Nach Ansicht der Rechtspsychologin Anja Kannegießer hat die Familienkonstellation keinen Einfluss auf die Entwicklung adoptierter Kinder. "Wie immer bei Fragen zur Familie geht es zentral um das Kindeswohl. Das ist der ausschlaggebende Maßstab für Entscheidungen" der Adoptionsstellen, sagte sie dem Evangelischen Pressedienst (epd). Studien belegten, dass es völlig egal sei, "ob zwei Männer, zwei Frauen oder ein Mann und eine Frau Eltern eines Kindes sind".

Bundesrat entscheidet am Freitag über "Ehe für alle"

Der Bundesrat will am Freitag über die bereits vom Bundestag beschlossene "Ehe für alle"entscheiden. Dann könnten künftig auch homosexuelle Paare Kinder adoptieren und wären der klassischen Familie aus Vater und Mutter gleichgestellt.

Kannegießer verwies auf Untersuchungen, überwiegend aus dem englischsprachigen Raum, die belegten, dass sich die kindliche Entwicklung und das elterliche Erziehungsverhalten in Familien mit gleichgeschlechtlichen Eltern nicht von Familien mit Vater und Mutter unterscheiden. "Für die Entwicklung von Kindern sind nicht Familienstrukturen entscheidend, sondern Familienprozesse." Das bedeute, dass "die Qualität der Beziehung zu den Eltern, der Beziehung zwischen den Eltern und der verfügbaren ökonomischen, sozialen und physischen Ressourcen sind entscheidend für die Entwicklung eines Kindes", erläuterte die Psychologin.

Es kommt auf Zuverlässigkeit und Liebesfähigkeit an

So komme es beispielsweise auf Zuverlässigkeit und Liebesfähigkeit in der Beziehung zum Kind an sowie auf das elterliche Wohlbefinden und auf die soziale Einbettung. "Das Geschlecht der Eltern an sich spielt dabei keine Rolle", betonte die Vorsitzende der Sektion Rechtspsychologie beim Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen.

Zwar muss laut Kannegießer damit gerechnet werden, dass Kinder in gleichgeschlechtlichen Ehen Diskriminierungen aushalten müssten. "Allerdings zeigen Studien hier, dass diese Kinder ein stärkeres Selbstbewusstsein und mehr Durchsetzungsfähigkeit entwickeln, gerade weil sie sich mehr mit ihrem Umfeld auseinandersetzen müssen."

Die Gründe dafür sieht die Expertin darin, dass gleichgeschlechtliche Paare in der Regel offen mit Anfeindungen umgehen und mit ihren Kindern diese Problematik diskutieren. Das fördere "die kindlichen Kompetenzen, ihre Meinungen und Ansichten zu vertreten". Kannegießer rechnet "perspektivisch" damit, dass die jüngsten gesetzlichen Änderungen zu "zunehmender Akzeptanz der gleichgeschlechtlichen Ehe in der Bevölkerung" führen.

Noch sei offen, wie viele Kinder tatsächlich von homosexuellen Paaren adoptiert werden können. Denn die abgebenden Eltern haben ein Mitspracherecht bei der Auswahl der künftigen Familie. Hier könne es gravierende Bedenken gegen gleichgeschlechtliche Eltern geben: "Man wird in jeder konkreten Situation sehen müssen, welche Vorbehalte bestehen und ob diese durch Beratung und Aufklärung abgebaut werden können."