Erlangen
Bürgerentscheid

Landesgartenschau in Erlangen: Ja oder Nein?

Am Sonntag haben die Erlanger die Wahl: Kommt die Gartenschau 2024? Oder kommt sie nicht?
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Um diese beiden Flächen neben dem Frankenschnellweg geht es. Hier soll nach Vorstellung der Stadt Erlangen auf einer Fläche von neun Hektar die Landesgartenschau 2024 stattfinden. Foto: Stadt Erlangen/HajoDietz
Um diese beiden Flächen neben dem Frankenschnellweg geht es. Hier soll nach Vorstellung der Stadt Erlangen auf einer Fläche von neun Hektar die Landesgartenschau 2024 stattfinden. Foto: Stadt Erlangen/HajoDietz
Braucht Erlangen eine Landesgartenschau? Für den jungen SPD-Oberbürgermeister Florian Janik ist das eigentlich gar keine Frage. Weil das Projekt seiner Meinung nach eine große Chance für die künftige Stadtentwicklung darstellt. Die Gegner des Projekts, die sich in einer Bürgerinitiative zusammengetan haben und ein erfolgreiches Bürgerbegehren zustande brachten, verweisen unter anderem auf eine Beeinträchtigung des Landschaftsschutzgebietes, auf Hochwassergefahren und ein unkalkulierbares Kostenrisiko als Gründe für ihren Vorbehalt. 2015 hatte der Erlanger Stadtrat beschlossen, sich für die Landsgartenschau 2014 zu bewerben. Der Zuschlag erfolgte ein Jahr später, man war der einzige Bewerber. Nachdem die Gegner des Projekts um Barbara Grille, Frank Höppel und die ÖDP innerhalb von nur neun Wochen 7500 Unterschriften für ihr Bürgerbegehren zusammenbekamen, wird am Sonntag in einem Bürgerentscheid endgültig darüber befunden, ob die Landesgartenschau nun nach Erlangen kommt oder nicht.

Auf das Ergebnis ist man nicht nur in Erlangen, sondern auch bei der Landesgartenschau GmbH, den Machern dieser Gartenschauen, sehr gespannt. Dies umso mehr, als den Planern bereits die Stadt Traunstein als ursprünglich vorgesehener Veranstalter für das Jahr 2022 via Bürgerentscheid eine Absage erteilt hat. Statt dessen wird nun Freyung 2022 Ausrichter einer kleinen Gartenschau sein.

Im Vorfeld der Erlanger Entscheidung hatte zur Erkundung der Stimmungslage in der Bevölkerung ein "Freundeskreis Pro LGS 2024" das Bamberger Michael Ehlers-Institut mit einer Umfrage beauftragt. Das Ergebnis spricht eine deutliche Sprache. 357 Erlanger hatte man am 28. April befragt, was sie von dem Projekt Landesgartenschau denn halten würden. Dabei hatten sich mit 67 Prozent zwei Drittel der Befragten gegen die Ausrichtung der Landesgartenschau 2024 ausgesprochen. Nur 33 Prozent plädierten für die Schau.

Frank Höppel von den Gegner der Landesgartenschau zeigt sich im Vorfeld des Entscheids denn auch zuversichtlich. "Wir sehen dem Bürgervotum am Sonntag mit großem Optimismus entgegen", gibt er sich gelassen. Viel zu verlieren haben die Landesgartenschaugegner ja auch nicht.
Für den Erlanger OB sieht das schon etwas anders aus. Janik will schließlich mit der Gartenschau quasi den Einstieg schaffen zur Realisierung eines neuen Stadtviertels namens "Regnitzstadt". Sozialer Wohnungsbau soll hier gefördert werden, der jetzige Busbahnhof in Richtung Arcaden verlegt werden. Anstelle des bisherigen Großparkplatzes plant man alternativ mit zwei großen Parkhäusern. Die Schaffung neuer Infrastruktur und eine gezielte Stadtentwicklung sind Janiks Ziele.

Die Projektgegner sehen das anders. Weil die Gartenschau den Regnitzgrund als Landschaftsschutzgebiet gefährde, mit der Verlegung des Busbahnhofs ein Verkehrschaos drohe und darüber hinaus den geplanten Kosten in Höhe von bislang 16 Millionen Euro gerade mal Fördergelder in Höhe von 3,6 Millionen Euro entgegenstünden. Bleibt abzuwarten, welchen Argumenten die Erlanger am Sonntag folgen werden.


Kommentar

Gartenschauen - nicht für alle attraktiv

Es wäre, wenn es überhaupt so weit kommt, in Erlangen eine der ganz kleinen Landesgartenschauen. Blumenzauber für sechs Monate auf gerade einmal neun Hektar Fläche, die auch noch vom Frankenschnellweg zerschnitten wird.

Zum Vergleich: In Bayreuth standen 2016 über 40 Hektar zur Verfügung. Die Größe allein ist es jedoch nicht, die viele Erlanger im Vorfeld des Bürgerentscheids umzutreiben scheint. In der nicht zuletzt durch die ICE-Baumaßnahmen eh schon arg strapazierten Stadt fürchten offenbar immer mehr Bürger den durch ein weiteres Großprojekt provozierten Verkehrsinfarkt. Inklusive des durch die Baumaßnahmen erneut zu erwartenden Lärms und Gestanks. In einer Stadt, in der die Bürger dank Siemens und der Universität in der Regel zu den Gut- und Besserverdienern gehören, nehmen öffentliche Fördergelder anscheinend auch nicht den gleichen Stellenwert ein, wie das in wirtschaftsschwächeren Regionen der Fall ist.

Das hat der noch junge Erlanger Oberbürgermeister eventuell nicht bedacht. Hinzu kommt ein auf Stadtentwicklung getrimmtes Konzept der Landesgartenschau-Planer, das nicht überall - vor allem nicht in bereits gut entwickelten Kommunen - auf Gegenliebe zu stoßen scheint. Die Erlanger stehen da nicht allein. Auch in Traunstein, hier sollte die Landesgartenschau 2022 stattfinden, zeigten die Bürger dem Projekt die rote Karte und lehnten die Gartenschau ab. In einer Art Notlösung reduzierte man auf eine kleine Gartenschau in Freyung.

Es gibt einige schöne Beispiele dafür, was Landesgartenschauen alles bewerkstelligen können. So konnten Kronach wie Bamberg alte Industriegebiete auf Vordermann bringen. In Erlangen sehen die Gartenschaugegner offenkundig jedoch mehr Nach- als Vorteile. Vielleicht kriselt aber auch der ganze Landesgartenschaugedanke. Bei der Bewerbung für 2024 blieb Erlangen der einzige Kandidat.
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