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Postbank bittet zur Kasse: Viele Kunden müssen für Girokonto zahlen

Das bisher kostenlose Girokonto der Postbank kostet künftig Geld. Doch auch bei noch gebührenfreien Konten sollten Kunden genau hinschauen.
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Viele Kunden der Postbank müssen künftig für ihr Girokonto Geld bezahlen. Foto: Franz-Peter Tschauner/dpa
Viele Kunden der Postbank müssen künftig für ihr Girokonto Geld bezahlen. Foto: Franz-Peter Tschauner/dpa
Viele Kunden der Postbank müssen künftig für ihr Girokonto Geld bezahlen. Die größte Privatkundenbank Deutschlands kündigte am Freitag zum 1. November 2016 eine Neuausrichtung ihrer Kontolandschaft und ein verändertes Preismodell an. Hintergrund sind die anhaltend niedrigen Zinsen, die auf die Ergebnisse drücken. Das Marktumfeld mache es immer schwerer, mit dem Girokonto Geld zu verdienen, begründete Postbank-Vorstand Susanne Klöß den Schritt. In den vergangenen Monaten hatten bereits einige Banken und Sparkassen Gebühren erhöht.


Monatliche Grundgebühr von 1,90 Euro für Online-Konten

Erstmals führt die Postbank nun ein Online-Konto mit einer monatlichen Grundgebühr von 1,90 Euro ein. Ein flexibles Konto mit einem Entgelt von 3,90 Euro gibt es für Kunden, die ihre Bankgeschäft sowohl online als auch in Filialen abwickeln wollen. "Es wird bei uns aber nach wie vor ein kostenloses Girokonto geben", sagte Klöß der Deutschen Presse-Agentur. So bleibt für junge Kunden die Kontoführung ebenso kostenlos wie für Kunden im Komfortkonto und mit einem Geldeingang von mindestens 3000 Euro monatlich. Wer diese Grenze nicht erreicht, aber das "Sorglos-Paket" bucht, zahlt 9,90 Euro pro Monat.

Abgeschafft in der neuen Konto-Struktur der Postbank wird der monatliche Mindesteingang von 1000 Euro, ab dem die Kontoführung bislang gratis gestellt worden war. Postbankkunden, die diese Grenze nicht erreichten, mussten bislang 5,90 Euro zahlen. "Wir werden künftig deshalb eine große Anzahl von Kunden haben, die weniger für die Kontoführung bezahlen", betonte Klöß.

Die Postbank, derzeit noch eine Tochterfirma der Deutschen Bank und auf dem Sprung an die Börse, hatte vor knapp 20 Jahren erstmals Gratis-Girokonten eingeführt. Das Institut und ihre Tochterfirmen zählen über 14 Millionen Kunden, davon unterhalten mehr als 5 Millionen ein Girokonto.


Niedrigzinspolitik der EZB reicht nicht für Quersubventionierung

Die Kontoführung sei immer schon eine Dienstleistung der Bank gewesen, doch durch die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sei ihr die Möglichkeit der Quersubventionierung genommen worden, sagte die Postbankmanagerin weiter. Die Niedrigzinspolitik der EZB hat Banken und Sparkassen in die Bredouille gebracht. Der Leitzins liegt inzwischen bei null Prozent. Parken Banken Geld bei der Notenbank, müssen sie außerdem 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen.


Tipp: Bei Gratis-Girokonto genau auf Bedingungen und Nebenkosten achten

Auf Girokonten herrscht oft viel Bewegung: Es wird Geld eingezahlt und abgehoben, überwiesen und per Lastschrift eingezogen. Diesen Service lassen sich viele Banken und Sparkassen bezahlen. Allerdings gibt es auch Anbieter, die damit werben, für das Girokonto keine Gebühren zu verlangen. Solche Gratis-Angebote sollten Kunden jedoch stets genau hinterfragen, rät Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen. Einige Anbieter meinen mit einem kostenlosen Girokonto "null Euro Kontoführungsgebühren". Das heißt aber nicht unbedingt, dass keine Gebühren zum Beispiel für die Kreditkarte, für das Einrichten von Daueraufträgen oder für das Geldabheben im Ausland anfallen. Es komme immer auf das Gesamtpaket an, sagt auch Julia Topar vom Bundesverband deutscher Banken.

