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Studieren, Festspiele, Bratwurst und Bier: Das läuft prima in Franken

Es ist sicher a weng übertrieben, das Frankenland als Nabel der Welt zu bezeichnen, aber allzu weit weg davon sind wir nicht. Was in Franken gut läuft:
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Es ist sicher "a weng" übertrieben, das Frankenland als den Nabel der Welt zu bezeichnen, aber allzu weit weg davon ist die Region nicht. Vieles ist gut hier, sehr viel läuft rund. Fotos: FotoliaMontage: Dagmar Klumb
Es ist sicher "a weng" übertrieben, das Frankenland als den Nabel der Welt zu bezeichnen, aber allzu weit weg davon ist die Region nicht. Vieles ist gut hier, sehr viel läuft rund. Fotos: FotoliaMontage: Dagmar Klumb
Nein, wir wollen die Region nicht schlecht schreiben, im Gegenteil: Haben wir uns letzte Woche darüber ausgelassen, was alles schief läuft in Franken, wollen wir heute einmal die Pluspunkte herausstellen. Von denen gibt es eine ganze Menge.

Was natürlich auch am fränkischen Charakter liegt. Seiner unaufgeregten Art, einer grundsätzlichen Hilfsbereitschaft und Weltoffenheit, die man ihm so gar nicht zutrauen würde. Der Franke kann es zwar nicht richtig aussprechen, aber er kann es: Integration. Das hat Franken schon historisch groß gemacht und hört bei der Speisekarte noch nicht auf. Bier (irisch), Wein (römisch) - der Franke grenzt nichts aus, wenn's basst.

Prominentes Beispiel ist der Würzburger Bischof. Friedhelm Hofmann, ein Rheinländer, bleibt auch nach seiner Verabschiedung in den Ruhestand in Franken. Die Leute haben es ihm angetan. Daran, dass es vielerorts gut läuft in Franken, sind in erster Linie die Franken selbst schuld.

Aber nicht nur: Die Reize der Landschaft und das günstige Klima tun ein übriges. In Wein- und Bierfranken weiß man die jeweiligen Spezialitäten zu schätzen. Und der Franke betritt auch neue Pfade - weg von bisheriger Kirchturmpolitik. Vielmehr sucht man in der Metropolregion den Zusammenschluss zu gemeinsamem Vorgehen, geht in Sachen Energiewende neue Wege und freut sich darüber, dass sich Arbeiten, Wohnen und Freizeit in der Region so gut miteinander verbinden.

In Franken läuft's sportlich ebenfalls rund. Mit Coburg und Erlangen ist man in der Handball-Bundesliga vertreten. Die Basketballer aus Bamberg ziehen in der Euroleague ihre Kreise, und die Würzburger Kickers haben die Hoffnung nicht aufgegeben, ein viertes Mal aufzusteigen. Dann in die Fußball-Bundesliga.


Mehr Wurst für Geld

Was wäre Franken ohne seine Bratwurst? Hier sind die zahlreichen Variationen der Feinen und Groben - meist hausgemacht vom Metzger um die Ecke - quasi Ernährungsgrundlage. Eine rösch Gebratene kostet auf dem Land zwischen zwei Euro und 2,50 Euro, in den Städten etwas mehr. Für drei Nürnberger mit Kraut legt man in der mittelfränkischen Metropole 2,80 Euro hin. Am Münchner Viktualienmarkt hingegen zahlt man für sechs Stück mit Kraut 7,10 Euro. In Oberbayern ist jedoch die Kaufkraft auch deutlich höher als in Franken. Man kann sich dort mehr leisten, heißt es. Nun haben Untersuchungen ergeben, dass beispielsweise 1000 Euro Rente in München deutlich weniger wert sind als etwa in Erlangen oder Nordbayern. In der Landeshauptstadt bekommt man für diese Summe Waren und Dienstleistungen mit einem Wert von 766,83 Euro, in Erlangen hingegen welche im Wert von 902,52 Euro. Spitzenreiter ist der Landkreis Bad Kissingen mit 1090,02 Euro. Heißt auch: In Franken kann man sich deutlich mehr Bratwurst leisten.


Integration? Passt schon!

Integration? Der Franke wird sich schwer tun, das Wort hochdeutsch korrekt auszusprechen. Da sind einfach zu viele harte "D" drin. Aber er muss auch nicht groß drüber reden, denn die Integration wurde dem Franken in die Wiege gelegt. Die fränkische Geschichte ist die Geschichte der Integration: Germanen und Kelten, Römer und Thüringer, Slawen und und und haben sich hier wohl gefühlt und niedergelassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg fügten sich hunderttausende Heimatvertriebene ins fränkische Multikulti ein, nicht ganz reibungslos sicher, aber es hat funktioniert. Dann kamen noch die Amis, die US-Soldaten in den Kasernen unter anderem in Bamberg und Schweinfurt. Darüber, ob die eigene Welt der GIs in Franken als Musterbeispiel für Integration gelten kann, mag man streiten. Immerhin waren sie willkommen und so gut angepasst, dass viele den Abzug kaum bemerkt haben...


