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Vorsicht Zecken: Was Sie jetzt über die Blutsauger wissen müssen

Jetzt im Sommer sitzen sie wieder in Wiesen, Büschen oder Feldern: Zecken. Wo die lästigen Blutsauger auftreten, was man bei einem Zeckenbiss beachten sollte und wie Sie sich schützen können, erfahren Sie hier.
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Foto: Patrick Pleul/dpa
Foto: Patrick Pleul/dpa


Ab wann ist mit Zecken zu rechnen?
Zecken können - je nach Wetterlage - grundsätzlich das ganze Jahr über auftreten, wie das Gesundheitsamt Nürnberg informiert. Die Zeckensaison hat längst begonnen, da die kleinen Blutsauger ab Temperaturen von mindestens sechs bis acht Grad Celsius aktiv werden.


Wo treten Zecken auf?
Zecken können sich laut Robert Koch-Institut dauerhaft nur dort halten, wo die Luftfeuchtigkeit nicht für einen längeren Zeitraum unter 80 Prozent fällt. Lange Trockenheit ist der natürliche Feind der Zecke. In Mitteleuropa kommt das in Laub- und Mischwäldern vor, auch reine Nadelwälder kommen infrage. Auch auf schattigen Wiesen, entlang von Waldrändern und selbst in einzelnen Baumgruppen oder Büsche (zum Beispiel in Parks) können Zecken vorkommen.


Wo halten sich Zecken auf?
Zecken fallen nicht von Bäumen - wie oft irrtümlich angenommen wird. Sie halten sich in Bodennähe auf, oder in geringer Höhe über dem Boden. In einer Höhe von über 1,20 Meter wurde laut Nürnberger Gesundheitsamt bisher noch keine Zecke gefunden.


Wohin stechen Zecken?
Der Saugakt Der Zecke dauert mehrere Tage. Da sie während dieser Zeit ständig der Gefahr ausgesetzt sind, vom Wirt herausgerissen zu werden, suchen sich Zecken eine möglichst geschützte Stelle aus. Bei Hunden und Katzen ist das häufig am Kopf. Auch beim Menschen stechen Zecken am Kopf, häufig aber auch an anderen geschützten Stellen, zum Beispiel am Hals, den Achseln, der Ellenbeuge, den Bauchnabel, den Genitalbereich oder in Kniekehlen. Da die Wahl der Einstichstelle für das Überleben der Zecke von so hoher Bedeutung ist, sticht diese nicht sofort zu, wenn sie auf der Haut angelangt ist - sondern läuft für längere Zeit auf dem Körper umher, um eine passende Stelle zu finden. Dies kann bis zu einer Stunde oder länger dauern.


Sind bestimmte Menschen besonders anfällig für Zeckenstiche?
Nein, diesbezüglich ist für heimische Zeckenarten nichts bekannt. Vielmehr dürfte das menschliche Verhalten von weitaus größerer Bedeutung dafür sein, ob man häufig von Zecken gestochen wird oder nicht. In der Regel ist es nicht die Zecke, die auf den Menschen zu läuft, sondern der Mensch, der sich die Zecken von der Vegetation abstreift. Demzufolge erhöht häufiger Kontakt mit niedriger Vegetation die Wahrscheinlichkeit, eine Zecke einzufangen. Dies trifft naturgemäß besonders auf spielende Kinder zu. Auch wer abseits der Wanderwege durch Gebüsch geht, hat ein erhöhtes Risiko.


Wie gefährlich sind Zecken und welche Krankheiten können sie in Deutschland übertragen?
Zecken können eine Vielzahl von Infektionskrankheiten auf den Menschen übertragen. Wenn eine Zecke zuschnappt, kann sie die Krankheitserreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wie auch der Borreliose übertragen. Die durch die Blutsauger übertragenen FSME-Viren können Entzündungen von Hirnhaut, Gehirn oder Rückenmark hervorrufen. In schweren Fällen kann dies bleibende Schäden wie Lähmungen zur Folge haben. Die Borreliose führt - wenn sie nicht behandelt wird - zu einer Erkrankung des Nervensystems. Neben schmerzhaften Nerven- und Hirnhautentzündungen kann es dabei zu Lähmungen, vorwiegend der Gesichtsnerven kommen. Ebenso sind Herzmuskelentzündungen möglich.


