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Terrorismus

Anschläge in Brüssel: Was wir wissen - und was nicht

Bei einer Terrorserie sind am Dienstag in Brüssel mindestens 31 Menschen getötet worden. 300 wurden verletzt. Alle Infos im Artikel.
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Foto: EPA/OLIVIER HOSLET/dpa
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Brüssel steht seit den Terroranschlägen vom Dienstag, 22. März 2016, unter Schock. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Was wissen wir? Was nicht?


Fragen und Antworten zu den Anschlägen in Brüssel



Wie liefen die Anschläge am Flughafen und in der U-Bahn ab?

Die Terrorserie beginnt um 07.58 Uhr mit zwei Explosionen auf dem Flughafen, kurz hintereinander. Zwei Männer sprengen sich in die Luft. Ein dritter Komplize tut dies nicht - warum, weiß man nicht. Er überlebt, kann fliehen. Das Trio kam mit dem Taxi zum Flughafen. Beim Gepäck wollten sich die drei keinesfalls helfen lassen.
Um Punkt 09.11 Uhr zündet ein weiterer Terrorist eine Bombe im mittleren von drei U-Bahn-Wagen in der Metro-Station Maelbeek. Wie er dorthin kam und ob er dort Mittäter hatte, weiß man nicht. Am Flughafen kann er eigentlich nicht gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft gibt aus ermittlungstaktischen Gründen keine weitere Auskunft.


Wer steckt hinter den Anschlägen?

Die Polizei hatte ein Bild von einer Video-Überwachungskamera am Flughafen veröffentlicht, das drei Männer zeigt. Einer von ihnen ist Ibrahim El Bakraoui (29), der sich in der Flughafenhalle in die Luft sprengte. Einer der beiden weiteren Männer ist Medienberichten zufolge der bislang als Terrorverdächtiger gesuchte Najim Laachraoui (24). Er soll sich demnach ebenfalls in die Luft gesprengt haben. Dies bestätigten die Behörden zunächst aber nicht. Unklar ist, wer der dritte Mann auf dem Fahndungsbild ist. Auf dem Bild trägt er eine weiße Jacke, einen schwarzen Hut und eine Brille.

Der Terrorist, der in der Metro-Station Maelbeek eine Bombe zündete, war Ibrahim El Bakraouis jüngerer Bruder Khalid (27). Beide Brüder waren belgische Staatsbürger und wegen verschiedener nicht terroristischer Taten vorbestraft. Medien berichten, dass ein zweiter Mann dabei gewesen sein soll - ob er bei der Explosion getötet wurde oder auf der Flucht ist, ist allerdings noch unklar. Auch seine Identität ist nicht bekannt.


Wie viele Todesopfer gibt es?

Die belgischen Behörden sprechen bislang von mindestens 31 Toten und rund 300 Verletzten. Die Opfer kamen nach Angaben des belgischen Außenministers Didier Reynders aus etwa 40 Nationen. Auch Deutsche wurden verletzt, mindestens einer schwer. Die Bundesregierung hat noch keine gesicherten Erkenntnisse über deutsche Todesopfer - allerdings könne nicht ausgeschlossen werden, dass auch Bundesbürger ums Leben gekommen seien, heißt es aus dem Auswärtigen Amt. Eine Frau aus Aachen wird nach Polizeiangaben vermisst.


Gibt es einen Zusammenhang zu der Terrorserie in Paris?

Vieles deutet darauf hin: der Ablauf der Taten, der Sprengstoff, die Tatorte. Vor allem aber Verbindungen der mutmaßlichen Täter. Einer der beiden Brüder - Khalid El Bakraoui - soll unter falschem Namen eine Wohnung angemietet haben, die zur Vorbereitung der Anschläge mit 130 Toten im November in Paris genutzt wurde. Auch eine weitere Wohnung im Brüsseler Stadtteil Forest lief auf seinen Tarnnamen - dort soll sich auch der inzwischen festgenommene Top-Terrorverdächtige Salah Abdeslam aufgehalten haben. Laachraoui wurde am Montag öffentlich zur Fahndung ausgeschrieben. Er soll zusammen mit Abdeslam, der am Freitag in Brüssel festgenommen wurde, einer der Drahtzieher der Paris-Anschläge gewesen sein.


Hat sich die Lage in Belgien beruhigt?

Weiterhin gilt Terrorstufe 4 - die höchstmögliche. Denn mindestens ein Mittäter wird weiter auf der Flucht vermutet. Die Metro-Station Maelbeek wird vermutlich noch mehrere Wochen geschlossen bleiben. Der Flughafen Brüssel bleibt auf jeden Fall noch bis einschließlich Freitag geschlossen. Die Lufthansa sagte Flüge von Deutschland nach Brüssel bis Ostermontag ab. Das öffentliche Leben funktioniert mittlerweile halbwegs wieder. Aber das ganze Land trauert: Bis Karfreitag ist noch offiziell Staatstrauer, die Flaggen wehen auf Halbmast.


Wie groß ist die Gefahr für Deutschland?

