Regensburg
Energiewende

Warum der Strom im nächsten Jahr teurer wird

Ab 1. Januar 2017 steigt der Strompreis. Rund 90 Euro mehr muss dann ein Drei-Personen-Haushalt bezahlen.
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Das ist schon paradox - Bayerns Stromkunden müssen im Jahr 2017 mit höheren Strompreisen rechnen, weil sie aus Deutschlands Norden keinen Strom beziehen. Verantwortlich dafür ist eine Energiewende, bei der der Bau notwendiger Stromtrassen von Nord nach Süd nicht annähernd Schritt halten kann mit dem massiven Ausbau der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien in Deutschlands Norden.

Das führte dazu, dass die vier großen deutschen Übertragungsnetzbetreiber im Jahr 2015 bereits eine Milliarde Euro Entschädigung an die Betreiber großer Windparks zahlen mussten. Ganz einfach deshalb, weil die ihre Anlagen zwangsabschalten mussten, um die Netze nicht zu überlasten. Und die Netzbetreiber reichen die Rechnung natürlich weiter. So kündigte der Netzbetreiber Tennet, er ist für Franken und weitere Teile Bayerns der zuständige Versorger, bereits an, die Netzentgelte im Jahr 2017 um 80 Prozent zu erhöhen.


Abgeriegelte Windparks

Das trifft zunächst einmal die Betreiber der Verteilnetze. Der größte Verteiler ist im Freistaat das Bayernwerk. Und dessen Kunden trifft es besonders schwer. Weil in Tennets Versorgungsgebiet in Niedersachsen und Hessen ein Großteil der Windkraftanlagen installiert ist. Und gerade hier explodieren die Kosten wegen der Abriegelung der Windparks.

Daran wird sich so schnell auch nichts ändern, weil der Netzausbau von Nord- nach Süddeutschland aufgrund zahlreicher Bürgerproteste derzeit nicht vorankommt. Daran ändert auch die Entscheidung der Politik nichts, die Leitungen vorrangig unter die Erde zu verlegen. Das heißt aber auch, dass sich die eh schon prekäre Situation bis zum Jahr 2025 weiter zuspitzen dürfte. So lange wird es nach Expertenschätzung mindestens dauern, bis die Leitungen fertig gestellt sind.


Kunde wird zur Kasse gebeten

Bis dahin wird der Stromkunde wegen weiter stark steigender Kosten für nicht eingespeisten Windstrom kräftig zur Kasse gebeten. Zum Beispiel von der Bayernwerk AG. Deren Gebiet umfasst mit einer Länge von 153 000 Kilometern an Hoch-, Mittel- und Niederspannungsleitungen rund zwei Drittel des bayerischen Stromnetzes. Zum Netzgebiet gehören die Bezirke Unterfranken, Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern und Oberbayern. "Die massive Netzentgelterhöhung im Übertragungsnetz führt auch bei uns unweigerlich zu einem deutlichen Anstieg der Netzentgelte", erklärt der stellvertretende Sprecher der Bayernwerk AG, Christian Martens, auf Nachfrage.


Bayernwerk: 29 Prozent mehr

Deutlich heißt in diesem Fall: Die Netzentgelte steigen für einen Durchschnittshaushalt von 6,34 Cent pro Kilowattstunde in 2016 auf 8,21 Cent in 2017. Das entspricht einer Erhöhung um satte 29 Prozent. Ursächlich für den allergrößten Teil des Anstiegs sei die Kostenentwicklung bei Tennet, so Martens. Hinzu komme jedoch auch ein hoher Investitionsbedarf im Verteilnetz und im Ausbau der Infrastruktur.

So würden derzeit bereits 260 000 regenerative Anlagen in der Region in das Netz des Bayernwerks einspeisen. Auf dem Gebiet des Bayernwerks hätten bei der Stromversorgung alternative Energien bereits jetzt einen Anteil von über 60 Prozent. Das erfordere massive Investitionen ins Netz.

Bleiben wir bei dem nicht gelieferten Strom und den unmittelbaren Auswirkungen auf die Stromkunden. Da sind in erster Linie die Stadtwerke und kommunalen Versorgungsunternehmen zuständig. Was dank der höheren Netzentgelte auf einen durchschnittlichen Haushalt an zusätzlichen Belastungen zukommen kann, davon hat Jan Giersberg, Sprecher der Stadtwerke in Bamberg, schon eine ungefähre Vorstellung.


Jede Menge Kostentreiber

"Eine Strompreiserhöhung von rund zehn Prozent spätestens zum Januar 2017 halte ich derzeit für nicht ganz unrealistisch", so seine Meinung. Wobei die höheren Netzentgelte nicht die einzigen Preistreiber wären, ist zu erfahren. Giersberg verweist auf die höhere Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), die Kraft-Wärme-Kopplung-Umlage (KWK), die Umlage für die Befreiung großer Stromverbraucher von den Netzentgelten und Steuererhöhungen. Alles Kostentreiber, die letztlich beim Stromkunden anlanden.

Bambergs Stadtwerke-Chef Michael Fiedeldey hat schon mal ausgerechnet, dass auf einen Drei-Personen-Haushalt in den nächsten 20 Jahren jährliche staatliche Mehrbelastungen von 90 Euro zukommen. Der Ausbau der Stromtrassen und die damit verbundenen Kosten seien da noch gar nicht eingerechnet. Seiner Meinung nach müsse die Bundesregierung dringend Lösungen finden, um die Kosten für die Bürger zu minimieren.
Weil:"Viele unserer Kunden wissen nicht mehr, wie sie die Mehrbelastungen bezahlen sollen."


Kommentar: Teure Energiewende

Verrückt, paradox, ohne Plan. Wovon ich spreche ? Natürlich von unserer Energiewende. Da war zunächst nach Fukushima die in deutschtypischer Hysterie getroffene Entscheidung des sofortigen Ausstiegs aus der Kernkraftnutzung. So überhastet das Vorgehen, so folgenreich die Weiterungen. Deutschland schritt voran, leider ohne eine konkrete Vorstellung davon zu haben, wie das mit der Energieversorgung funktionieren sollte. Man wusste nur: Energie hatte erneuerbar zu sein. In der Nordsee entstanden riesige Offshore-Windanlagen, die eifrig Strom produzierten. Jetzt ist die erneuerbare Energie da, nur die Leitungen zum Transport in den Süden fehlen. Fehlen immer noch. Und werden auch noch länger fehlen. Anlagen müssen deshalb abgeschaltet, Betreiber entschädigt werden - für Strom, der nicht produziert wird. Diese Milliarden zahlt der Stromkunde, wer sonst? Wenn dann dereinst die Trassen stehen, zahlt der Stromkunde wieder Milliarden. Diesmal für den Ausbau. Ja, ja - die Energiewende - sie wird so richtig teuer.