Rom
Soziales

Protest: Umstrittenes Schnellrestaurant am Vatikan spendet für Bedürftige

Dass der Vatikan seit Jahresbeginn Räume an McDonald's vermietet, stößt auf Protest.
Artikel drucken Artikel einbetten
Insgesamt 1.000 Essensrationen für Obdachlose wird die neue McDonald's-Filiale am Vatikan in den kommenden Wochen spenden Foto: epd
Insgesamt 1.000 Essensrationen für Obdachlose wird die neue McDonald's-Filiale am Vatikan in den kommenden Wochen spenden Foto: epd
Immer wenn von Rom aus Schnee auf den umliegenden Bergen zu sehen ist, geraten die Obdachlosen, die rund um den Vatikan bei klirrender Kälte im Freien übernachten, in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Um sie während der Kältewelle unterstützen zu können, klopfte die Hilfsorganisation Medicina solidale, die im Auftrag des päpstlichen Almosenamts ärztliche Hilfe leistet, bei der neuen und stark umstrittenen McDonald's-Filiale am Vatikan um Spenden an.

Wenige Tage, nachdem das Schnellrestaurant in einem Gebäude im Besitz des Vatikans seine Tore geöffnet hat, holt an diesem Montag ein weißer Lieferwagen ohne Aufschrift die erste schwarze Thermo-Kiste und zwei Tüten mit McDonald's-Aufschrift aus dem Lokal. Der Inhalt soll an Bedürftige in der Umgebung und gegenüber vom Gefängnis Regina Coeli, das in der Nähe liegt, verteilt werden.

"Schande", schreit dazu der ehemalige Bürgermeisterkandidat des rechtsextremen Comitato Patria, Alfredo Iorio, auf der Straße vor dem Fastfood-Lokal und schert sich nicht um das wütende Hupkonzert der Autofahrer. "Die einzigen beiden Obdachlosen hier waren eine Holländerin und ein Ex-Pilot", sagt der aufgebrachte Politiker und weist empört auf die Schaufenster des neuen Schnellrestaurants. Die Betreiber des Lokals hätten die beiden aber mit Hilfe der Polizei vertrieben. Unter den Arkaden des Petersdoms hausen indes weiterhin Obdachlose, die ein paar Decken und Kartons nicht vor der Kälte schützen.

Auch der linke Literaturwissenschaftler Alberto Asor Rosa hatte gegen die neue McDonald's-Filiale geschimpft. Und auch der emeritierte Präsident der päpstlichen Akademie für das Leben, Kardinal Elio Sgreccia, für den die Vermietung der Räume gegen moralische Prinzipien verstößt.

Die Frau, die die Cheeseburger ohne Ketchup aber mit orangefarbenem Käse, eine Plastiktüte mit Apfelschnitzen und eine Wasserflasche pro Person in einem kleinen Raum schräg gegenüber vom Gefängnis verteilt, interessiert sich nicht für die Kritik. "Sie haben uns gesagt, McDonald's spendet Brötchen, willst Du sie verteilen?", erzählt Angela Iannace. Im Hinterzimmer untersucht ein Arzt unentgeltlich Bedürftige, die nicht in das staatliche italienische Gesundheitssystem passen.

Heiligenfiguren, eine Ecke mit gebrauchter Kleidung, Nippes, Lesebrillen auf einem Ständer, Kinderspielzeug und eine Bücherecke verleihen dem kleinen Raum neben einer Kirche etwas Heimeliges. Anders als in Italien üblich bilden die Bedürftigen eine geordnete Schlange, um einen Cheeseburger zu erhalten.


1.000 Essensrationen wird das Fastfoodrestaurant in den kommenden Wochen spenden.

"Sie interessieren sich für die Leute, die Probleme haben", sagt Pierfranesco Spiga, einer der wenigen Italiener, mit einem angebissenen Cheeseburger in der Hand. "Das müssten auch andere Konzerne tun", sagt der ehemalige Gärtner, der vor einigen Jahren seine Arbeit verlor und nun in einem Nachtasyl schläft. Von Hilfsorganisationen, die Bedürftigen in Rom mit staatlichen Geldern helfen, hält er nichts. Für sie sei die Armut doch nur ein Geschäft, an dem sie saftig verdienten.

Tudor Lungu aus Rumänien findet die Spendenaktion gut, aber nicht ausreichend. "Ohne Empfehlung findest Du keine Arbeit, wenn Du dick und zahnlos bist wie ich", sagt er mit resignierten Lächeln. "Ich bin seit zwanzig Jahren tot", fasst er seine Geschichte als Obdachloser zusammen.


Zehntausenden Euro Miete pro Monat soll für Bedürftige investiert werden

Dass die internationale Aufmerksamkeit für die Spendenaktion kostengünstige Werbung für McDonald's ist, ist für die Obdachlosen hier irrelevant. Dass der Vatikan mit der Vermietung der Räume zu Marktpreisen an einem Ort mitten im Touristenstrom der Stadt viel Geld verdient, regt niemanden auf. Eine Suppenküche am selben Ort, wie Kritiker vorgeschlagen hatten, hätte Geld gekostet und nichts eingebracht. Die Zehntausenden Euro Miete pro Monat könnte der Vatikan in Hilfe für Bedürftige investieren. Wohin die Einnahmen fließen, ist bislang jedoch nicht bekannt.