Für die Richter in Hannover scheint der Fall klar: Weil eine Diskothek einen türkischstämmigen Studenten abgewiesen hat, muss der Betreiber ihm 1000 Euro Schadensersatz zahlen. Ausländer seien in der Disco unerwünscht gewesen, ein klarer Fall von Diskriminierung, urteilte das Amtsgericht kürzlich.

Immer wieder klagen Migranten über ähnliche Erlebnisse - aber nur selten enden ihre Beschwerden mit einem Gerichtsurteil. Auch wenn Wirte Gäste abweisen dürfen, warnt der Verband Deutscher Diskotheken vor jeder Form von Diskriminierung. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes ruft Opfer auf, gegen Club-Betreiber vorzugehen. "Es muss Aufklärung betrieben werden und den Sicherheitskräften erklärt werden, dass das so nicht geht", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Diskotheken, Stephan Büttner.
"Die Rechte von Migranten müssen beachtet werden, wir wollen keine Diskriminierung."

Viele Mitarbeiter und Gäste hätten ausländische Wurzeln, und keine Disco könne auf ausländische Gäste verzichten. Dennoch: "Es kommt schon vor, dass Leute diskriminierend abgewiesen werden, es gibt auch Willkür." Zu Recht könnten betrunkene oder aggressive Gäste zurückgewiesen werden, oder solche, die von Kleidung oder Alter her nicht zu einem bestimmten Abend passten - wie etwa einer Ü-30-Party. "Das gehört zum Hausrecht."

"Von dem Urteil geht ein Signal gegen den alltäglichen Rassismus in unserer Gesellschaft aus. Und es ermutigt Opfer, gegen Diskriminierungen aktiv vorzugehen", sagte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders. "Disco-Diskriminierung ist keine Bagatelle. Für viele junge Migranten ist das eine der ersten, großen Ausgrenzungserfahrungen, die sie erleben. Wer an der Discotüre zu hören bekommt ,Du gehörst nicht dazu', der wird diskriminiert." Junge Menschen sollten sich das nicht gefallen lassen. "Wir empfehlen Menschen, die Diskriminierungen nachweisen wollen, einen Test mit Zeugen zu machen."


Kein rechtsfreier Raum

"Wir begrüßen das Urteil, das zeigt, dass die Tür einer Diskothek kein rechtsfreier Raum ist", sagte der stellvertretende Vorsitzende der türkischen Gemeinde Niedersachsen, Ufuk Deniz Ciynakli. "Auch ich habe erlebt, dass ich an der Tür abgewiesen wurde und habe das als sehr verletzend empfunden", meinte der 31-Jährige.

"Wir würden uns wünschen, dass die Menschen, die so etwas erleben, da offen mit umgehen." Viele resignierten, weil sie denken, dass am Ende Wort gegen Wort stehe. Entsprechend hoch sei die Dunkelziffer.

Konkrete Zahlen dazu, wie oft sich tatsächlich junge Leute mit Migrationshintergrund beim Einlass in Discos oder Fitnessclubs diskriminiert fühlen, hat auch die Antidiskriminierungsstelle nicht. Seit ihrem Bestehen im Jahr 2006 hat sie 110 solcher Fälle konkret bearbeitet. Allerdings ist sie auch nur eine von vielen möglichen Anlaufstellen. dpa