Landau in der Pfalz
Raubmord

Senioren im Visier: Urteil wegen Raubmordes an einer 86-Jährigen

Mehrere Männer hatten eine 86-Jährige in Landau ausrauben wollen. Sie schlugen und traten die Seniorin, am Ende war die Frau tot. Jetzt fiel das Urteil.
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Mehrere Männer hatten eine 86-Jährige in Landau ausrauben wollen. Sie schlugen und traten die Seniorin, am Ende war die Frau tot. Jetzt fiel das Urteil. Foto: Uwe Anspach/dpa
Mehrere Männer hatten eine 86-Jährige in Landau ausrauben wollen. Sie schlugen und traten die Seniorin, am Ende war die Frau tot. Jetzt fiel das Urteil. Foto: Uwe Anspach/dpa
Sie drangen in das Haus der alten Frau ein. Sie schlugen und sie traten sie. Und sie ließen sie liegen. Wie der Einbruch im pfälzischen Landau im Mai 2016 derart eskalierten konnte, ist bis heute offen geblieben.

Zwei Männer sind am Donnerstag wegen des Raubmords an der 86-Jährigen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Nach Überzeugung der Richter haben die 25 und 30 Jahre alten Angeklagten die Frau in ihrem Haus aus Habgier brutal misshandelt, beraubt und die Sterbende dann sich selbst überlassen. 


Gefühlos und unbarmherzig

Mit dem Urteil und der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld folgte das Landgericht am Donnerstag dem Plädoyer der Anklage. Staatsanwältin Anne Herrmann hatte von einem Vorgehen "in gefühlloser und unbarmherziger Weise" gesprochen. 

Mehr als 30 Hinweise auf Tritte und Schläge fanden sich auf dem leblosen Körper des Opfers. Gebrochene Rippen und massive Kopfverletzungen stellten die Gerichtsmediziner fest. Ein Verdächtiger wird noch gesucht, ein anderer wurde festgenommen und sitzt im Gefängnis. Auch die Lebensgefährtin des 25 Jahre alten Angeklagten soll bei der Tat dabei gewesen sein.


Waren die Kinder vor Ort?

Beweisen lässt sich das noch nicht. Aber es gibt Spuren und Hinweise. Womöglich - so mutmaßt der Richter -, waren sogar Kinder des Paars am Tatort. Sozusagen als Mittel zum Zweck. Denn was hatte die vorsichtige Frau mitten in der Nacht dazu veranlasst, das Fenster zu öffnen, wenn nicht ein triftiger Grund? Waren womöglich weinende Kinder ein solcher Grund? Viele Fragen sind offen geblieben. 

Auch weil die Angeklagten kaum etwas über den Tathergang erzählt haben. Die Verteidigung hatte keine besondere Schwere der Schuld gesehen. Die Situation sei eskaliert, weil nur wenig Beute da war und die Männer mehr erwartet hätten. Die Anwälte hatten sich nicht zu einem Strafmaß geäußert und die Entscheidung in die Hände der Richter gelegt.

Der 59 Jahre alte Sohn der Ermordeten sagte am Rande des Prozesses, es sei schwierig mit Ungewissheit umzugehen. Die rohe Gewalt gegenüber der Mutter mache fassungslos. 


Auf Senioren spezialisiert

Während der Urteilsverkündung ging der Vorsitzende Richter Urban Ruppert auf frühere Taten der Angeklagten ein, die im Gerichtssaal Fußfesseln tragen. Demnach gehörten sie einer Bande von Einbrechern und Trickbetrügern an, die es auf ältere und wehrlose Menschen abgesehen hatte. Auch das Mordopfer hatten sie zunächst ausspioniert. 

In der Nacht zum 19. Mai sind die Männer von Mannheim nach Landau gefahren. Nachdem man über das Hoftor geklettert sei, habe man am Rollladen geklopft, den das Opfer schließlich hochgezogen habe. Der 30-Jährige habe die Frau in den Schwitzkasten genommen, dann seien die Männer eingestiegen.

Der 25 Jahre alte Angeklagte räumte ein, er habe der am Boden liegenden Frau einen Ring vom Finger gezogen: "Die alte Dame hat das nicht gewollt, sie hat sich gewehrt, da habe ich zweimal getreten", sagt er zu Prozessbeginn. Töten habe er sie nicht wollen. Am vorletzten Prozesstag - Plädoyers waren gehalten - entschuldigte er sich. 


Zahl der Einbrüche steigt

"Das nehme ich ihm nicht ab. Ich glaube, er hat es gesagt, weil er auf einen Vorteil hoffte", sagte der Sohn der Toten. Loslassen werde ihn der schreckliche Tod der Mutter aber nicht mehr. Da helfe auch die Bestrafung der Täter nicht.

Die wachsende Zahl der Einbrüche hatte in den vergangenen Monaten die öffentliche Debatte in Deutschland stark beschäftigt. Versuchte und vollendete Wohnungseinbrüche hatten zuletzt kontinuierlich zugenommen - von 108 284 registrierten Fällen im Jahr 2008 auf 167 136 im Jahr 2015. Das entsprach einem Plus von rund 50 Prozent innerhalb von sieben Jahren. Die offizielle bundesweite Kriminalstatistik für das Jahr 2016 wird voraussichtlich im Frühjahr vorgestellt.