Frankfurt am Main

Lufthansa gibt vor Gericht nach: Pilotenstreiks gehen am Dienstag weiter

Die Pilotenstreiks bei der Lufthansa gehen nach einer Streikpause endgültig in die zweite Woche. Streiks über Mittwoch hinaus sind möglich.
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Ein Flugreisender steht am 25. November 2016 im Terminal 1 des Flughafens von Frankfurt am Main vor einem Monitor, der annullierte Flüge anzeigt. Foto: dpa
Ein Flugreisender steht am 25. November 2016 im Terminal 1 des Flughafens von Frankfurt am Main vor einem Monitor, der annullierte Flüge anzeigt. Foto: dpa
Lufthansa gab am Montagabend ihren Versuch auf, die Ausstände noch vor Gericht stoppen zu wollen. So macht der Streik der Lufthansa-Piloten der Fluggesellschaft und ihren Passagieren weiter zu schaffen. Nachdem das Arbeitsgericht München den Antrag auf eine Untersagung des Streiks bereits abgewiesen hatte, zog die Lufthansa ihre Beschwerde gegen die Entscheidung vor dem Landesarbeitsgericht zurück. Ab Dienstag sind damit erneut Zehntausende Passagiere von Flugausfällen betroffen.

Am Dienstag würden 816 Flüge auf der Kurzstrecke mit 82.000 Reisenden gestrichen, teilte Lufthansa mit. Es gehe um Flüge, die von Deutschland aus starten. Knapp 2200 Verbindungen könnten stattfinden. Am Mittwoch würden zudem 890 Verbindungen mit 98.000 Passagieren ausfallen. Dann werde auch auf der Langstrecke gestreikt. Flüge der Töchter Eurowings und Germanwings sowie der Konzerngesellschaften AUA, Swiss, Brussels und Air Dolomiti würden erneut nicht bestreikt.



München stark betroffen

Auch in München musste die Lufthansa jeweils 380 Flüge für Dienstag und Mittwoch streichen, wie eine Unternehmenssprecherin sagte. "Die Sonderflugpläne sind stabil." Der Flughafen Nürnberg war nur von einigen wenigen Ausfällen betroffen.

An dem von der Lufthansa genutzten Terminal zwei des Münchner Flughafens blieb es wegen des Ausstands am Dienstag wieder deutlich ruhiger als sonst. Die Lufthansa hatte die Passagiere, die ihre Kontaktdaten bei der Fluggesellschaft hinterlassen haben, erneut vorab per SMS und E-Mail über Flugausfälle informiert. Am Sonntag und Montag hatten die Piloten ihren Ausstand nach zuvor vier Streiktagen in Folge ausgesetzt.


Streiks über Mittwoch hinaus möglich

Lufthansa und die Vereinigung Cockpit streiten seit Jahren ums Geld. Die Gewerkschaft verlangt für die 5400 Piloten Tariferhöhungen von zusammen 22 Prozent über fünf Jahre bis April 2017. Auch danach sind Arbeitsniederlegungen möglich, betonte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). "Streiks über Mittwoch hinaus sind möglich", sagte ein Sprecher.

Konkret hatte Lufthansa kritisiert, dass die Forderung der VC, ab dem 13. Beschäftigungsjahr höhere Gehaltssteigerungen zu verlangen, gegen das allgemeine Gleichbehandlungsgebot verstoße. Jüngere Piloten würden diskriminiert.


Lufthansa zieht Beschwerde zurück

Lufthansa hatte einen Antrag auf einstweilige Verfügung beim Arbeitsgericht München eingereicht und erklärt, sie halte Teile der Lohnforderung der Piloten für rechtswidrig. Das Arbeitsgericht wies die Beschwerde jedoch ab. Daraufhin hatte Lufthansa mit dem Landesarbeitsgericht München die nächste Instanz angerufen. Doch dann zog sie ihre Beschwerde zurück.

"Die Lufthansa AG hat das Rechtsmittel gegen die Entscheidung des Arbeitsgerichts nach knapp eineinhalb Stunden Verhandlung zurückgenommen", teilte das Landesarbeitsgericht mit. Damit sei die Entscheidung des Arbeitsgerichts rechtskräftig. Eine genaue Begründung für den Rückzug lieferte die Lufthansa nicht. Eine Sprecherin sprach von "juristischen Gründen", die man nicht kommentieren wolle. Für die Fluggesellschaft ist es bereits die zweite juristische Niederlage. Bereits vergangene Woche hatte sie versucht, die Streiks der Piloten vor Gericht aufzuhalten, scheiterte aber vor zwei Frankfurter Arbeitsgerichten.

VC hatte am Sonntagabend nach ergebnislosen Gesprächen mit Lufthansa abermals zu Streiks aufgerufen. Ein Angebot des Konzerns lehnte sie als "nicht verhandlungsfähig" ab. Lufthansa hatte ein Gehaltsplus von 4,4 Prozent in zwei Stufen bis 2018, eine Einmalzahlung von 1,8 Monatsgehältern und Neueinstellungen vorgeschlagen. Die Pilotengewerkschaft verlangt für die 5400 Lufthansa-Piloten Tariferhöhungen von zusammen 22 Prozent über fünf Jahre bis April 2017.