Bamberg
Kommentar

Anschlag in München: gegen das Diktat der Angst - ein Kommentar

Was werden die Ereignisse von Würzburg und München mit uns machen? Was bedeutet das Blutvergießen für die liberale Gesellschaft?
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Polizisten stehen am Freitagabend in München am Eingang zur U-Bahn Marienplatz. Bei Schüssen am Olympia-Einkaufszentrum in München hat es am Freitag Verletzte und auch Tote gegeben. Foto: Sven Hoppe/dpa
Polizisten stehen am Freitagabend in München am Eingang zur U-Bahn Marienplatz. Bei Schüssen am Olympia-Einkaufszentrum in München hat es am Freitag Verletzte und auch Tote gegeben. Foto: Sven Hoppe/dpa
Paris, Brüssel, Nizza - Würzburg, München... Der Terror rückte immer näher, ist nun mitten unter uns. Die bittere Erkenntnis: Die Gewalt kann uns überall treffen - in der Metropole ebenso wie in der Provinz. Die Nachrichtenbilder sind keine fremden mehr, es sind die unsrigen. Plötzlich geht uns das alles direkt an. Wir hatten es befürchtet. Die Frage war nicht mehr ob, sondern wann.
Blutvergießen ist kein abstrakter Begriff mehr, sondern konkrete Realität. Was wird diese Wirklichkeit aber bewirken, mit uns machen? Wird sie uns lähmen, so dass wir dem Diktat der Angst folgen - und uns immer mehr verschanzen? Werden wir hartherzig und blind fordern, alles und jeden, den wir dann als Gefährdung betrachten, zu verfolgen? Egal, ob richtig oder falsch?

Oder werden wir akzeptieren, dass eine offene Gesellschaft aushalten muss, dass es eben keine absolute Sicherheit gibt? Dass niemals die siegen dürfen, die unsere liberale Öffentlichkeit zu zerstören trachten? Wir sollten bedenken: Das Schicksal der Opfer ist mit uns verbunden. Ihnen sind wir verpflichtet, nicht den Tätern. Denn die, die schuldlos aus dem Leben gerissen wurden, haben verdient, dass wir im Gedenken an sie handeln. Denn ihr Leben stand vor der Angst, die ihre Mörder jetzt verbreiten.

So schwer dies alles zu ertragen ist, aber gerade jetzt ist Umsicht das Gebot der Stunde. Sonst geht das lebensverachtende Kalkül des Terrors auf.