Nahezu täglich legen kleinere und größere Staus den Verkehr auf Autobahnen und anderen mehrspurigen Straßen lahm. Die Autos stehen dabei dicht an dicht, viele Fahrer halten zu wenig Abstand. Oft bleibt kein Platz für eine Rettungsgasse - eine gefährliche Situation.


ADAC: Im Ernstfall zählt jede Minute

Denn im Ernstfall entscheiden Minuten über Leben und Tod von Unfallopfern. "Vor allem schwer und schwerst verletzte Unfallopfer müssen möglichst schnell versorgt werden - hier zählt jede Minute", erklärte der Sprecher des ADAC Hessen-Thüringen, Oliver Reidegeld. Fehlt die Gasse, werden auch die Rettungskräfte zusätzlich belastet, wie Günter Ohlig vom Landesverband Hessen im Deutschen Roten-Kreuz weiß: "Wenn die Sanitäter erst noch zur Unfallstelle laufen müssen, ist das natürlich eine erhebliche Stresssituation".


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Warum wird die Rettungsgasse so selten richtig gebildet?

Warum wird die Rettungsgasse so selten richtig gebildet? Fahrlehrer Ulrich Urban führt das Problem auf die Gedankenlosigkeit vieler Autofahrer zurück: "Das Thema wird in den Fahrschulen natürlich gelehrt. Aber das ist wie mit vielen Verkehrsregeln: Man kann schulen, so viel man will - wenn die Menschen das nicht verinnerlichen, verläuft das im Sand". Verkehrspsychologe Peter Fiesel spricht hier sogar von einem gesamtgesellschaftlichen Problem: "Ich beobachte einen zunehmenden Egozentrismus in der Gesellschaft, während Mitgefühl und Rücksichtnahme schwinden". Die Menschen seien immer mehr mit sich selbst beschäftigt - und im Auto zusätzlich von der restlichen Umwelt abgeschnitten.

Seit der Änderung im Dezember gilt laut Paragraf 11 Absatz 2 der Straßenverkehrsordnung nun unabhängig von der Fahrstreifenzahl folgende Faustregel: "Sobald sich ein Stau bildet - und auch schon bei zäh fließendem Verkehr - orientieren sich Autofahrer auf der äußersten linken Spur nach links, alle anderen nach rechts", erklärt Matthias Mänz, Sprecher der Polizei Nordhessen. Das Problem sei, dass die Gasse oft zu spät entstehe. Dann seien die Abstände zwischen den Autos bereits zu gering.

Grundsätzlich appelliere die Polizei aber an die Autofahrer, das Thema immer im Hinterkopf zu behalten und so früh wie möglich eine Gasse zu bilden - ansonsten drohe ein Bußgeld von mindestens 20 Euro. In der Praxis könnten solche Verstöße jedoch nicht immer geahndet werden, muss Mänz zugeben: "Den Stau abzusichern oder die Rettungskräfte an die Unfallstelle heranzuführen, hat in einer solchen Situation natürlich oberste Priorität".