Die Hilfe kommt schnell


Ein Notfall passiert. Der Betroffene ruft die 112 und wartet. Wie lange er wartet, hängt naturgemäß von der Nähe seine Wohnorts zur nächsten Rettungswache ab. "In mindestens 80 Prozent und in Städten in bis zu 98 Prozent der Fälle wird aber die gesetzlich festgelegte Hilfsfrist von zwölf Minuten eingehalten", sagt Lothar Philipp, Geschäftsführer des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Bamberg-Forchheim. Ähnlich ist die Situation in Unterfranken.
Der Rettungsdienst erfülle seine Vorgaben, wenn in mindestens 80 Prozent der Fälle in einem Versorgungsgebiet die Fahrfrist eingehalten wird. "Mit ganz kleinen Ausnahmen schaffen wir das auch", sagt Philipp, dessen Team für 330 000 Einwohner in der Stadt Bamberg sowie den Landkreisen Bamberg und Forchheim zuständig ist. Das bestätigten die Statistiken des Instituts für Notfallmedizin an der Uni München, das bayernweit und fortlaufend alle Rettungseinsätze berechnet.
Voraussetzung für die Einhaltung der Hilfsfrist ist die Lage des Notfalls "an einer Straße". Fahrten zu abgelegenen Orten auf dem flachen Land dauern ein paar Minuten länger. Für Notfälle auf dem flachen Land gebe es deshalb Ersthelfer der Feuerwehr ("First Responder") oder "Helfer vor Ort".


Nachhaltiges Franken

Trotz der "Drecksschleuder" des bayerischen Ministerpräsidenten liegt die Umwelt den Menschen im Freistaat am Herzen. Beim Thema regenerative Energien beweist vor allem das Frankenland Vorbildcharakter. So steht zum Beispiel in Schwarzenbach an der Saale ein nahezu energieautarkes Sonnenhaus, in Oberleiterbach findet man ein ganzes Bioenergiedorf. Mit Biogas- und Hackschnitzel-Heizanlagen setzt man auf erneuerbare Rohstoffe. Auch Freizeit geht nachhaltig. Das Bambados in Bamberg kommt durch ein innovatives Passivhauskonzept mit vergleichsweise wenig Energie aus. Wenig ist untertrieben: Dank spezieller Bauform und Gebäudetechnik spart man jährlich 55 Prozent Endenergie und 60 Prozent Wasser ein. Das hauseigene Blockheizkraftwerk wird zudem mit nachhaltiger, regionaler Biomasse gefüttert. In einem 35 Hektar großen Energiewald in der Bamberger Südflur gedeihen rund 320 000 Balsampappeln. Die wachsen besonders schnell und finden ihre Bestimmung als Hackschnitzel für eine umweltorientierte Energieversorgung. Diese Beispiele zeigen: Energiewende wird großgeschrieben und vor allem Nachhaltigkeit durch erneuerbare Energie, das können die Franken.


Der Wein- und Biernabel

Geht es um alkoholische Getränke, insbesondere um Wein und Bier, erweist sich die Region als wahres Eldorado. Von einem fränkischen Silvaner schwärmen sogar Italiener, und das will was heißen. Das fränkische Weinanbaugebiet ist mit seinen 6237 Hektar zwar bundesweit nicht das größte, aber die Qualität des zumeist in den Tälern des Mains, und der fränkischen Saale angebauten Rebensaftes ist vorzüglich.
Auch an den Hängen des Steigerwalds und im Aischgrund gedeihen Tropfen, die, meist trocken ausgebaut und in Bocksbeutel abgefüllt, von Kennern außerordentlich geschätzt werden. Nicht anders verhält es sich mit dem Bier. Mit etwa 300 Brauereien herrscht in Franken die größte Brauereidichte weltweit. Insbesondere in Oberfranken kommen die Genießer auf ihre Kosten. Unter Experten außerordentlich geschätzt ist das Bamberger Rauchbier. Ein Alleinstellungsmerkmal für die Region und deshalb weltweit vertrieben. Hier wird noch handwerklich Bier gebraut, zumeist in kleinen Gasthausbrauereien. Deshalb: Der Biernabel der Welt, er findet sich eben nicht in Oberbayern, sondern schlicht in Franken.


Stadt + Land = Erfolg

Für das fränkische Selbstbewusstsein stehen ein Name und ein Projekt: Ulrich Maly, der weit über die Grenzen seiner Stadt und seiner Partei (SPD) geschätzte OB von Nürnberg, und die Metropolregion.
Nun ist das Konzept der Metropolregionen nicht auf Nürnbergs Mist gewachsen. Das Konstrukt macht aus der Not eine Tugend: Die mächtigen Großstädte sollen ihre Strahlkraft mit dem weiteren Umland teilen, zum beiderseitigen Nutzen. Das funktioniert nicht überall im Sinne der Erfinder, in Nürnberg und um Nürnberg herum aber gut, so gut, dass der Landkreis Sonneberg in Thüringen sich nach Nürnberg orientiert.
Die Region Nürnberg zählt zu den wirtschaftsstärksten in Deutschland, sie ist ein Technik-, Bildungs- und Forschungsstandort, der sich hinter München und Frankfurt nicht verstecken muss. Lebensqualität inklusive: Die Nürnberger fahren mit dem Bocksbeutelexpress in den Steigerwald, die Leute vom Land kommen zum Shoppen in die Stadt. Geben und Nehmen.


