Washington
US-Fernsehdebatte

TV-Duell Trump gegen Clinton: Jetzt wird es schmutzig

Donald Trump will bei der ersten TV-Diskussion mit Hillary Clinton die Ex-Geliebte deren Ehemannes Bill Clinton ins Publikum setzen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Werbung für das bevorstehende TV-Duell Clinton gegen Trump an einem Restaurant in Washington.  Foto: Jim Lo Scalzo, dpa
Werbung für das bevorstehende TV-Duell Clinton gegen Trump an einem Restaurant in Washington. Foto: Jim Lo Scalzo, dpa
+1 Bild
Vor der ersten Fernsehdebatte von Donald Trump und Hillary Clinton am Montag hat die Schlammschlacht zwischen den beiden US-Präsidentschaftskandidaten bereits begonnen. Trump droht damit, eine Ex-Geliebte von Clintons Mann, dem früheren Präsidenten Bill Clinton, ins Publikum zu setzen.

Bei der Debatte werden bis zu hundert Millionen Zuschauer erwartet - das wären fast 50 Prozent der Wählerschaft von rund 225 Millionen Menschen.

Der Debatte in der Hofstra-Universität im Bundesstaat New York wird große Bedeutung für das Rennen zwischen Clinton und Trump zugerechnet. Für die Demokratin Clinton geht es darum, vor der Fernsehnation ihr Glaubwürdigkeitsdefizit zu bekämpfen.

Einer Umfrage der "Washington Post" zufolge geht sie als Favoritin in die Debatte: 44 Prozent der Amerikaner erwarten demnach, dass Clinton als Siegerin aus der Begegnung hervorgeht. Zusätzliche Unterstützung erhielt sie von der einflussreichen "New York Times", die offiziell ihre Präsidentschaftskandidatur unterstützte.


Moderate Wähler überzeugen

Der Republikaner Trump muss in der Fernsehdebatte vor allem darauf achten, moderate Wähler davon zu überzeugen, dass er trotz seiner vielen Verbalattacken auf Frauen, Minderheiten und politische Gegner das nötige Format für das Präsidentenamt hat. In den vergangenen Wochen hatte der Unternehmer - mit wechselndem Erfolg - zumindest vorübergehend versucht, mit Zurückhaltung zu punkten. Im Durchschnitt der jüngsten Umfragen liegt Clinton laut der Internetseite RealClearPolitics landesweit rund drei Prozentpunkte vor Trump. Einige für den Wahlausgang am 8. November wichtige Bundesstaaten sind jedoch noch heftig umkämpft. Die Fernsehdebatte könnte deshalb für Clinton oder Trump vorentscheidend sein.


Clinton liegt in Umfragen vorn

Der bisherige Einschalt-Rekord für ein Fernsehduell in einem Präsidentschaftswahlkampf liegt bei 80 Millionen Zuschauern und stammt laut "New York Times" aus dem Jahr 1980, als der damalige republikanische Kandidat Ronald Reagan gegen Präsident Jimmy Carter antrat.

In der Umfrage der "Washington Post" sagten 17 Prozent der Wähler, die Debatte an diesem Montag um 21 Uhr (3 Uhr MESZ) werde ihre Wahlentscheidung möglicherweise beeinflussen.


Mit allen Tricks

Weil so viel auf dem Spiel steht, kämpfen beide Lager mit allen Tricks. Clinton vergab einen Platz in der ersten Reihe des Publikums bei der Fernsehdebatte an Mark Cuban, der wie Trump ein milliardenschwerer Unternehmer ist, aber zu den schärfsten Kritikern des republikanischen Kandidaten gehört. Offenbar soll seine Anwesenheit den Immobilienmogul Trump während der Livesendung nervös machen.

Trump erklärte auf Twitter, wenn Cuban wie angekündigt in der ersten Reihe Platz nehmen sollte, werde er dafür sorgen, dass Gennifer Flowers auf einem Stuhl daneben Platz nehme. Flowers ist eine ehemalige Geliebte von Bill Clinton, der immer wieder mit außerehelichen Affären von sich reden gemacht hat. Mit der Drohung, Flowers zu der Fernsehdebatte zu bringen, will Trump nun Hillary Clinton provozieren.


Wochenlange Vorbereitungen

Beide Kandidaten bereiten sich seit Wochen auf den Fernsehabend vor. Clinton simuliert ihren Auftritt laut Medienberichten mit einem Berater, der in die Rolle des Immobilienmoguls schlüpft und spielt verschiedene Varianten der Begegnung durch; sie hat wegen der Vorbereitung seit dem vergangenen Mittwoch keine Wahlkampfauftritte mehr absolviert. Mit passenden Antworten auf die erwarteten heftigen und möglicherweise auch persönlichen Attacken Trumps will Clinton dem 70-jährigen Milliardär den Wind aus den Segeln nehmen; Trumps Äußerung zu Flowers legt nahe, dass er tatsächlich versuchen wird, Clintons Privatleben und Charakter zum Thema der Debatte zu machen.


Privatleben thematisieren

Nachdem Clinton in den Umfragen lange Zeit vor Trump gelegen hatte, holte der New Yorker Milliardär in den vergangenen Wochen deutlich auf. Die ehemalige Außenministerin Clinton steht unter anderem wegen der Nutzung eines privaten Mail-Servers während ihrer Amtszeit in der Kritik. Zudem musste sich die 68-Jährige zuletzt wegen eines Schwächeanfalls und einer Lungenentzündung kritische Fragen nach ihrer gesundheitlichen Fitness stellen. Die beiden Kandidaten stellen sich am 9. und am 19. Oktober noch zwei weiteren Fernsehdebatten. Am 4. Oktober treten die Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten, Trumps Partner Mike Pence und Clintons Mitstreiter Tim Kaine, vor den Kameras gegeneinander an.