Die Sorge vor einem Anschlag auf deutschem Boden ist anhaltend hoch - aber das ist schon seit Monaten so. Die Kontrollen an den Grenzen zu den Benelux-Staaten und Frankreich werden nochmals verschärft. Auch an den großen Flughäfen und Bahnhöfen werden die Sicherheitsmaßnahmen wieder in die Höhe gefahren. Nach Angaben von Bundesinnenminister Thomas de Maizière gibt es aber keine Hinweise auf einen "Deutschland-Bezug". Trotzdem setzt Kanzlerin Angela Merkel das Thema Terror für diesen Mittwoch auf die Tagesordnung des Kabinetts.


Warum immer wieder Brüssel?

Belgien gilt als eines der am stärksten durch Terrorismus gefährdeten Länder in Europa. Hintergrund ist die im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße hohe Zahl von Menschen, die als Dschihadisten in das Bürgerkriegsland Syrien gezogen sind. Nach Schätzungen von Sicherheitsbehörden stammen rund 500 Kämpfer in dem Krisengebiet aus Belgien (Stand: Ende Oktober). Vor allem der Stadtteil Molenbeek hat einen schlechten Ruf. Von dort kamen außer Abdelslam auch andere Islamisten, die an Terroranschlägen beteiligt waren. In Belgiens Hauptstadt lebt man deshalb seit einer Weile mit besonderer Vorsicht. Bereits eine Woche nach den Anschlägen in Paris hatte es konkrete Gefahrenhinweise gegeben. Das öffentliche Leben kam damals für fünf Tage praktisch zum Erliegen, ohne dass etwas geschah.




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Die Terroranschläge in Brüssel - ein Minutenprotokoll

Gegen 08.00 Uhr: In der Abflughalle des Brüsseler Flughafens Zaventem gibt es kurz hintereinander zwei Explosionen.
08.50 Uhr: Alle Flüge von und nach Brüssel werden umgeleitet, berichtet der belgische Sender La Première.
Gegen 09.15 Uhr: In der zentralen Metro-Station Maelbeek gibt es eine weitere Explosion. Wenige Minuten später werden alle Metrostationen in Brüssel geschlossen.
09.23 Uhr: Belgien hebt die Terrorwarnstufe aufs höchste Niveau.
09.57 Uhr: Der belgische Sender RTBF berichtet über zehn Tote am Flughafen, Minuten später werden schon 13 Todesopfer gemeldet.
10.08 Uhr: Erste Berichte über einen Selbstmordattentäter kursieren, zunächst nicht von der Polizei bestätigt. Wenig später gehen die Sicherheitsbehörden von Terrorschlägen aus.
10.37 Uhr: Das belgische Krisenzentrum ruft die Bürger auf, zu Hause oder am Arbeitsplatz zu bleiben.
11.08 Uhr: In Brüssel werden sämtliche Bahnhöfe gesperrt. Minuten später stellt die Deutsche Bahn den Zugverkehr nach Aachen ein. Der Hochgeschwindigkeitszug Thalys stoppt seine Fahrten über Belgien.
11:49 Uhr: Medien zitieren den belgischen Premier Charles Michel, dass es sich um Terroranschläge handelt.
12.15 Uhr: Elf Tote und 81 Verletzte am Airport sind die Zwischenbilanz, die Gesundheitsministerin Maggie De Block nennt.
12.47 Uhr: Laut belgischer Nachrichtenagentur Belga ist eine Kalaschnikow am Flughafen in der Abflughalle entdeckt worden.
14.35 Uhr: Mindestens 20 Menschen sind beim Anschlag in der Metro-Station ums Leben gekommen, sagt Bürgermeister Yvan Mayeur, 14 weitere bei einem Selbstmordattentat am Flughafen.
15.26 Uhr: US-Präsident Barack Obama verurteilt die Anschläge von Havanna aus.
16.04 Uhr: Die Polizei stellt die Suche nach Waffen und möglichen Verdächtigen am Airport ein, berichtet Belga. Durchsuchungen an mehreren Orten in der Stadt halten unvermindert an.
16.37 Uhr: Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) bekennt sich zu den Anschlägen - laut Nachrichtenagentur Amaq, die dem IS nahesteht. Knapp zwei Stunden später übernimmt die Terrormiliz in einer Interneterklärung selbst die Verantwortung.
16.55 Uhr: UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilt die Anschläge.
17.29 Uhr: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagt Belgien volle Unterstützung bei der Suche nach den Attentätern zu. Zuvor hatte Bundespräsident Joachim Gauck auf seiner China-Reise betont, Deutschland teile die Trauer und stehe an der Seite seines Nachbarn.
17.34 Uhr: Im Flughafen wird laut Sender RTBF eine dritte Bombe gefunden. Sie war nicht detoniert, kann entschärft werden.
18.20 Uhr: Die belgische Polizei fahndet via Twitter-Foto nach einem Mann in weißer Jacke, der einen Flughafen-Gepäckwagen schiebt, auf dem eine große schwarze Tasche steht.
18.47 Uhr: Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw zufolge gehen die Ermittler von zwei Selbstmordattentätern am Airport aus.
19.16 Uhr: Bei Hausdurchsuchungen werden laut Staatsanwaltschaft eine IS-Flagge, ein Sprengsatz und chemische Substanzen gefunden.
19.17 Uhr: Der belgische König Phillippe ruft die Nation in einer Fernsehansprache auf, mit "Entschlossenheit, Ruhe und Würde" auf den Terror zu reagieren.
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