Die Bundeswehr hat am Sonntag mit der Verlegung von "Patriot"-Abwehrraketen in die Türkei begonnen. Fünf Kolonnen mit jeweils gut 20 Fahrzeugen fuhren von Sanitz und Warbelow östlich von Rostock nach Lübeck-Travemünde, wie ein Sprecher des Flugabwehrraketengeschwaders 2 der Nachrichtenagentur dpa sagte. Die Waffentechnik soll dort am Dienstag auf ein Schiff der dänischen Reederei DFDS verladen werden.

Die "Suecia Seaways" wird nach Angaben der Bundeswehr voraussichtlich am 21. Januar den türkischen Hafen Iskenderun erreichen und insgesamt 300 Militärfahrzeuge und 130 Container an Bord haben. Geplant ist, dass die Einheit mit rund 170 Soldaten des Geschwaders Anfang Februar in der Türkei einsatzbereit ist.
Ein etwa 20 Mann starkes Vorauskommando soll am Dienstag von Eindhoven zusammen mit niederländischen Kameraden nach Incirlik in der Türkei fliegen, wie ein Sprecher der Luftwaffe am Sonntag sagte.

Zum deutschen Kontingent gehören insgesamt bis zu 350 Soldaten, darunter auch 20 aus Husum in Schleswig-Holstein. Es wird von Oberst Marcus Ellermann, dem Kommodore des Flugabwehrraketengeschwaders 1 "Schleswig-Holstein", geleitet. Es soll gemeinsam mit Raketenabwehrspezialisten aus den USA und den Niederlanden den Nato-Partner Türkei vor Angriffen aus dem Bürgerkriegsland Syrien schützen.

Die Nato betonte, dass die Stationierung nur der Verteidigung diene. Ziel sei es, jegliche Bedrohung von der Türkei abzuwenden und die Krise an der südöstlichen Grenze der Nato zu entschärfen.

Deutschland stationiert seine Raketen in Kahramanmaras, etwa 100 Kilometer von der Grenze zu Syrien entfernt. Es ist für die deutschen "Patriot"-Staffeln nach zahlreichen Übungsmanövern, unter anderem auf Kreta, der erste reale Einsatz. Der Bundestag hatte Mitte Dezember die Entsendung der Waffensysteme mit großer Mehrheit beschlossen. Das Mandat ist zunächst bis Februar 2014 begrenzt. Die Kosten beziffert die Bundesregierung auf etwa 25 Millionen Euro.

Das linksgerichtete Rostocker Friedensbündnis kritisierte die Entsendung der Abwehrraketen. "Der nächste Krieg wird vorbereitet", hieß es am Sonntag in einem offenen Brief. dpa