London
Ermittlungen

Anschlag in London: Täter stammte aus Großbritannien

Nach dem Anschlag in London laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Die Behörden gehen von einem Anschlag mit islamistischem Hintergrund aus.
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Hunderte Ermittler seien im Einsatz, die sich auf das Motiv, die Vorbereitungen und mögliche Komplizen des Mannes fokussierten. Foto: Lauren Hurley/PA Wire/dpa
Hunderte Ermittler seien im Einsatz, die sich auf das Motiv, die Vorbereitungen und mögliche Komplizen des Mannes fokussierten. Foto: Lauren Hurley/PA Wire/dpa
Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Terroranschlag in London für sich beansprucht. Ein "Soldat" des IS habe die Operation ausgeführt, meldete das IS-Sprachrohr Amak am Donnerstag über das Internet unter Berufung auf nicht näher genannte Kreise der Extremisten. Der Angreifer sei damit Aufrufen gefolgt, Bewohner von Staaten der internationalen Koalition anzugreifen. Die Echtheit der Nachricht ließ sich zunächst nicht überprüfen. Sie wurde aber über die üblichen IS-Kanäle verbreitet. Auf diesem Weg hatten sich die Extremisten auch zu anderen Attentaten in Europa bekannt.


Update: 12.57 Uhr

Beim Terroranschlag in London ist auch ein Deutscher verletzt worden. Das berichtete die britische Premierministerin Theresa May am Donnerstag im Parlament. Der Attentäter sei in Großbritannien geboren. Gegen ihn ist laut May bereits vor einigen Jahren ermittelt worden: "gewalttätiger Extremismus" lautete der Vorwurf.

Zu den Verletzten zählen neben dem Deutschen zwölf Briten, drei Franzosen, zwei Rumänen, vier Südkoreaner, ein Pole, ein Ire, ein Chinese, ein Italiener, ein Amerikaner und zwei Griechen. "Wir stehen im engen Kontakt mit den Regierungen der betroffenen Länder."

Auch drei Polizisten seien verletzt worden, sagte May weiter. Ein Polizist wurde von dem Angreifer mit einem Messer getötet. Es handele sich um einen 48-jährigen Familienvater. Nach Medienberichten soll der Polizist unbewaffnet gewesen sein.

Nach dem Terroranschlag von London hat die Polizei sieben Personen festgenommen. Das teilte Scotland Yard am Donnerstag mit. Zuvor seien insgesamt sechs Wohnungen in London, Birmingham und anderen Orten durchsucht worden. Die Polizei korrigierte die Zahl der Toten von fünf auf vier, etwa 40 Menschen wurden verletzt. Auch ein Deutscher ist bei dem Terroranschlag in London verletzt worden. Das sagte die britische Premierministerin Theresa May am Donnerstag im Parlament.

Die Ermittlungen zum Motiv des Attentäters laufen derweil auf Hochtouren. Der Täter hatte zunächst Menschen auf der Westminster-Brücke nahe dem Parlament mit einem Auto umgefahren. Anschließend verletzte er einen Polizisten mit einem Messer tödlich, bevor er selbst erschossen wurde.

Scotland Yard erklärte, dass die Identität des Attentäters geklärt sei. "Wir gehen davon aus, dass er vom internationalen Terrorismus inspiriert wurde", sagte ein Polizeisprecher am späten Mittwochabend. Weitere Details wollte er zunächst nicht nennen. Es soll sich um einen Einzeltäter gehandelt haben. Hunderte Ermittler seien im Einsatz, die sich auf das Motiv, die Vorbereitungen und mögliche Komplizen des Mannes fokussierten.


Anschlag mit islamistischem Hintergrund

Der Terrorismusexperte Peter Neumann vom Londoner King's College sagte der Deutschen Presse-Agentur, er gehe von einem Anschlag mit islamistischem Hintergrund aus. "Das ist genau die Art von Anschlag, die der IS promotet und anstiften will", sagte Neumann. Ob eine Verbindung zur Terrormiliz IS tatsächlich gegeben sei, bleibe aber abzuwarten.
Bei den Opfern des Anschlags handelt es sich um den Polizisten, einen 48-jährigen Familienvater sowie drei Passanten. Auch am späten Abend war das Areal um das Parlament in London noch weiträumig abgesperrt. Auch Hubschrauber kreisten noch über dem Regierungsviertel. Der Anschlag von London wurde auf den Tag genau ein Jahr nach den Terrorattacken von Brüssel verübt, bei denen islamistische Selbstmordattentäter 32 Menschen mit sich in den Tod gerissen und mehr als 300 weitere verletzt hatten.


Merkel spricht Anteilnahme aus

Bundeskanzlerin Angela Merkel telefonierte am späten Abend mit der britischen Premierministerin Theresa May und sprach ihr und allen Briten ihre Anteilnahme aus, wie Regierungssprecher Steffen Seibert per Twitter mitteilte. Gleich nach dem Anschlag hatte Merkel erklärt, dass Deutschland im Kampf gegen jede Form von Terrorismus "fest und entschlossen an der Seite Großbritanniens" stehe. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte: "In diesen Stunden sind wir Deutsche dem britischen Volk in besonderer Weise verbunden."

Premierministerin May kündigte nach einer Sitzung mit ihrem Sicherheitskabinett am Mittwochabend an, dass die Terrorwarnstufe trotz des Anschlags nicht erhöht wird. Den Anschlag bezeichnete sie als "krank und verkommen". Das Leben werde wie gewohnt weitergehen. "Morgen früh wird das Parlament zusammentreten wie immer." Nach der aktuellen Warnstufe in Großbritannien gilt ein Anschlag bereits als "sehr wahrscheinlich".


Rund 40 Verletzte

Vier Mitglieder einer Studentengruppe der englischen Universität von Edge Hill in Lancashire und drei französische Schulkinder gehören zu den insgesamt rund 40 Verletzten. Der von dem Angreifer erstochene Polizist ist ein 48-jähriger Ehemann und Vater. Der Staatssekretär des Außenministeriums, Tobias Ellwood, hatte noch verzweifelt versucht, durch Mund-zu-Mund-Beatmung das Leben des Polizisten zu retten. Ellwood hatte nach Medienberichten vom Donnerstag seinen Bruder bei einem Bombenanschlag auf Bali verloren.

Auch fünf Touristen aus Südkorea sowie zwei Besucher aus Rumänien sind bei dem Anschlag am Mittwoch verletzt worden. Eine Frau, die bei dem Angriff von der Brücke in die Themse gefallen war, fanden Rettungskräfte stark blutend im Wasser. Sie wurde schwerst verletzt ins Krankenhaus gebracht. Insgesamt starben fünf Menschen.


Polizei sucht Zeugen


Die Polizei rief Zeugen auf, Filmaufnahmen und Fotos an die Ermittler zu senden. Zugleich bat sie Augenzeugen um Zurückhaltung. Sie sollten keine Bilder und Videos von Verletzten in Umlauf bringen. Beim letzten Terroranschlag in London hatten im Juli 2005 vier Muslime mit britischem Pass in der Londoner U-Bahn und einem Bus Sprengsätze gezündet. 56 Menschen starben, etwa 700 wurden verletzt.