II-Format "Berlin - Tag und Nacht".

Das ARD-Drama "Operation Zucker" wurde zum besten Fernsehfilm gekrönt. Die Geschichte um die Zwangsprostitution rumänischer Kinder in Deutschland behauptete sich gegen "Der Fall Jakob von Metzler" (ZDF) und "Der Minister" (Sat.1). "Ich freue mich, dass es den Mut gibt, solch radikale Filme zu machen", sagte Produzentin Gabriela Sperl. "Und ich hoffe, dass nach der Wahl die Politiker sich für Kinder und gegen Prostitution einzusetzen."

Als Bester Mehrteiler gewann die ZDF-Produktion, "Unsere Mütter, unsere Väter" gegen den ARD-Zweiteiler "Der Turm", der leer ausging, und das ZDF-Epos "Das Adlon. Eine Familiensaga".

Der Preis für sein Lebenswerk ging an Ottfried Fischer - er schockierte das Publikum bei seinem Auftritt zunächst mit den Worten: "Ich nehme diesen Preis nicht an." Für einen Augenblick herrschte Stille unter den 1300 Gästen im Kölner Coloneum, bis Fischer nachschob: "Eine Pointe!" Vor fünf Jahren hatte der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki mit dieser Bemerkung die Auszeichnung abgelehnt, weil ihm viele TV-Sendungen, die an jenem Abend prämiert wurden, nicht passten.

Fischer ist unter anderem bekannt als "Der Bulle von Tölz" auf Sat.1, mit dem Kabarett-Treff "Ottis Schlachthof" im Bayerischen Fernsehen und als "Pfarrer Braun" in der ARD - dafür steht er gegenwärtig letztmalig vor der Kamera. Fischer kündigte an, an einem Kabarettformat zu schmieden, mit dem er irgendwo im kommerziellen Fernsehen auftreten will - vielleicht gibt es dann wieder mehr Preise für die Privaten. dpa