Vergleichen lohnt sich also: "Wer seine Bankverbindung zu einem günstigeren Geldinstitut verlagert, kann mitunter eine dreistellige Summe im Jahr sparen", erklärt Oelmann. Kosten beim Girokonto entstehen zum Beispiel bei der Jahres- oder Grundgebühr, außerdem jährlich für eine Kreditkarte oder für Überweisungen.

Häufig sind es sogenannte Direktbanken, die gute Konditionen für ein Girokonto anbieten. Neben kostenloser Kontoführung gibt es oft auch eine Kreditkarte zum Nulltarif. Allerdings fühlt sich nicht jeder Kunde bei einer Direktbank gut aufgehoben. Denn bei Direktbanken lassen sich Überweisungen, Lastschriftvorgänge und Daueraufträge nur online oder telefonisch organisieren. Filialen, in denen Kunden mit einem Bankberater persönlich und unmittelbar Kontakt aufnehmen können, gibt es nicht. Wer als Direktbankkunde Geld von seinem Girokonto abheben will, ist auf Geldautomaten von Filialbanken angewiesen, mit denen die Direktbank kooperiert. Hierfür fallen oft Gebühren an, die je nach Direktbank unterschiedlich hoch sein können.

Manche Kunden zieht es deshalb eher in eine Filialbank in ihrer Wohnortnähe - vor allem wegen des persönlichen Services dort. Doch für die Geldinstitute sind solche Filialen recht kostenintensiv - und das bei sinkenden Erträgen nicht zuletzt aufgrund der historisch niedrigen Zinsen. "Das zwingt die Banken, gründlich zu prüfen, wie sie profitabel bleiben können", erklärt Julia Topar. Auch diese Entwicklung ist einer der Gründe, warum immer mehr Geldinstitute neue Preismodelle für Girokonten einführen - so wie jetzt die Postbank.

Für ihre Gratis-Konten stellen einige Banken auch Bedingungen. "So müssen Neukunden bei den meisten Sparda-Banken einen einmaligen Genossenschaftsanteil von in der Regel 52 Euro zahlen", sagt Kerstin Backofen von der Stiftung Warentest. Der Anteil wird dann verzinst. Die Commerzbank macht zur Bedingung, dass der Kunde einen Geldeingang von mindestens 1200 Euro im Monat auf dem Konto hat. Bei der Postbank gibt es das kostenlose Girokonto künftig nur noch für junge Leute und für Kunden mit einem Geldeingang von monatlich 3000 Euro und mehr.

Wer trotz Kontoführungsgebühren bei seiner bisherigen Bank oder Sparkasse bleiben möchte, sollte sich erkundigen, ob sie auch ein Kontomodell mit günstigeren Konditionen im Angebot hat. "Frauen und Männer mit geringem Einkommen haben es in der Regel besonders schwer, ein günstiges oder kostenloses Girokonto zu finden", weiß Verbraucherschützerin Oelmann.

Fällt die Entscheidung für einen Wechsel, dann heißt es, die Daueraufträge auf dem alten Girokonto zu löschen und auf dem neuen einzurichten. Alle, die regelmäßig auf das Konto einzahlen oder per Lastschrift abbuchen, müssen über die neue Bankverbindung informiert werden - also zum Beispiel der Arbeitgeber, die Rentenversicherung, Stromanbieter, Vermieter und Versicherungen. "Kunden sollten die Bank dabei um Unterstützung bitten", rät Oelmann. Sinnvoll ist es nach ihren Angaben, das alte Konto für eine Übergangsfrist von etwa drei Monaten parallel zum neuen Konto weiterzuführen. Danach kann das alte Girokonto gekündigt werden - in der Regel ohne Kündigungsfrist.

Grundsätzlich empfiehlt Warentesterin Kerstin Backofen, nicht nur auf den Preis zu schauen - "wichtig ist auch, dass man ohne große Umwege kostenlos an Bargeld kommt". An Automaten der eigenen Bank oder des Bankenverbunds, zu dem sie gehört, ist das problemlos möglich. Dagegen kann das Geldabheben außerhalb des Automatenverbunds teuer werden. "Jede Abhebung von einem fremden Geldautomaten kann bis zu acht Euro kosten", sagt Backofen. "Da kann der Preisvorteil eines kostenlosen Girokontos schnell verpuffen."