Berlin

Tag gegen Homophobie - Fragen und Antworten

Das öffentliche Bekenntnis zur Homosexualität ist in unseren Breiten längst kein Tabu mehr. Andernorts ist der Weg dahin noch weit. Der internationale Tag für Homophobie wirbt für mehr Toleranz.
Artikel drucken Artikel einbetten
Teilnehmer der Demonstration des Lesben- und Schwulenverband LSVD stehen am 17.05.2015 mit einem Transparent mit der Aufschrift: "Wir sind gegen Homophobie und Transphobie" zum internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie auf dem Wittenbergplatz in Berlin. Foto: Gregor Fischer/dpa
Teilnehmer der Demonstration des Lesben- und Schwulenverband LSVD stehen am 17.05.2015 mit einem Transparent mit der Aufschrift: "Wir sind gegen Homophobie und Transphobie" zum internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie auf dem Wittenbergplatz in Berlin. Foto: Gregor Fischer/dpa
Ob Showmaster, Fußball-Profi oder Politiker - viele Prominente in Deutschland haben sich längst öffentlich zu ihrer Homosexualität bekannt. Doch in einigen Ländern müssen sich Schwule und Lesben aus Angst vor Gewalt und Strafe noch immer verstecken. Fragen und Antworten zum Tag gegen Homophobie am 17. Mai.

Wann und warum wurde der Tag ins Leben gerufen?

Am 17. Mai 1990 beschloss die Weltgesundheitsorganisation (WHO), Homosexualität von der Liste psychischer Krankheiten zu streichen. Um öffentlich auf die Diskriminierung hinzuweisen, der Schwule, Lesben oder Transsexuelle vielerorts noch immer ausgeliefert sind, riefen Betroffene den 17. Mai im Jahr 2004 zum Internationalen Tag gegen Homophobie aus. Der Gedenktag wird heute in mehr als 130 Ländern mit Diskussionen, Konzerten oder Straßenfesten begangen. Mehrere Staaten und internationale Institutionen wie das Europäische Parlament haben ihn mittlerweile offiziell anerkannt.

Wo ist die Lage von Homosexuellen besonders kritisch?

In großen Teilen der Welt gelten gleichgeschlechtliche Beziehungen noch immer als illegal, Attacken auf Schwule und Lesben sind trauriger Alltag. Besonders prekär ist die Lage in Afrika und einigen arabischen Ländern. So müssen in Saudi-Arabien, dem Iran oder dem Sudan zum Beispiel Homosexuelle im Verborgenen leben - im schlimmsten Fall droht gar die Todesstrafe. Ugandas Verfassungsgericht hob 2014 ein Anti-Homosexuellen-Gesetz auf, das international Empörung ausgelöst hatte. Mehrere westliche Staaten hatten ihre Hilfsmittel für Uganda auf Eis gelegt.

Wie hoch ist die Akzeptanz für Homosexuelle in Europa?

Je nach Land immer noch sehr unterschiedlich. Besonders tolerant sind einer Studie zufolge Niederländer, Schweden und Dänen. Die meisten Menschen dort meinen, Schwule und Lesben sollten einfach so leben, wie es ihnen gefällt. Auch in Belgien, Großbritannien, Frankreich und Deutschland ist die Zustimmung relativ hoch. Am wenigsten tolerant zeigen sich die Menschen in Osteuropa: vor allem in der Ukraine, Estland, Polen und der Slowakei.

Wie hat sich die Situation in Deutschland entwickelt?

Hierzulande war Feindseligkeit gegenüber Homosexuellen mehr als 120 Jahre lang im Paragrafen 175 des Strafgesetzbuches verankert. Er bestrafte gleichgeschlechtliche Beziehungen als "widernatürliche Unzucht". 1968 wurde der Paragraf in der DDR gestrichen, im Westen ein Jahr später reformiert, aber bis in die 1990er Jahre hinein weiter angewendet. Erst 1994 strich ihn der Gesetzgeber endgültig. Seit 2001 können homosexuelle Paare ihre Lebenspartnerschaft offiziell eintragen lassen. Anders als in den Niederlanden oder Dänemark zum Beispiel haben sie aber nicht dieselben Rechte wie heterosexuelle Ehepaare.

Aktionstag im TV

Die Komikerin Hella von Sinnen (56) führt an diesem Sonntag durch den Aktionstag "Liebe ist Liebe" von Tele 5. Der Fernsehsender will ein Zeichen gegen Homophobie setzen. "Wenn wir auch in Deutschland zu den liberaleren Ländern Europas gehören, erlebe ich doch dank AfD und rechtsnationalen Montagsaufmärschen einen irritierenden Backlash (englisch: Rückschlag)", sagte von Sinnen der Deutschen Presse-Agentur in Köln. "Tausende gingen in Baden-Württemberg auf die Straße, um dagegen zu protestieren, dass in Schulbüchern erklärt werden darf, dass Frauen auch Frauen und Männer auch Männer lieben dürfen. Ich bin persönlich zutiefst verletzt, dass meine Liebe schlecht, unrecht oder gar pervers sein soll."

Am "Internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie" zeigt Tele 5 vier Spielfilme zum Thema sexuelle Identität in Folge - unter ihnen das Coming-of-Age-Drama "C.R.A.Z.Y. - Verrücktes Leben" (15.30 Uhr) sowie das Drama "Lost and Delirious" (20.15 Uhr).
Verwandte Artikel