Spalt
Landwirtschaft

Hitze war nicht gut für Spalter Hopfen

Im fränkischen Hopfenanbaugebiet rund um Spalt läuft die Ernte auf Hochtouren. In diesem Jahr muss mit Einbußen von bis zu 30 Prozent gerechnet werden. Aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit und hoher Temperaturen sind die Dolden heuer deutlich kleiner.
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Den Duft frisch geernteter Hopfendolden riecht Toni Ermer besonders gern.  Foto: Matthias Hoch
Den Duft frisch geernteter Hopfendolden riecht Toni Ermer besonders gern. Foto: Matthias Hoch
In der Güsseldorfer Straße 1 in Spalt herrscht derzeit Hochbetrieb - Hopfenernte. In diesem Jahr allerdings keine gute. Hofbesitzer Toni Ermer führt uns zu einem mit Hopfendolden gefüllten Trog. "Da seht selbst. Die Dolden sind heuer viel kleiner als im letzten Jahr." Vor zwölf Monaten hatte man allerdings auch eine Rekordernte einfahren können. In diesem Jahr kann der Toni das vergessen. Im Schnitt rechnet er im Spalter Anbaugebiet mit einer um gut 30 Prozent geringeren Ernte.

"Heuer war es für den Hopfen viel zu heiß und viel zu trocken."

Ermer selbst hofft, ein Drittel seiner Ernte ist eingefahren, auch in diesem Jahr mit einem blauen Auge davonzukommen. Er gehört zu den wenigen Hopfenbauern, die ihre Felder dank eines eigenen Brunnens auch bewässern können. Da läuft dann die Dieselmaschine des zum Pumpen genutzten Traktors oft zehn Stunden am Tag. Zum Leidwesen so manches Nachbarn. Aber: "Was will ich machen? Bei der Trockenheit bleibt mir gar nichts anderes übrig."


"Nass und kalt, ist gut für Spalt"

Und in der Tat, im Mai, Juni und Juli, in den Wachstumsmonaten, regnete es im Spalter Land viel zu wenig. 100 Liter auf den Quadratmeter sind für Landwirte das Minimum. 150 Liter kein Schaden. Heuer kam man in zwei Monaten auf 30 Liter, einmal auf 60 Liter. Viel zu wenig. Immerhin wird die Hopfenpflanze über sieben Meter lang, hangelt sich in den Feldern an Drähten innerhalb kürzester Zeit Meter um Meter in die Höhe. Das braucht Kraft und vor allem Wasser. "Nass und kalt, ist gut für Spalt", heiße nicht umsonst eine alte Spalter Bauernregel, klärt uns Ermer auf.

Er bewirtschaftet eine Hopfenanbaufläche von 4,5 Hektar. Für Spalter Verhältnisse ist das nicht wenig. Seinen Hopfen vermarktet Ermer ausschließlich über die Spalter Hopfenverwertungsgenossenschaft. 1250 Kilo je Hektar werden ihm zu einem vertraglich festgesetzten Preis abgenommen. Geld, mit dem der Hopfenbauer in jedem Fall kalkulieren kann.


Ertrag oft 2000 Kilo je Hektar

In guten Jahren kommen auch schon mal 2000 Kilo je Hektar zusammen. Alles, was über die vertraglich zu liefernde Menge hinausgeht, ist sogenannter Freihopfen. Über den Preis wird gesondert verhandelt. In guten Erntejahren sinkt da schnell der Preis unter die vereinbarte Preisgrenze, in schlechteren Erntejahren kann der Freihopfen dagegen zu einem deutlich höheren Preis abgesetzt werden.

Weshalb Toni Ermer auch heuer auf einigen Freihopfen hofft. Trotz der Hitzeeinbußen. Zur Erntezeit ist bei Ermers die ganze Familie im Einsatz. Tonis Eltern sind da genauso gefordert wie die beiden Kinder und natürlich Ehefrau Ingrid. Die Familie bewohnt seit 200 Jahren das stets von Hopfenbauern genutzte Anwesen mit seinen insgesamt fünf Böden. Dort werden auch heute noch die Hopfendolden getrocknet. In diesen Tagen allerdings mit Hilfe einer Trocknungsmaschine. In einem Arbeitsvorgang können circa fünf Zentner bei etwa 65 Grad innerhalb von drei bis vier Stunden auf einen Restfeuchtegehalt von zehn Prozent heruntergetrocknet werden. Der Hopfen wird anschließend in Säcke abgepackt und bei der Genossenschaft abgeliefert.

"Vor 60 Jahren hatten wir noch 250 Hopfenbauern in Spalt", berichtet Toni. Und er zeigt Richtung Spalter Altstadt. "Schauen Sie sich all die hochgiebeligen Fachwerkhäuser an. Das waren alles Hopfenbauern."
Von den 250 Spalter Hopfenbauern seien heute gerade mal vier übrig geblieben. Es habe oft Nachwuchsprobleme gegeben. Das schlechte Image der Landwirtschaft habe die Krise weiter verschärft.

Heute gibt es laut Ermer im gesamten Spalter Hopfenanbaugebiet noch 55 Hopfenbauern, die zumeist im Nebenerwerb tätig sind. Sie setzen vor allem auf Qualität und Aromahopfen, um im Wettbewerb insbesondere gegen das wesentlich größere Hopfenanbaugebiet der Hallertau bestehen zu können. Toni Ermers Betrieb ist nicht zuletzt aus diesem Grund ISO-zertifiziert. Jeder einzelne Bearbeitungsschritt wird genauestens protokolliert, auch das Trocknungsverfahren.

Der Hopfen und sein Aroma durchdringen in diesen Tagen das gesamte Anwesen der Ermers. Besonders intensiv ist der hopfig herbe Geruch in einem kleinen Schuppen wahrnehmbar, in dem die fertig abgepackten Säcke mit dem gepressten Hopfen lagern. Dort hat Toni eine alte ausrangierte Couch platziert. "Hopfen beruhigt. Hier können Sie herrlich schlafen", grinst der Spalter Hopfenbauer. Der im übrigen auch mit Blick auf den Bierpreis beruhigt. Trotz der Ernteeinbußen beim Hopfen dürfte der Preis stabil bleiben. Er kenne die Brauer. Meint der Hopfenbauer, verabschiedet sich, und macht sich wieder an die Arbeit.