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Bildung

G8 oder G9? Die Zukunft des bayerischen Gymnasiums ist unsicher

Das G9 soll in Bayern wiederkommen, daran gibt es inzwischen bei der CSU keinen Zweifel mehr - doch viele Fragen zu Inhalt und Kosten sind noch offen.
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Das G9 soll in Bayern wiederkommen, daran gibt es inzwischen bei der CSU keinen Zweifel mehr - doch viele Fragen zu Inhalt und Kosten sind noch offen. Foto: Armin Weigel/dpa
Das G9 soll in Bayern wiederkommen, daran gibt es inzwischen bei der CSU keinen Zweifel mehr - doch viele Fragen zu Inhalt und Kosten sind noch offen. Foto: Armin Weigel/dpa
G8? G9? Oder irgendwas dazwischen? Zur Zukunft des bayerischen Gymnasiums sei noch gar nichts entschieden, beteuert Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). "Denn ich würde dazu keine Gespräche mehr führen, wenn ich mir schon klar bin", fügt der Regierungschef mit ernstem Blick an.

Was wohl bestenfalls die halbe Wahrheit ist: Denn seit Seehofer letzten Sommer höchstpersönlich versprochen hatte, jeder Schüler in Bayern werde die Möglichkeit bekommen, das Abitur wieder in neun Jahren zu erreichen, hat sich eine Dynamik zurück zum neunjährigen Gymnasium (G9) in Gang gesetzt, die für die CSU wohl nicht mehr zu stoppen ist. Zu eindeutig ist das Votum, das Lehrer, Eltern, Schulleiter und Kommunen für eine längere Gymnasialzeit inzwischen abgegeben haben.

Der Plan von Schulminister Ludwig Spaenle (CSU) jede Schule über G8 oder G9 selbst entscheiden zu lassen, hat sich deshalb längst ebenso in Luft aufgelöst, wie der noch im Herbst von CSU-Bildungspolitikern im Landtag bekräftigte Schwur, um jeden Preis am G8 festhalten zu wollen.


Bis zu 1500 neue Lehrer nötig?

Auch in der Landtags-CSU bezweifelt deshalb inzwischen kaum jemand mehr, dass das Gymnasium in Bayern bald wieder neun Jahre dauern wird. Unklar ist dagegen auch besonnenen Gemütern, was dieser Beschluss konkret bedeuten soll. "Es gibt noch sehr viele offene Fragen", beklagt etwa der CSU-MdL Markus Blume. Das beginne schon bei den Kosten: Allein den G9-Umbaubedarf an den Schulgebäuden beziffern etwa die Kommunen auf rund 1,5 Milliarden Euro.

Im Kultusministerium geht man zudem wohl von bis zu 750 zusätzlichen Lehrern aus - eine Zahl, die selbst in der CSU massiv angezweifelt wird. Bis zu 1500 zusätzliche Lehrer seien nötig, wenn das neue G9 kein "Sparmodell" sein soll, glauben nämlich Bildungsexperten - was am Ende jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag kosten würde. Doch auch inhaltlich bleibt Klärungsbedarf: So könnte laut Spaenle ein neues G9 im Herbst 2018 für die fünften und sechsten Klassen starten. Ab der siebten Klasse aufwärts sollen die Schüler dagegen das alte G8 beenden. "Auch diesen Schülern müssen wir eine längere Variante anbieten", fordert dagegen der SPD-Bildungsexperte Martin Güll.


"Fehler von 2003 vermeiden"

Und wenn mit dem G9 der Nachmittagsunterricht wegfällt: Wer trägt die zusätzlichen Kosten der Nachmittagsbetreuung? Werden die teuer eingerichteten Mensen wieder stillgelegt? Oder braucht man mehr echte Ganztagsschulen, um berufstätigen Eltern entgegenzukommen? Kann man den nagelneuen G8-Lehrplan "Plus" einfach anpassen, wie Spaenle behauptet? Oder braucht man eine Neukonzeption? Welche Schwerpunkte will man im G9 setzen, welche Fächer vertiefen? Auch das G9 werde nicht alle Erwartungen erfüllen können und deshalb erneut zu Enttäuschungen führen, warnen Kritiker in der CSU. Auf keinen Fall will man dort aber den Kern-Fehler der G8-Einführung von 2003 wiederholen, einen Grundsatzbeschluss zu fällen, ohne sich über die Konsequenzen klar zu sein.


"Bildungsgipfel" am 6. März

"Klar habe ich alle Antworten", beteuert Spaenle zwar vollmundig. Eine Einschätzung, die offenbar aber selbst Seehofer bezweifelt: Ab 2. März will der Regierungschef jedenfalls noch einmal selbst mit den Schulverbänden über die G9-Rückkehr sprechen. Am 6. März ist dann ein "Bildungsgipfel" mit Spaenle und den Spitzen der Landtags-CSU geplant.
Nur falls dann auch alle Folgefragen geklärt seien, könne es eine G9-Entscheidung geben, so Seehofer. Und falls nicht? "Dann wird der Beschluss noch einmal verschoben."