Neukirchen

Tragödie in Hessen: Drei Geschwister ertrunken

Erst ertrinkt ein Fünfjähriger in einem Dorfteich. Dann werden auch noch zwei vermisste Geschwister tot aus dem Wasser geborgen.
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Kerzen und Kuscheltiere liegen am 19.06.2016 in Neukirchen im Ortsteil Seigertshausen (Hessen) an einem Löschteich, in dem nach Polizeiangaben am 18.06.2016 drei Geschwister im Alter zwischen fünf und neun Jahren ertrunken sind. Foto: Jörn Perske/dpa
Kerzen und Kuscheltiere liegen am 19.06.2016 in Neukirchen im Ortsteil Seigertshausen (Hessen) an einem Löschteich, in dem nach Polizeiangaben am 18.06.2016 drei Geschwister im Alter zwischen fünf und neun Jahren ertrunken sind. Foto: Jörn Perske/dpa
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Drei Geschwister im Alter von fünf, acht und neun Jahren sind in einem Löschteich im nordhessischen Neukirchen ertrunken. Anwohner hatten am Samstagabend zunächst den bewusstlosen Fünfjährigen aus dem frei zugänglichen Teich geholt, wie die Polizei in Kassel am Sonntag mitteilte.

Den Angaben zufolge hatte der elf Jahre alte Bruder seine Geschwister gesucht und den Fünfjährigen im Wasser entdeckt. Daraufhin alarmierte er Menschen aus der Nachbarschaft. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Als klar wurde, dass noch zwei weitere Kinder der Familie vermisst wurden, begann eine groß angelegte Suche in dem 700 Einwohner zählenden Ortsteil Seigertshausen. Polizei, Feuerwehr und Freiwillige suchten in der Dämmerung mehr als eine Stunde lang nach den beiden Kindern. Rettungstaucher konnten das achtjährige Mädchen und ihren neun Jahre alten Bruder dann nur noch tot aus dem Wasser bergen.

Die Ermittler sprachen von einem Unglück und schlossen Fremdverschulden aus. An dem Teich steht ein Warnschild mit der Aufschrift: "Teichanlage. Betreten auf eigene Gefahr. Eltern haften für ihre Kinder." Am Sonntag lagen Blumen und Kuscheltiere an einem Metallsteg am Rand des etwa 40 Meter breiten Löschteiches. Mitfühlende Menschen hatten auch drei weiße Kerzen aufgestellt.

Klemens Olbrich, Bürgermeister in Neukirchen, sagte der Deutschen Presse-Agentur, im Ort herrsche "große Betroffenheit". Noch nie sei so etwas an dem nicht eingezäunten Teich passiert. Die betroffene Familie ist laut Olbrich vor einem Jahr aus Saarbrücken nach Nordhessen gezogen und hat einen syrisch-kurdisch-türkischen Hintergrund. Die Kinder sind laut Polizei in Deutschland geboren.

Olbrich sagte, dass er das tödliche Drama am Dorfteich aufarbeiten wolle: "Drei Punkte sind zu klären: eine mögliche Verletzung der Aufsichtspflicht, die Frage nach dem Schwimmunterricht und was nun mit dem Teich, der Brandschutzzwecken dient, geschieht." Ein Verwandter der Familie sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass er den Teich ohne Zaun für zu gefährlich halte.

Wo sich die Eltern der Kinder zum Zeitpunkt des Unglücks befanden und ob sie womöglich ihre Aufsichtspflicht verletzt haben, konnte ein Polizeisprecher zunächst nicht sagen. Er äußerte sich auch nicht zu der Frage, ob die Kinder schwimmen konnten.

Bereits am Samstagabend begann die Polizei mit der Befragung von Zeugen. Am Sonntag wurden weitere gehört und die Spurensuche intensiviert, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Eine Obduktion der Leichen sei für Montag angeordnet.

Nach Angaben einer Augenzeugin half "das halbe Dorf" bei der Suche nach den Kindern mit. "Alle waren in heller Aufregung", sagte die Anwohnerin, die die Kinder persönlich kannte. "Das ganze Dorf steht unter Schock, die Stimmung ist eine Katastrophe." Um die betroffene Familie kümmerte sich ein Mitglied einer muslimischen Gemeinde aus der Gegend.
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