Karlsruhe (Baden)
Kurioses

Anwalt darf Herrmann "Wunderbares Inzuchtsprodukt" nennen

Der Anwalt David Schneider-Addae-Mensah darf nach einem Gerichtsbeschluss Joachim Herrmann als "wunderbares Inzuchtsprodukt" bezeichnen.
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Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Foto: Andreas Gebert, dpa
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Foto: Andreas Gebert, dpa
Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann hat im vergangenen Herbst den Schlagersänger Roberto Blanco in einer Talkshow als "wunderbaren Neger" bezeichnet. Während Blanco Herrmann den Ausrutscher verzieh, fühlte sich der Karlsruher Anwalt David Schneider-Addae-Mensah beleidigt und holte zum Gegenschlag aus. Er schrieb dem Innenminister einen Brief mit dem Betreff "Ihre rassistische Gesinnung", in dem stand "Herr Herrmann, Sie sind ein ganz wunderbares Inzuchtsprodukt!"

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, zog Herrmann daraufhin vor das Karlsruher Amtsgericht. Er forderte eine Geldstrafe wegen Beleidigung. Der zuständige Richter lehnte den Strafantrag aber ab. In der Begründung hieß es, dass Herrmanns "Neger-Spruch" eben nichts anderes gewesen sei, als eine "abwertende rassistsche Bezeichnung" und deshalb die Betreffs-Zeile keine Beleidigung darstelle. Die Bezeichnung "Inzuchtsprodukt" ging durch, weil Schneider-Addae-Mensah argumentierte, dass sich das Schreiben an dem Wortlaut Herrmanns orientierte und er nur seine Meinung frei geäußert habe. Der Richter gab dem Anwalt recht, weil das Bundesverfassungsgericht im Fall eines ehrverletzenden Angriffs ein "Recht zum Gegenschlag" einräumt, der durchaus drastisch sein dürfe.

Schneider-Addae-Mensah, Sohn einer deutschen Lektorin und eines Professors aus Ghana, sieht das Urteil laut Süddeutscher Zeitung als Genugtuung. Seinen Angaben zu Folge habe er sich in seiner Geburtsstadt München häufig mit Rassismus konfrontiert gesehen. So wurde er laut eigener Aussage etwa 30 Mal nur wegen seiner Hautfarbe von der Polizei kontrolliert.
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