Bamberg

Neuer Polizeipräsident für Oberfranken

Alfons Schieder wird ab 1. April Chef von 2700 Mitarbeitern. Im Interview spricht er über seine Aufgaben und Erwartungen als Polizeipräsident.
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Nach seiner Funktion als Leiter der Polizeiinspektion Nürnberg-Mitte von 2011 bis 2015 wurde Alfons Schieder Vizepräsident der Bayerischen Bereitschaftspolizei in Bamberg. Seinen Dienstsitz kann er als Polizeipräsident Oberfrankens beibehalten. Foto: Matthias Hoch
Nach seiner Funktion als Leiter der Polizeiinspektion Nürnberg-Mitte von 2011 bis 2015 wurde Alfons Schieder Vizepräsident der Bayerischen Bereitschaftspolizei in Bamberg. Seinen Dienstsitz kann er als Polizeipräsident Oberfrankens beibehalten. Foto: Matthias Hoch
Ab 1. April wird er Chef von 2700 Mitarbeitern: Alfons Schieder ist der neue Polizeipräsident Oberfrankens. Vor seiner Amtseinführung am Freitag, 24. März, in Bayreuth sprach der bisherige Vizepräsident der Bayerischen Bereitschaftspolizei im Interview mit inFranken.de über seine neuen Aufgaben.

Der Alte Alfons Schieder tritt am 1. April die Nachfolge von Reinhard Kunkel an, der seit Oktober 2010 Polizeipräsident Oberfrankens war. Der 61-Jährige geht nach über 40 Dienstjahren bei der Polizei in den Ruhestand und wird am 24. März in Bayreuth von Bayerns Innenminister Joachim Hermann verabschiedet.

Der Neue Gleichzeitig wird am 24. März Alfons Schieder als neuer Polizeipräsident Oberfrankens eingeführt. Für das Amt wurde er von Innenminister Hermann vorgeschlagen, der Schieder als "Idealbesetzung" und einen "Mann der Tat" bezeichnet. Er wird Chef von etwa 2700 Mitarbeitern der oberfränkischen Polizei, die für die Sicherheit von mehr als einer Million Bürger auf einer Fläche von 7200 Quadratkilometern zuständig ist.

Laufbahn Alfons Schieder ist 50 Jahre alt, verheiratet und zweifacher Familienvater. Er trat 1985 in den Polizeidienst ein. Nach seiner Ausbildung war er mehrfach im Innenministerium eingesetzt, studierte Jura und bekleidete zunehmend Führungspositionen in Schweinfurt, Bamberg und Nürnberg. Schieder arbeitete unter anderem an der Reform der Polizeiorganisation mit und war Teilprojektleiter für die neue Polizeiuniform.


Das Interview

Was wird sich für Sie ändern in der neuen Position? Sie können ja damit rechnen, jetzt noch mehr arbeiten und Termine absolvieren zu müssen als bisher. Oder hat auch ein Polizeipräsident feste Arbeitszeiten?
Ich war ja bisher schon als Vizepräsident mit Behördenleitungsaufgaben betraut. Aber die Position an der Spitze eines Präsidiums ist deutlich exponierter als die des Vertreters. Insofern werden vor allem Repräsentationstermine zunehmen. Die zeitliche Belastung wird beachtlich sein, davon gehe ich aus. Aber wenn man so ein Amt ausüben darf, schaut man nicht ständig auf die Uhr.

Haben Sie mit Ihrer Familie darüber gesprochen, ob Sie das neue Amt annehmen sollen oder ist das gar keine Diskussion, weil man im Leben nur einmal Polizeipräsident wird? Und in der Konsequenz: Wie sieht es mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus?
Natürlich diskutiert man berufliche Entscheidungen daheim. Aber ernsthaft gestellt hat sich weniger die Frage des ,ob', sondern die des ,wie'. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird in dem Amt sicher nicht immer leicht fallen, aber da geht es mir nicht anders als vielen Beschäftigten. Mit etwas Kreativität und Disziplin sollte es trotzdem gelingen. Und meine Familie ist es gewohnt, dass ich unsichere Arbeitszeiten habe und viel unterwegs bin.

Sicher kann man davon ausgehen, dass Sie sich als Polizist und als Polizeipräsident sowieso immer korrekt verhalten. Oder haben Sie auch schon mal zum Beispiel einen Punkt in Flensburg kassiert?
Polizisten sind auch nur Menschen, keine Heiligen. Andererseits hängt ihre berufliche Glaubwürdigkeit natürlich im hohen Maße davon ab, ob und inwieweit sie sich selbst korrekt verhalten. Einen Punkt in Flensburg habe ich tatsächlich vor vielen Jahren kassiert, weil ich auf der Autobahn zu schnell war.

Wie stellt man sich als Bürger die Aufgaben eines Polizeipräsidenten vor? Kann man sich für dieses Amt bewerben?
Man ist Behördenleiter. Das heißt, man hat Verantwortung für Personal und für einen Sachhaushalt. Man trägt vor allem natürlich Verantwortung für die Bewältigung des Einsatzgeschehens und muss gerade in diesem Amt auch für eine angemessene Repräsentation der Mitarbeiter nach außen sorgen. In Bayern können Sie sich für so ein Amt nicht bewerben, bei uns entscheidet der Ministerrat auf Vorschlag des Innenministers.

