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München
Wiesn 2016

Kein Zaun ums Oktoberfest 2016 - doch wie Überfüllung verhindern?

Nach einer heftigen Debatte ist Wiesnchef Josef Schmid mit seinem Vorschlag gescheitert. Es kommt also keine Umzäunung. Aber was dann?
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Wenn's eng wird auf der Wiesen, regeln Polizisten die Besucherströme auf dem Oktoberfest. Foto: Marc Müller, dpa
Wenn's eng wird auf der Wiesen, regeln Polizisten die Besucherströme auf dem Oktoberfest. Foto: Marc Müller, dpa
Das Oktoberfest in München ist eine bierernste Angelegenheit. Für spöttische Wortspiele ist da eigentlich kein Platz. Dennoch überschlagen sich die Lokalzeitungen in der Landeshauptstadt mit Anspielungen, seit ein Streit um eine "temporäre Umzäunung" der Wiesn vom Zaun gebrochen wurde. Am Dienstag hat der Wirtschaftsausschuss des Stadtrats den Plan gestoppt - vorerst. Zumindest für das Oktoberfest im Herbst dieses Jahres gilt: Niemand hat die Absicht, einen Zaun zu errichten.

Um eine Überfüllung des Festgeländes an Tagen mit besonders großem Besucherandrang verhindern zu können, wollte Bürgermeister Josef Schmid (CSU) entlang der Schwanthalerhöhe einen Rollzaun installieren lassen, der bei Bedarf schnell geschlossen, aber auch schnell wieder geöffnet werden kann.

Prompt war in Schlagzeilen von einer "Oktoberfestung" die Rede.
Eine Zeitung titelte gar spöttisch "Auf eine eingefriedete Wiesn" - in Anspielung auf das alljährliche Motto des Oberbürgermeisters beim Anzapfen: "Auf eine friedliche Wiesn".

Mit dem Frieden im Münchner Stadtrat, wo eine rot-schwarze Koalition unter Führung von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) die Mehrheit hat, war es allerdings nicht mehr weit her, seit die Frage nach dem Zaun die Debatte um ein weiter entwickeltes Sicherheitskonzept für die Wiesn beherrschte. Zunächst schien es zwar so, als hätten sich die Sicherheitsbehörden auf ein Konzept geeinigt, in dem der Rollzaun (Fachbegriff: "Secu-Fence") als letztes Mittel zum Einsatz kommen sollte.


Die letzte große Lücke

Er sollte verhindern, dass Besucher, sobald die Haupteingänge wegen Überfüllung geschlossen werden, über den 350 Meter langen Hang an der Schwanthalerhöhe aufs Gelände strömen. Das ist neben den elf regulären Zugängen die letzte große Lücke in der ansonsten ohnehin schon weitgehend umzäunten Wiesn. Doch am Dienstag im Wirtschaftsausschuss wollte der neue Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle (SPD) diesem Punkt des Konzepts nicht mehr zustimmen.

Seine Begründung: Der Zaun hätte eher einen "kosmetischen Effekt", weil eine komplette Schließung der Zugänge ohnehin nicht garantiert werden könne und weil man es auf dem Oktoberfest - im Unterschied zu Open-Air-Konzerten oder Fußballspielen - mit einer "Gegenläufigkeit der Bewegungen" zu tun habe. Die einen wollen rein, die anderen wollen raus. "Ich wüsste nicht, was ein Zaun da bewirken soll", sagte Böhle.

Die CSU hielt dagegen. Er sei überrascht über den Sinneswandel, sagte Bürgermeister Schmid. Die Befürworter des Rollzauns verwiesen auf "kritische Situationen" in der Vergangenheit, als an bestimmten Tagen mehr als 600 000 Besucher auf dem Festgelände gezählt wurden.

Das sei öfters "sehr, sehr grenzwertig" gewesen, sagte CSU-Stadtrat Manuel Pretzl. Nur in derartigen Notfällen solle der Rollzaun für eine "temporäre Sperrung für 30 Minuten oder eine Stunde" zum Einsatz kommen. "Es geht und ging nie um eine Einzäunung der Wiesn", betonte Pretzl. Durchsetzen konnte die CSU den Rollzaun nicht. Alle anderen Parteien stimmten dagegen.

Doch zum Schluss blieb auch das Eingeständnis, dass man nicht wirklich weiter gekommen ist. "Es gibt keinen Königsweg", sagte Oberbürgermeister Reiter. Für nächstes Jahr sollen neue Vorschläge auf den Tisch. Grünen-Stadtrat Hep Monatzeder wies darauf hin, dass das Problem hausgemacht sei. Man habe den Platz ausgeweitet, um mehr Besucher auf die Wiesn zu locken. "Jetzt haben wir ein Riesengedränge." Uli Bachmeier