Bamberg

Was wäre, wenn eine Frau mit Burka zu Ihnen kommt?

Wir haben bei Institutionen in der Region nachgefragt, wie sie mit voll verschleierten Frauen umgehen.
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Was wäre, wenn eine Frau mit Burka zu Ihnen kommt? Foto: dpa
Was wäre, wenn eine Frau mit Burka zu Ihnen kommt? Foto: dpa
Das sagen Institutionen in der Region über den Besuch von und den Umgang mit voll verschleierten Frauen:


Sonja Mißfeldt, Sprecherin des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg

"Bei uns ist ein solcher Fall noch nicht vorgekommen, zumindest nicht, dass ich davon wüsste. Und es wäre auch kein Problem, wenn jemand voll verschleiert ins Museum möchte. Uns geht es um die Sicherheit der Kunstwerke, d.h. wir gestatten nichts, was den Kunstwerken gefährlich werden könnte. Das sind z.B. große Rucksäcke auf dem Rücken, mit denen man versehentlich gegen ein Objekt stoßen könnte. Bei einer Verschleierung sehen wir keine Gefahr für die Kunst. Von daher - Zutritt gerne gewährt."


Bernd Ohlmann, Sprecher des Bayerischer Handelsverbands:

"Mir ist nicht bekannt, dass es wegen einer voll verschleierten Kundin in Bayern schon einmal Probleme gegeben hat. Ich kann mir vorstellen, dass in einem kleinen Dorf der Verkäufer vielleicht überrascht schaut, wenn eine derart gekleidete Frau den Laden betrifft - bedient würde sie natürlich trotzdem. In München gehören voll verschleierte Frauen längst zum Stadtbild. Sie kaufen hier ein und lassen viel Geld in der Stadt. Hotels haben sich auf diese Klientel eingestellt, richten einen Gebetsraum ein und nehmen den Alkohol aus den Kühlschränken. Vor einigen Geschäften gibt es auch Türsteher, die arabisch sprechen. Wir beobachten aber auch, dass immer mehr Gäste aus dem arabischen Sprachraum westlichen Stil annehmen und gleich nach der Landung am Flughafen in Jeans und T-Shirt schlüpfen."




Stefanie Schmidts, Sprecherin des Nürnberger Flughafens:

"Der Flughafen ist ein öffentliches Gebäude im öffentlichen Raum. Dementsprechend dürfen auch verschleierte Muslima den Airport ohne Weiteres betreten. An der Passagierkontrolle werden sie wie jeder andere Fluggast behandelt und der Luftsicherheitskontrolle unterzogen."


Nicole Bellinghausen, Sprecherin des für Sicherheit und Grenzschutz am Nürnberger Flughafen zuständigen Bundespolizeipräsidiums:

"Fluggäste, die aus religiösen Gründen eine Kopfbedeckung tragen, durchlaufen die gleichen Kontrollverfahren im Rahmen der Luftsicherheitskontrolle wie jeder andere Fluggast. Dies kann unter Beachtung der notwendigen Diskretion auch eine Abnahme der Kopfbedeckung beinhalten. Im Rahmen der Ein- und Ausreisekontrolle prüft die Grenzbehörde am Flughafen unter anderem die Identität der Reisenden. Hierzu erfolgt ein Abgleich des im vorgelegten Reisedokument enthaltenen Lichtbildes mit dem des Reisenden. Für eine zweifelsfreie Identitätsfeststellung ist das kurzzeitige Lösen der Verschleierung erforderlich. Dieses kann sowohl direkt am Grenzkontrollschalter als auch mit Rücksicht auf das Empfinden der Reisenden auf Antrag in einem abgesetzten Raum erfolgen."


Eva Mang, Pressesprecherin Sparkassenverband Bayern:

"Angesichts der steigenden Anzahl muslimischer Kundinnen setzen sich die bayerischen Sparkassen natürlich mit diesem Thema auseinander. Grundsätzlich haben Kreditinstitute wegen der Überfallgefahr ein besonderes Sicherheitsbedürfnis. Deshalb müssen Personen, die ein Gebäude der Bank betreten, identifizierbar sein. Alle Personen, die durch Kleidungsstücke oder Motorradhelme nicht erkennbar sind, werden in der Sparkasse aufgefordert, diese abzulegen bzw. sich zu identifizieren oder die Geschäftsräume zu verlassen. Hier wird tatsächlich das Hausrecht genutzt. Die Kunden haben auch Verständnis für unser Anliegen, wenn wir den genauen Hintergrund erklären. Trägerinnen einer Burka, auch mit Niqab (Gesichtsschleier), bieten wir in der Regel an, die Identifizierung durch eine Mitarbeiterin der Bank in einem separaten Raum vorzunehmen.


Peter Emmerich, Sprecher der Bayreuther Festspiele:

"Vor dieser Situation haben wir noch nicht gestanden, deshalb ist alles, was dazu gesagt werden kann, spekulativ und theoretisch. Sicherlich wäre es auffallend, wenn eine voll verschleierte Frau zum Besuch der Festspiele käme, aber innerhalb unserer derzeit gültigen Geschäftsbedingungen gibt es keinen Passus, der dies untersagen würde - was ja auch mit der geltenden Rechtslage unvereinbar wäre. Daher würde diese theoretisch angenommene Person grundsätzlich uneingeschränkten Zutritt zur Aufführung erhalten. Inwieweit das gesetzlich geregelte Vermummungsverbot erweitert und womöglich generell auf Theater und Opernhäuser angewendet werden könnte, ist meines Wissens juristisch nicht definiert. Davon unabhängig würden aber aufgrund der allgemein veränderten Gefährdungslage die Frage der Einlasskontrollen neu eingeschätzt und die Durchführung neu geregelt."


Susanne Langer, Sprecherin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

"Wir haben 40 000 Studenten an unserer Universität. Kopftuch ist kein Thema, aber jemand, der sich noch bekleideter hält, ist bisher noch nicht vorgekommen. Deshalb gab es noch keinen Anlass, sich damit zu beschäftigen, wie zum Beispiel in einem solchen Fall die rechtlich notwendige Feststellung der Identität bei Prüfungen erfolgen könnte. Wenn eine voll verschleierte Frau bei uns studieren wollte, würden wir überlegen, wie man damit umgeht - oder ob man überhaupt ein großes Problem daraus machen muss."