Wo treten FSME und Borreliose auf?
Während die Borreliose praktisch deutschlandweit überall auftritt, ist das Vorkommen des FSME-Virus überwiegend auf bestimmte Risikogebiete konzentriert. Betroffen ist vor allem Süddeutschland (Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen und das södöstliche Thüringen) , Österreich und die Schweiz. Laut Bayerischem Gesundheitsamt sind im Freistaat 80 von 96 Landkreisen FSME-Risikogebiete.

Wie unterscheiden sich FSME und Borreliose und was sind die Symptome?
Bei FSME handelt es sich um eine Viruserkrankung. Übertragen werden die Viren über den Speichel der Zecke. Bereits ein kurzer Stich genügt, aber auch wenn die Zecke direkt nach dem Biss entfernt wird, kann der Erreger schon übertragen sein. Krankheitsanzeichen sind ähnlich wie bei einer Grippe (Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen) die meisten Erkrankten haben aber gar keine Symptome. Bei vielen Infizierten ist mit grippeähnlichen Symptomen die Krankheit ausgestanden. Bei einem Drittel der Erkrankten kann es in einer zweiten Phase jedoch zu einer Erkrankung des Gehirns und Rückenmarks mit Lähmungen der Augen-, Gesichts- und Blasenmuskulatur oder der Arme und Beine kommen.

Die Borreliose wird über Bakterien übertragen. Im Gegensatz zur FSME muss eine mit Borrelien infizierte Zecke erst einmal einige Stunden lang (zwölf bis 24) saugen, bis eine Übertragung stattfindet. Erste Anzeichen einer Borreliose ist häufig mit einer charakteristischen Hautrötung, auch ringförmig, um die Einstichstelle oder anderen Körperteilen verbunden und wird daher auch als Wanderröte bezeichnet. Das Hautgebiet um die Einstichstelle sollte daher etwa vier bis sechs Wochen lang täglich auf das Auftreten dieser Hautrötung kontrolliert werden. Wenn sie erscheint, muss unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. Im Frühstadium ist die Borreliose mit Antibiotika gut behandelbar. Unbehandelt kommt es nach Rückbildung der Rötung im Zweitstadium zu einer Erkrankung des Nervensystems.


Wie wahrscheinlich ist eine Infektion nach einem Zeckenbiss?
Auch in Risikogebieten sind nur wenige Zecken mit dem FSME-Virus infiziert. Im Schnitt sind es bis zu fünf Prozent. Allerdings können die Zahlen lokal sehr stark schwanken. Im vergangenen Jahr gab es in Bayern 123 FSME-Fälle - rund 50 weniger als 2013, aber 33 mehr als 2012. Ein genereller Rückgang ist demnach nicht zu verzeichnen.

Borreliose tritt rund 200-mal häufiger auf als FSME. Lokal unterschiedlich sind etwa fünf bis 35 Prozent der Zecken mit Borrelien infiziert. Borreliose ist die am häufigsten durch Zecken übertragene Krankheit.


Kann ich mich gegen mögliche Krankheiten impfen lassen?
Vor der FSME kann man sich mit einer Impfung schützen. "Für einen kompletten Impfschutz sind drei Impfungen innerhalb eines Jahres erforderlich", erläuterte Nikolaus Frühwein, Präsident der Bayerischen Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen. "Insgesamt ist die Impfung sehr gut verträglich und wir empfehlen sie vor allem Menschen, die sich oft in der Natur aufhalten." Besonders gefährdet sind Berufsgruppen, die sich im Freien aufhalten, wie zum Beispiel Forstarbeiter oder in der Landwirtschaft arbeitende Personen. Eine erste Auffrischung sollte man nach drei Jahren durchführen lassen. Die folgenden Auffrischungen lassen Geimpfte im Alter von zwölf bis 49 Jahren alle fünf Jahre durchführen.

