"Eine deutsche oder eine englische Fußballnationalmannschaft sind schon lange nicht mehr deutsch oder englisch im klassischen Sinne", sagte der stellvertretende Parteivorsitzende dem "Spiegel". Der Profifußball sei "keine Frage der nationalen Identität mehr". Vielmehr gehe es um Geld, sagte der Brandenburger AfD-Fraktionsvorsitzende, der nach eigenem Bekunden keine Ahnung von Fußball hat. Dass der muslimische Nationalspieler Mesut Özil Fotos von seiner Pilgerfahrt nach Mekka verbreitet habe, sei für eine Partei wie die AfD, die den Islam nicht als Teil Deutschlands betrachte, "sehr gewöhnungsbedürftig".

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Ein von Mesut Özil (@m10_official) gepostetes Foto am



Auch AfD-Chefin Frauke Petry griff Özil an: "Es ist schade, dass Mesut Özil als Identifikationsfigur für so viele Kinder und Jugendliche die Nationalhymne nicht mitsingt", sagte sie der "Welt am Sonntag". Ebenso kritisierte Petry den Nationalspieler wegen des Mekka-Fotos. Diese Pilgerreise gehöre zwar zu den religiösen Pflichten eines Muslims, "ob man sie aller Welt präsentieren muss, steht dahin", sagte Petry. Und weiter: "Man könnte Özil fragen, ob er mit diesem Bekenntnis auch eine politische Aussage treffen wollte."

Die Grünen empfahlen den AfD-Politikern eine kollektive Fernsehpause während der Fußball-Europameisterschaft, die am kommenden Freitag beginnt. "Wenn Gauland und die AfD den Anblick von Özil, Boateng und Co. nicht ertragen können, sollen sie doch einfach den Fernseher während der EM ausschalten, aber bitte die Öffentlichkeit mit ihren albernen Tiraden gegen unsere Mannschaft verschonen", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Dieter Janacek, dem "Handelsblatt".

Gauland hatte sich am vergangenen Wochenende mit einer Äußerung zur Welt des Fußballs in die Nesseln gesetzt. Der rechtskonservative Politiker hatte in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" mit Bezug auf den Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng gesagt: "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben." Damit löste er einen Sturm der Empörung aus.

Der in Berlin geborene Boateng hat eine deutsche Mutter und einen ghanaischen Vater. Der AfD-Bundesvorstand hatte als Reaktion auf die Empörungswelle später erklärt: "Wir sind stolz auf unsere Nationalmannschaft und auch stolz auf all diejenigen, welche für sie spielen (...)."

Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah sagte der Deutschen Presse-Agentur. Gaulands Kommentar zu Boateng sei lächerlich. "Vielleicht findet er noch die Zeit, sich mal hinzusetzen und zu überlegen: "Was habe ich da für einen Mist erzählt?"." 2001 war Asamoah als erster gebürtiger Afrikaner für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft aufgelaufen. Er sah sich seinerzeit selbst rechtsextremer Hetze ausgesetzt.