Ostseebad Binz
"Oase der Ruhe"

Ab 17 Uhr haben Kinder Hausverbot: Restaurant "Oma's Küche" in Binz sperrt Nervensägen aus - bundesweite Kritik

Damit es im Restaurant auf der Insel Rügen keine nervigen Kinder mehr gibt, sperrt der Wirt kurzerhand alle aus: Ab 17 Uhr dürfen Kinder unter 14 Jahren nicht mehr ins Restaurant.
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Mit einem Schild weißt "Oma's Küche"  auf die neue Regelung hin: Ab 17 Uhr haben Kinder unter 14 Hausverbot. Foto: Stefan Sauer/dpa
Mit einem Schild weißt "Oma's Küche" auf die neue Regelung hin: Ab 17 Uhr haben Kinder unter 14 Hausverbot. Foto: Stefan Sauer/dpa

Ein Restaurant in Binz auf der Insel Rügen lässt seit dieser Woche abends keine Gäste mit Kindern unter 14 Jahren mehr hinein. "Mit dem Gedanken gehen wir schon sehr lange schwanger", sagt der Wirt von "Oma's Küche", Rudolf Markl. Es gehe um Kinder, die Gäste am Nebentisch belästigen würden, die an Tischdecken zerrten und Rotweingläser umschmissen - und Eltern, die nicht eingreifen. "Die quittieren das mit einem Lächeln, essen weiter, und es interessiert sie alles nicht."

Hotel- und Gaststättenverband kann nur zusehen

Mit der Entscheidung wolle er seinen Gästen von 17.00 Uhr an eine "Oase der Ruhe" bieten. Lars Schwarz, Präsident des Hotel- und Gaststättenverband in Mecklenburg-Vorpommern, zeigt sich zwar nicht begeistert, betont aber die freie unternehmerische Entscheidung, die jeder Gastwirt treffen könne. "Aber wir zielen in MV auf Kinderfreundlichkeit", stellt er klar.

Verstoß gegen Diskriminierungeverbot?

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat den Ausschluss von Kindern in Restaurants als rechtlich bedenklich kritisiert. Ein pauschaler Ausschluss ohne zwingenden sachlichen Grund könne gegen das Diskriminierungsverbot verstoßen, erklärte die Antidiskriminierungsstelle des Bundes am Freitag in Berlin. Sie reagierte damit auf einen aktuellen Fall in Binz auf der Insel Rügen, wo ein Restaurantbesitzer nur noch Gäste ab 14 Jahren bedienen will. Das Restaurantverbot für Kinder war in den vergangenen Tagen bundesweit auf Kritik gestoßen.

"Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schützt vor Benachteiligungen aufgrund des Lebensalters, also auch des Kindesalters", betonte Bernhard Franke, kommissarischer Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, am Freitag in Berlin. Eine Regelung, bei der Restaurants Kindern nachmittags pauschal den Zutritt verwehren, könne gegen das AGG verstoßen.

Lärmpegel als Begründung ungenügend

Unterschiedliche Behandlungen seien nur dann zulässig, wenn es einen nachvollziehbaren, sachlichen Grund gebe, sagte Franke. "Argumente, wie ein höherer Lärmpegel, durch den sich Gäste gestört fühlen könnten, reichen nicht unbedingt aus, um pauschal alle Kinder unter einem bestimmten Alter auszuschließen." In einem Rechtsstreit könnte ein Restaurantbetreiber bei einer entsprechenden Klage von Kunden die Verurteilung zu einer Entschädigungszahlung riskieren. Statt pauschaler Zutrittsverbote sei es angemessener, störende Kinder und ihre Eltern im Einzelfall aus dem Restaurant zu verweisen.