Laden...
London
Politik

Premierministerin Theresa May ernennt Boris Johnson zum Außenminister

Theresa May steht an der Spitze der britischen Regierung. Nun hat sie den Brexit-Wortführer Boris Johnson zum Außenminister ernannt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Foto: PAUL McErlane/Andy Rain/Will Oliver/Andrew Cowie/Facundo Arrizabalaga/Michael Kappeler/Euan Cherry/epa/dpa
Foto: PAUL McErlane/Andy Rain/Will Oliver/Andrew Cowie/Facundo Arrizabalaga/Michael Kappeler/Euan Cherry/epa/dpa
Die neue britischen Premierministerin Theresa May hat überraschend den prominenten Brexit-Wortführer Boris Johnson zum Außenminister ernannt. Der frühere Londoner Bürgermeister galt zunächst als Favorit im Rennen um den Premier-Posten, verzichtete dann aber. Er war einer der wichtigsten Kämpfer für den EU-Austritt.

Zudem ernannte May Außenminister Philip Hammond zum neuen Schatzkanzler. Der bisherige Finanzminister George Osborne trat zurück, teilte Downing Street am Mittwochabend weiter mit. Hammond dürfte bei den anstehenden Austrittsverhandlungen mit der EU eine wichtige Rolle spielen. 

Zudem rückt die Abgeordnete Amber Rudd an Spitze des Innenministeriums. Das Ministerium wurde zuvor von May geführt. Michael Fallon bleibt Verteidigungsminister. 

Erst wenige Stunden zuvor wurde die konservative Politikerin Theresa May von Königin Elizabeth II. zur neuen britischen Premierministerin ernannt worden. May traf die Queen am Mittwochabend im Buckingham-Palast. Kurz zuvor hatte ihr Amtsvorgänger David Cameron der Queen seinen Rücktritt erklärt. Cameron hatte seine Frau und drei Kinder mit in den Buckingham-Palast gebracht, May ihren Mann.

Mit Spannung wurde am Abend ihr erster öffentlicher Auftritt vor dem Regierungssitz Downing Street Nr. 10 erwartet. Die Regierung bleibt mit May weiterhin in den Händen der Konservativen.  
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) freut sich auf die Zusammenarbeit mit May. Sie werde bald mit ihr in Kontakt treten, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Auf die Frage, welche Erwartungen die Kanzlerin an die Verhandlungen von May mit der Europäischen Union über den Ausstieg Großbritanniens aus der EU habe, sagte er: "Nun wollen wir die britische Seite ihre Entscheidungen treffen lassen. Da gibt es heute keine neuen Erwartungen. Die sind alle schon geäußert."

Cameron sagte, Großbritannien solle der EU auch künftig "so nahe bleiben, wie wir nur können". Wenige Stunden vor seinem offiziellen Abgang verabschiedete sich Cameron mit launigen Worten vom britischen Parlament. "Ich war einmal die Zukunft", sagte er nach sechsjähriger Amtszeit unter großem Beifall der Abgeordneten. "Ich werde die Rufe der Menge vermissen, ich werde die Buhs der Opposition vermissen", fügte er zum Abschluss einer überwiegend humorigen Fragestunde hinzu.

Cameron, der für den Verbleib in der EU kämpfte, gibt sein Amt wegen der schweren Niederlage beim Brexit-Referendum vom 23. Juni auf. 52 Prozent der Wähler hatten für den Austritt aus der EU gestimmt. Cameron hatte das Referendum selbst initiiert. May setzte sich im Wahlkampf ebenfalls für den Verbleib in der EU ein, aber nur sehr verhalten. Nun will sie die zerstrittene Tory-Partei einigen.

Wichtigste Aufgabe Mays wird es in den nächsten Monaten sein, den geplanten Austritt aus der Europäischen Union zu regeln. Ein genaues Datum für den Beginn der formellen Austrittsverhandlungen gab May bisher nicht an - Brüssel mahnt aber rasches Handeln an.

Zudem kommt es für die neue Premierministerin darauf an, negative wirtschaftliche Folgen des Brexit-Votums zu mildern. Bereits am Donnerstag dürfte die Bank of England die Leitzinsen senken, um so die lahmende Konjunktur anzukurbeln.

In London wurde erwartet, dass May bereits in den nächsten Tagen Minister ernennt. Britische Medien erwarten, dass die Zahl der Frauen in der Regierung deutlichen steigen dürfte. Baldige Neuwahlen schließt May allerdings aus, hieß es in ihrer Umgebung.  

Die 59 Jahre alte May ist die erste Frau an der Regierungsspitze seit dem Rücktritt von Margaret Thatcher 1990. Seit 40 Jahren sei kein britischer Premierminister zum Amtsantritt so alt wie May gewesen, berichtet der Sender BBC zudem.

Während die Konservativen ihre Brexit-Krise deutlich schneller als erwartet beilegten, geht der Aufruhr bei der Opposition weiter. Die Labour-Partei steuert auf eine Urwahl der Parteibasis um den Vorsitzendenposten zu. Der unter massiven Druck stehende Vorsitzende Jeremy Corbyn dürfte dabei der Abgeordneten Angela Eagle gegenüberstehen. Kritiker werfen Corbyn vor, die Partei sei unter seiner Führung bei jüngsten Wahlen und beim EU-Referendum gescheitert.