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Hund oder Kind bei Hitze im Auto: So können Sie helfen

Entdeckt man ein Kind oder ein Tier bei großer Hitze alleingelassen in einem Auto, ist der erste Reflex: Scheibe einschlagen und helfen. Doch wie sieht die rechtliche Seite aus? Darf man das so einfach? Wir zeigen Ihnen, wie Sie helfen und am Ende nicht der Dumme sind!
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Die Hitze im Auto kann für Tiere lebensbedrohlich werden. Foto: Archiv
Die Hitze im Auto kann für Tiere lebensbedrohlich werden. Foto: Archiv

Wenn im Sommer die Temperaturen klettern, passiert es leider häufig, dass aus Unachtsamkeit oder Unwissenheit Kinder und Tiere im Auto zurückgelassen werden, um "mal eben schnell" etwas zu besorgen. Dabei wird gerade bei direkter Sonneneinstrahlung die Hitze im Pkw nicht nur unangenehm, sondern auch gefährlich.
 


Bericht: Polizei befreit Hund aus überhitztem Auto in Erlangen



Viele Ersthelfer zögern nicht und befreien eingeschlossene Tiere oder Kinder, doch wenn sie den Wagen dabei beschädigen, machen sie sich zunächst strafbar. Oder etwa nicht? Um zu vermeiden, dass Sie am Ende auf einer Anzeige sitzen bleiben, sollten Sie diese Schritte beherzigen:

Ernst der Lage überprüfen - Liegt ein Notfall vor?

Überprüfen Sie die Temperatur, um abzuschätzen, ob eine Gefahr vorliegen könnte. Klopfen Sie ans Fenster, um Reaktionen der Insassen zu überprüfen.

Reagieren diese? Sind sie tatsächlich bewusstlos oder schlafen sie nur? Ist der Wagen verschlossen? Wichtig ist festzustellen, ob ein Notfall vorliegt. Das ist nicht immer ganz einfach, gerade für Laien, aber "man muss kein Profi sein, um erkennen zu können, dass man eingreifen sollte", erklärt Rainer Seebauer, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken. Ziehen Sie hier auch Passanten zu Rate und fragen Sie diese nach Meinungen.

Zu Beachten ist auch, ob es sich beim Fahrzeug um ein Elektroauto handelt. Diese haben den Vorteil, dass sie vollständig klimatisiert werden können, ohne dass dafür ein Verbrenner laufen muss. Wenn man an einem Fahrzeug ein leichtes Surren, wie zum Beispiel bei einem Kühlschrank wahrnimmt, kann man davon ausgehen, dass das Klima im Innenraum des Fahrzeugs deutlich angenehmer ist, als außerhalb.

Nehmen Sie Kontakt zum Besitzer auf

Bevor Sie den Wagen beschädigen, versuchen Sie zunächst Kontakt zum Besitzer aufzunehmen. Fragen Sie Passanten oder lassen Sie - etwa im Schwimmbad oder im Supermarkt - die Nummer des Wagens ausrufen.

Kontaktieren Sie Rettungskräfte

Ist Gefahr im Verzug, also droht dem Kind oder dem Tier im Auto direkte Gefahr durch die Hitze, ist es auf jeden Fall ratsam, Polizei oder Feuerwehr zu alarmieren.

Also einfach die 110 oder die 112 wählen und Hilfe holen!

Schreiten Sie zur Tat

Ist absehbar, dass den Insassen direkte Gefahr droht, also Verletzungen oder gar der Tod, bevor Rettungskräfte eintreffen, schreiten Sie zur Tat! Beachten Sie dabei, dass stets die Maßnahme mit der geringsten Auswirkung zu wählen ist. Also so wenig Schaden wie möglich anrichten, um das Ziel der Rettung zu erreichen. Wichtig ist auch, darauf zu achten, dem Kind oder dem Tier durch die Rettungsaktion im Übereifer nicht zusätzlichen Schaden zuzufügen! Sitzt also beispielsweise ein Kind hinten rechts, schlagen Sie auf keinen Fall das rechte hintere Fenster ein - hierbei könnten Sie das Kind durch herumfliegende Glassplitter verletzen.
 


Bericht: Ersthelfer retten Dreijährige aus überhitztem Auto in Hirschaid


 


Wie ist die rechtliche Situation - droht mir eine Strafe?
Grundsätzlich begeht man als Ersthelfer Sachbeschädigung, wenn man etwa die Scheibe einschlägt. Doch keine Sorge: Durch Paragraph 34 des Strafgesetzbuches zum rechtfertigenden Notstand wird man geschützt, dort steht:

"Wer in einer gegenwärtigen, nicht anders abwendbaren Gefahr für Leben, Leib, Freiheit, Ehre, Eigentum oder ein anderes Rechtsgut eine Tat begeht, um die Gefahr von sich oder einem anderen abzuwenden, handelt nicht rechtswidrig, wenn bei Abwägung der widerstreitenden Interessen, namentlich der betroffenen Rechtsgüter und des Grades der ihnen drohenden Gefahren, das geschützte Interesse das beeinträchtigte wesentlich überwiegt. Dies gilt jedoch nur, soweit die Tat ein angemessenes Mittel ist, die Gefahr abzuwenden."

Das heißt: Besteht eine direkte Notlage und hat man keine andere Möglichkeit als direkt selbst einzugreifen, handelt man nicht rechtswidrig. Ob tatsächlich eine Notlage vorliegt, entscheidet der Notarzt.

 

Aufgrund dieser Einschätzung entscheidet der Staatsanwaltschaft, ob die Sachbeschädigung vermeidbar gewesen wäre.

Tipp: Dokumentieren Sie Ihr Handeln. Machen Sie Fotos und / oder Videos und notieren Sie sich Uhrzeiten, Kennzeichen, Automarke und -farbe. Ziehen Sie Zeugen hinzu und lassen Sie sich deren Kontaktdaten geben!

Haben Sie die obigen Punkte befolgt, ist es auch nach der Einschätzung von Rainer Seebauer sehr unwahrscheinlich, dass eine mögliche Anzeige des Autobesitzers wirklic h zu einer Gerichtsvorladung führt.

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