Gegen die Borreliose gibt es keinen Impfschutz. Sie kann jedoch mit Antibiotika behandelt werden.


Ist eine Impfung gegen FSME bei Kindern sinnvoll?
Für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr steht ein Impfstoff zur Verfügung. Bei Kindern verlaufen die Erkrankungen im Allgemeinen leichter als bei Erwachsenen. Im Einzelfall kann jedoch nicht vorhergesagt werden, ob eine Infektion leichter oder schwerer verläuft. Bei Kindern ist die Gefahr zudem besonders groß von einer Zecke gestochen zu werden, da Kinder sich viel im Freien aufhalten wollen und dort aktiv sind. Auch wenn nach der Impfung bei etwa 15 Prozent der ein- bis zweijährigen Kinder und bei 5 Prozent der Drei- bis Elfjährigen Fieber (über 38°C) auftreten kann, gibt es keine wirkliche alternative Präventionsmaßnahme. Da die Impfung den einzigen wirksamen Schutz vor einer FSME-Erkrankung darstellt, sollten die Risiken sorgfältig abgewogen werden.


Wie kann ich mich generell vor Zeckenbissen schützen?
Bei Aufenthalt im hohen Gras, Gebüsch oder Unterholz, bietet das Tragen geschlossener Kleidung (feste geschlossene Schuhe, Kopfbedeckung, lange Hosen, lange Ärmel) einen gewissen Schutz. Im Wald sollten die Wege benutzt werden, man sollte nicht durch dichtes Gebüsch oder hohes Gras laufen. Unbekleidete Körperstellen können mit gegen Zecken getesteten Mückenabwehrmitteln eingerieben werden. Nach einem Aufenthalt im Freien sollte der Körper nach Zecken abgesucht werden. Insbesondere sollte man Kinder nach dem Spielen im Freien gründlich untersuchen. Das Tragen von heller Kleidung erleichtert das Auffinden von Zecken.


Wie wird eine Zecke richtig entfernt?
Um eine Infektion mit FSME zu vermeiden, sollte die Zecke sobald wie möglich herausgezogen werden. Dabei sollten möglichst alle Teile der Zecke entfernt werden, um eine Entzündung zu vermeiden. Hierzu greift man die Zecke mit einer Pinzette oder einem speziellen Zeckenentfernungsinstrument nahe der Hautoberfläche, also an ihren Mundwerkzeugen (niemals am vollgesogenen Körper!) und zieht sie langsam und gerade aus der Haut. Möglichst sollte die Zecke dabei nicht gedreht werden und auf keinen Fall darf sie vor dem Entfernen mit Öl oder Klebstoff beträufelt werden. Dies würde das Tier unnötig reizen und könnte dazu führen, dass es seinen Speichel und somit mögliche Infektionserreger abgibt. Nach Entfernung der Zecke ist eine sorgfältige Desinfektion der Wunde empfohlen.

Was mache ich mit, wenn ich die Zecke entfernt habe?
Auch wenn es komisch klingt: Wer eine Zecke bei sich entdeckt und entfernt hat, sollte sie aufbewahren. Denn dann kann der Parasit im Labor auf Krankheitserreger wie Borrelien untersucht werden, sollten typische Warnzeichen wie die oben beschriebene Wanderröte auftreten.


Was sollte ich als Tierhalter beachten?
Tierhalter sollten sich vor Zecken in Acht nehmen. Beim Streicheln oder Schmusen mit dem Haustier können Zecken auf den Halter überwechseln. Das Risiko, den Parasiten zu begegnen, nimmt auch hier mit den steigenden Temperaturen im Frühjahr deutlich zu. Darauf weist Tierärztin Tina Hölscher von der Organisation Aktion Tier hin.
 
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