Wo Studieren Spaß macht

Studieren in einer reizvollen Umgebung, an Universitäten mit einer reichen Geschichte und höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen, in Franken geht das. Allein an den vier fränkischen Universitätsstandorten Würzburg, Erlangen, Bamberg und Bayreuth sind derzeit 95 000 Studenten eingeschrieben. An den Hochschulen in Coburg, Schweinfurt, Aschaffenburg und Hof noch mal 21 000. Die Qualität des Studiums reizt. In Erlangen und Würzburg genießen die Mediziner, Chemiker und Physiker einen ausgezeichneten Ruf, Würzburg verweist voller Stolz auf acht Nobelpreisträger. Natürlich wird nicht nur studiert. Die Würzburger Eleven landen irgendwann zum Dämmerschoppen in der Mainschleife, die Erlanger im Aischgrund und die Bamberger in einer der Rauchbierbrauereien. Auch das gesellige Beisammensein gehört selbstverständlich zum Studium. In Franken geht das sehr gut, und nicht zuletzt deshalb sind Studienplätze in der Region so gut nachgefragt.


Aufstieg, Aufstieg!

Die Würzburger Kickers - eine ganz spezielle Truppe. Die unterfränkischen Fußballer erobern derzeit den fränkischen Fußballhimmel. Wie Phönix aus der Asche. Lassen inzwischen so weltberühmte Größen wie den Nürnberger Club oder auch einen Traditionsverein wie die Spielvereinigung Greuther Fürth hinter sich.
In einem Siegeszug ohne Beispiel haben sich die Unterfranken in den letzten vier Jahren zuerst in die Regionalliga, von dort in die Dritte Liga und jetzt in die Zweite Bundesliga geschossen. Einfach sensationell. Und ein Ende der Erfolgsgeschichte ist nicht absehbar. Derzeit rangieren die Würzburger als bestes fränkisches Team auf Rang 7 der Tabelle. Nürnberg und Fürth folgen mit Abstand auf den Plätzen 10 und 12.
Letztes Wochenende hatte man Tabellenführer Braunschweig am Rande einer Niederlage. Es reichte nur zu einem Remis. Aber man hat Tuchfühlung zur Spitze. Könnte gut sein, dass Würzburg erneut aufsteigt. Dann geht's gegen die Bayern. Die sollten sich schon mal warm anziehen.


"Bayreuth" ist beileibe nicht alles

Gut, mit München und Berlin kann die Region naturgemäß nicht konkurrieren. Jean Paul mit seinem eigenartigen Oszillieren zwischen provinzieller Beschränktheit und kosmischem Denken ist ein schönes Beispiel für die Kultur in Franken. Die hat immerhin einige Solitäre hervorgebracht: das Theater auf der Luisenburg (Bild), die Bamberger Symphoniker, und, bekannt in allen Winkeln dieser Welt: "Bayreuth" als Chiffre für Wagners Festspiele, ein ewiger Diskussionsstoff. Unterhalb solcher Parnasse wuselt eine rege Szene in allen Genres: Theater, Musik, Literatur - gut, verglichen mit einer glorreichen Vergangenheit ist da noch Luft. Man wird sich wohl noch entwickeln dürfen


Wirtschaft floriert

Franken hat als Wirtschaftsstandort an Attraktivität gewonnen. Die Mischung aus einer Vielzahl mittelständischer Unternehmen gepaart mit einigen Global Playern macht sich auch am Arbeitsmarkt bemerkbar. In den vergangenen zehn Jahren sind tausende Jobs entstanden. Mit rund vier Prozent im fränkischen Durchschnitt liegt die Arbeitslosenquote in der Region so tief wie lange nicht mehr. Und wer hier arbeitet, schätzt Lebensqualität, Infrastruktur und medizinische Versorgung. Das zeigt sich dann auch an der Innovationsfähigkeit. Die Zahl der Patentanmeldungen ist in Franken im Verhältnis zur Zahl der Unternehmen, zur Einwohnerzahl und zur Wirtschaftskraft höher als andernorts.


Von wegen Langeweile!

Hier ist nichts los: Das ist ein Vorurteil (nicht nur ) der Städter, mit dem viele ländliche Regionen in Franken hartnäckig zu kämpfen haben. Ist Freizeit in Franken der ewige Kampf mit der gepflegten Langeweile?

Zu viel Lobhudelei für Sie? Hier lesen Sie, was in Franken alles schief läuft!
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