Sie werden Chef von etwa 2700 Mitarbeitern. Werden diese den Präsidenten im Alltag auch mal persönlich zu Gesicht bekommen?
Ich habe nicht vor, mich in meinem Büro zu verbarrikadieren. Der Kontakt zur Basis ist mir wichtig.

Apropos - 2700 Mitarbeiter hört sich nach einer großen Masse an. Hat die Polizei genug Personal?
Dem Grunde nach gilt der Satz: je mehr Polizeipräsenz, desto sicherer. Andererseits ist die Sicherheitslage in Oberfranken ausgezeichnet. Bevor man nach mehr Personal ruft, sollte man sich außerdem die Frage stellen, ob das vorhandene Personal optimal verteilt ist.

Welche Aufgaben liegen aktuell vor Ihnen, was steht konkret an?
Lassen Sie mich erst einmal in Oberfranken ankommen und mir einen Überblick verschaffen. Schnellschüsse wird es sicher nicht geben.

Was würden Sie einem jungen Menschen empfehlen, der Polizist werden möchte? Welche Eigenschaften sollte man für diesen Beruf mitbringen?
Wer belastbar, flexibel, sportlich und kommunikativ ist und wer über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn verfügt, der findet bei der Polizei viele spannende interessante und vor allem sinnstiftende Tätigkeiten. Davon bin ich überzeugt.

Wie sieht es mit den Arbeitszeiten von Polizisten und dem Verdienst aus?
Arbeitszeiten gerade im Schichtdienst und in den Einsatzeinheiten sind sicher belastend.Allerdings erlebt man gerade auch dort beruflich sehr, sehr viel. Und der Verdienst ist der eines Beamten - man wird nicht reich, aber man ist abgesichert.

Was war Ihr schlimmstes Erlebnis als Polizist, was möchten Sie nie mehr erleben?
Es gibt kein schlimmstes Erlebnis. Auf die Nennung von Beispielen würde ich gerne verzichten, aber niemand sieht gern menschliches Leid, niemand sieht gerne Leichen, niemand überbringt gerne Todesnachrichten. Aber es gibt Gottseidank kein Ereignis in meiner bisherigen beruflichen Laufbahn, das ich im weitesten Sinne traumatisierend wahrgenommen habe.

Gibt es auch ein schönstes Erlebnis?
Es gibt immer eine gefühlte Zufriedenheit, wenn ein Einsatz gut verlaufen ist, wenn man einen erfolgreichen Aufgriff hatte, wenn ein Projekt positiv abgeschlossen werden konnte. Aber herausheben kann ich da kein spezifisches Ereignis. Es sind viele Erlebnisse, die den Beruf in der Summe zu einem sehr sinnvollen machen.

Wo haben Sie selbst als Polizist schon einmal die Augen zugedrückt? Wo würde der Spaß definitiv aufhören und was würden Sie niemals durchgehen lassen?
Die Gesetze differenzieren sehr hilfreich. Im Rahmen der Gefahrenabwehr und der Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten gibt es Ermessensspielräume. Bei Straftaten, etwa nach dem Strafgesetzbuch, dem Betäubungsmittelgesetz oder dem Waffenrecht dagegen hört der Spaß definitiv auf. Die grundsätzliche Frage ist, ob kriminelle Energie zugrunde liegt oder nicht.

Ist die Polizeiarbeit heute eine andere als zu Beginn Ihrer Laufbahn? Was hat sich geändert?
Selbstverständlich hat sich die Polizei in den letzten 30 Jahren gewandelt und weiter entwickelt. Sie ist moderner, professioneller und vielfältiger geworden.

Warum wollten Sie zur Polizei? Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?
Eigentlich hat es mich ganz zufällig zur Polizei verschlagen, weil ich nach dem Abitur ein paar Freunde auf ihrem Weg zum polizeilichen Einstellungsberater begleitet habe. Ich bin dann als einziger genommen worden. Meine Erwartungen wurden voll erfüllt.

Was ist für Sie der Kern der Polizeiarbeit?
Kern der Polizeiarbeit ist die Herstellung von objektiver wie subjektiver Sicherheit. Sicherheit ist die Basis für eine stabile Gesellschaft zum einen und für persönliche Lebensqualität zum anderen.

Erst gestern berichtete diese Zeitung über die auffälligsten Ergebnisse der Kriminalstatistiken in Franken. Gibt es für Ihre zukünftige Aufgabe in Oberfranken Deliktsbereiche, die Sie besonders im Fokus haben?
In Oberfranken haben Wohnungseinbrüche und Diebstahlsdelikte leicht abgenommen, problematisch ist aber die Anzahl der zugenommenen Rohheits- und Rauschgiftdelikte. Andererseits ist eine Aufklärungsquote von fast 74 Prozent der Gesamtstraftaten außerordentlich gut. Wir haben in Oberfranken die Grenznähe, was das Thema Crystal Meth befeuert. Aber Drogendelikte steigen in Bayern insgesamt.

Zum Abschluss eine allgemeine Frage, die aber für den Einzelnen lebenswichtig sein kann: Wenn ich Hilfe brauche, wie schnell ist dann die Polizei vor Ort?
Bei der Polizei gibt es zwar anders als im Rettungsdienst keine Hilfsfrist, aber wir sind so schnell es geht vor Ort. Das ist unsere zentrale Aufgabe.

Das Gespräch führte unser Redaktionsmitglied Irmtraud Fenn-Nebel.