Düsseldorf

Staatsanwaltschaft: Copilot war vor Jahren suizidgefährdet

Der Copilot der Germanwings-Maschine war vor seiner Karriere als Berufspilot als selbstmordgefährdet eingestuft und in psychotherapeutischer Behandlung.
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Die Bergung der abgestürzten Germanwings-Maschine geht weiter. Foto Claude Paris, dpa
Die Bergung der abgestürzten Germanwings-Maschine geht weiter. Foto Claude Paris, dpa
Wie Staatsanwaltschaft Düsseldorf am Montag berichtet, war der Copilot der Germanwings-Maschine vor seiner Karriere als Berufspilot als selbstmordgefährdet eingestuft worden und er war in psychotherapeutischer Behandlung.

Bei seinen Arztbesuchen in letzter Zeit sei ihm jedoch weder Selbst- noch Fremdgefährdung attestiert worden. Hinweise auf ein organisches Leiden gebe es in den ärztlichen Dokumentationen bislang nicht. Auch fehlten nach wie vor belegbare Hinweise auf eine Ankündigung oder ein Bekenntnis einer solchen Tat.

In der Sonderkommission "Alpen" sind etwa 100 Ermittler beschäftigt. Das hat die Polizei am Montag mitgeteilt. Rund die Hälfte von ihnen ist einer Mordkommission zugeteilt, die sich mit etwaigen Motiven des vermutlich vorsätzlich verursachten Absturzes beschäftigt.

Die bei den Durchsuchungen sichergestellten Gegenstände und Unterlagen seien bereits zu einem Großteil untersucht worden. Sie würden noch bewertet. Zwischenzeitlich hatte die Sonderkommission eine Größe von mehr als 200 Beamten.


Copilot war vor Jahren selbstmordgefährdet

Derweil geht die Suche nach dem Datenschreiber der abgestürzten Germanwings-Maschine weiter. Der Germanwings-Airbus mit 150 Menschen an Bord prallte vergangenen Dienstag mit fast 800 Stundenkilometern gegen eine Felswand und zerschellte in Tausende Einzelteile.

Kaum eine Woche nach der Katastrophe konzentrieren sich die Ermittler auf den 27-jährigen Copiloten, der nach derzeitigen Erkenntnissen die Maschine mit voller Absicht auf Sinkflug gebracht haben soll. Gewissheit soll der Abgleich der aufgezeichneten Geräusche auf dem Cockpit-Stimmenrekorder (CVR) mit dem Flugdatenschreiber bringen. Bisher blieb die Suche vergeblich. Zwar hatte Frankreichs Präsident François Hollande den Fund der "Hülle" bekanntgegeben - doch damit kann nach Ansicht der Ermittler auch nur das Chassis gemeint sein.

Dessen Inhalt - also der Zylinder mit den wertvollen Daten - ist so konzipiert, dass er enormen Druck-Belastungen standhält. Friedemann: "Diese Belastung entspricht dem Aufprall auf eine Betonwand mit 750 Stundenkilometern." Auch Hitze muss er mindestens eine Stunde lang aushalten - die Obergrenze liegt bei 1100 Grad Celsius, der Brenntemperatur des Flugzeugtreibstoffs Kerosin. Auch größter Druck kann dem Zylinder kaum etwas anhaben; nach dem Absturz des Air-France-Fluges AF447 über dem Nordatlantik waren die Daten auch nach zwei Jahren auf dem Boden der Tiefsee noch auslesbar.

Bleibt die Frage, ob man die wichtige Suche nach den Datenrekordern nicht technisch vereinfachen könnte. Die Militärluftfahrt experimentiert bereits mit auswerfbaren Datenrekordern - also Geräten, die vor einem Aufprall des Flugzeugs automatisch herausgeschleudert werden. Auch der Hersteller der Unglücksmaschine, der europäische Flugzeughersteller Airbus, wird sie nun einführen. "Die Entscheidung wurde nach den Flugzeugunglücken in Südostasien getroffen", sagte ein Airbus-Sprecher in Toulouse der Deutschen Presse-Agentur. Die auswerfbaren Flugschreiber sollen in den beiden größten Airbus-Modellen A350 und A380 eingesetzt werden. Details sind zwar noch nicht bekannt, doch sollen die Geräte voraussichtlich in die Außenhaut des Rumpfes integriert werden.