Bamberg
Kommentar

Kommentar zum Syrien-Konflikt: Zweifelhafte Zweckgemeinschaften

Die Tinte unter dem Marschbefehl für Tankflugzeug, Aufklärungs-Tornados und Sicherungs-Fregatte aus Deutschland für den Syrieneinsatz ist kaum trocken, schon schreiben westliche Politiker Konzepte für den Einsatz von Bodentruppen. Ein Kommentar von Frank Förtsch.
Artikel drucken Artikel einbetten
Fregatte "Ausburg": Mit 230 Marinesoldaten an Bord hat sich das deutsche Kriegsschiff dem französischen Marineverband um den Flugzeugträger "Charles de Gaulle" angeschlossen, um die Terrormiliz Islamischer Staat zu bekämpfen. Foto: Ingo Wagner, dpa
Fregatte "Ausburg": Mit 230 Marinesoldaten an Bord hat sich das deutsche Kriegsschiff dem französischen Marineverband um den Flugzeugträger "Charles de Gaulle" angeschlossen, um die Terrormiliz Islamischer Staat zu bekämpfen. Foto: Ingo Wagner, dpa
Die Tinte unter dem Marschbefehl für Tankflugzeug, Aufklärungs-Tornados und Sicherungs-Fregatte aus Deutschland für den Syrieneinsatz ist kaum trocken, schon schreiben westliche Politiker Konzepte für den Einsatz von Bodentruppen. Zwar steigen die Zahl und die Entschlossenheit der Staaten im Kampf gegen den IS. Von einer gemeinsamen Strategie gegen die Terroristen ist man allerdings nach wie vor auch deshalb weit entfernt, weil Russland weiter Assad stützt und Rebellen ausschaltet, die Türkei die syrischen Kurden bekämpft.

Wenn es gelingen soll, die Region zu befrieden, dann werden zunächst die Staatenlenker aus Ost und West an einem Strang ziehen, sie werden eine gemeinsame Koalition schmieden müssen. Nicht nur militärisch, sondern vor allem auch politisch. Eine Koalition nicht nur demokratischer Staaten. Eine Allianz, die wohl auch auf Despoten bauen muss.
So schwer es vorstellbar ist, sich mit Putin zu verbünden: Eine Zweckgemeinschaft mit dem Alleinherrscher scheint der einzige Weg, die Region an Euphrat und Tigris - ein Pulverfass mit weltweit tödlich-explosiver Wirkung - zu befrieden.

Der Schlüssel dafür liegt zunächst darin, das Land vom syrischen Tyrannen Baschar al-Assad zu befreien. Die Schlüsselrolle nimmt dabei Putin ein. Er hebt oder senkt hier den Daumen. Für das Zugeständnis, Assad fallen zu lassen, werden die westlichen Staaten den politischen Preis zahlen müssen, Russland zum Verbündeten zu machen. Mit dem Abgang Assads wäre eine weitere zweifelhafte Zweckgemeinschaft denkbar: eine Allianz mit den syrischen Rebellen. Damit wären möglicherweise ausländische Bodentruppen entbehrlich. Womit die Staatengemeinschaft vor der nächsten Gewissensfrage stünde: Ist im Kampf gegen den IS jedes Mittel recht?